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Brände in Australien : Soldaten kämpfen gegen die Feuer

Ein Tanker fliegt über ein Wildfeuergebiet. Im Kampf gegen die Brände hat Australiens Regierung Reservisten einberufen. Bild: dpa

Australien beruft Reservisten ein, die die Feuerwehrleute im Kampf gegen die verheerenden Feuer unterstützen sollen. Es ist der erste Pflichteinsatz in der Geschichte des Landes.

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          Im Kampf gegen die verheerenden Buschbrände setzt Australien jetzt verstärkt das Militär ein. So werden nach Angaben der Regierung bis zu dreitausend Reservisten einberufen, um die Feuerwehrleute in ihrem Einsatz zu unterstützen. Laut Verteidigungsministerin Linda Reynolds ist es das erste Mal in der Geschichte des Landes, dass Reservisten in einen Pflichteinsatz geschickt werden. Ohnehin helfen etwa zweitausend Soldaten schon seit einiger Zeit mit Erkundungsflügen und Logistik. Premierminister Scott Morrison kündigte am Samstag außerdem den Einsatz eines dritten Kriegsschiffs zur Unterstützung der Evakuierungen entlang der Küste der Bundesstaaten New South Wales und Victoria an. Die HMAS Adelaide war am Samstag außerdem mit 400 Tonnen Hilfsgütern an Bord von Sydney aus in See gestochen.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Darüber hinaus will die Regierung umgerechnet rund zwölfeinhalb Millionen Euro ausgeben, um vier zusätzliche Löschflugzeuge bereitzustellen. „Die heutige Entscheidung bringt mehr Stiefel auf die Erde, mehr Flugzeuge in die Luft und mehr Schiffe auf See“, sagte Morrison, der wegen seines unglücklichen Krisenmanagements und seiner kohlefreundlichen Politik in der Kritik steht. Nachdem der Premier es bisher vermieden hatte, das beispiellose Ausmaß der Buschfeuer klar auszusprechen, malte er nun ein dramatisches Bild der Lage. „In jüngster Zeit, besonders im Verlauf dieser Woche, hat die Katastrophe ein völlig neues Ausmaß erreicht“, sagte er am Samstag in Canberra. Er kündigte an, seine geplanten Staatsbesuche Mitte des Monats in Indien und Japan zu verlegen. Morrison war zuvor dafür kritisiert worden, dass er mitten in der Buschfeuerkrise im Dezember mit seiner Familie in den Urlaub nach Hawaii gereist war. Er hatte den Urlaub dann aber abgebrochen.

          Aufgrund hoher Temperaturen und starker Winde ist ein Nachlassen der Feuer nicht zu erwarten. Im Gegenteil waren für das Wochenende wieder katastrophale Zustände angekündigt. Das Thermometer erreichte in der Hauptstadt Canberra am Samstag 43 Grad Celsius. In Penrith, einem Vorort im Westen von Sydney, wurden sogar 48,9 Grad gemessen – ein Rekordwert für die Region um die Metropole. In den Bundesstaaten New South Wales und Victoria gilt seit Freitag der Notstand. Die Brände haben bisher ein Gebiet von der Größe Belgiens zerstört. Vermutlich 23 Menschen und eine halbe Milliarde Tiere sind in den Feuern bislang umgekommen. Am Samstag wurde bekannt, dass auf der bei Touristen beliebten Känguru-Insel in Südaustralien zwei Menschen starben. Die Feuerwehr sagte, der Brand dort sei „praktisch nicht mehr aufzuhalten“.

          Im Bundestaat Victoria wurde die Zahl der Vermissten dafür von 28 auf sechs Personen heruntergesetzt, nachdem einige von ihnen lebend gefunden worden waren. Jedoch mussten dort Anwohner des Ortes Omeo mit Hubschraubern in Sicherheit gebracht werden. Dort hatte wie zuvor schon an anderen Orten der Rauch den Himmel rot gefärbt. Das genaue Ausmaß der jüngsten Entwicklungen in der Region war zunächst noch nicht abzusehen. Die Behörden warnten allerdings, dass das Schlimmste noch bevorstehen könnte. So wurde im Westen Sydneys damit gerechnet, dass dort ein Feuer aus einem Nationalpark auf die Vororte übergreifen könnte. Landesweit sind seit Oktober schon fünf Millionen Hektar abgebrannt. Mehr als 1500 Häuser wurden zerstört. Im Hafen von Hastings südlich von Melbourne trafen am Samstag zwei Marineschiffe ein, die etwa tausend Menschen aus dem Brandgebiet von Mallacoota in Sicherheit gebracht hatten. Dort waren seit dem Jahreswechsel etwa viertausend Menschen von den Flammen eingeschlossen. Sie waren vor dem Feuer an den Strand geflüchtet. Den Behörden zufolge war ihre Rettung die größte Evakuierungsaktion in der Geschichte Australiens in Friedenszeiten.

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