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Im Gespräch: Ärztin Irmgard Harms : „Immer trifft es dieses arme Land“

  • Aktualisiert am

Irmgard Harms half bereits Anfang des Jahres nach dem Erdbeben in Haiti Bild: Humedica

Irmgard Harms hilft bei der Vesorgung der Cholera-Patienten in Haiti. Nach Beobachtung der deutschen Ärztin werden die Menschen gut informiert und mit sauberem Wasser versorgt. Aus den Flüssen müsse niemand mehr trinken.

          Irmgard Harms aus Bad Hindelang im Allgäu ist seit vergangener Woche für die Organisation Humedica wieder im Freiwilligen-Einsatz in Haiti. Die Ärztin, die im vergangenen Jahr pensioniert wurde, hatte als ehemalige Leiterin des Gesundheitsamtes Sonthofen schon oft mit Infektionskrankheiten zu tun - aber nicht in solchem Ausmaß.

          Frau Dr. Harms, Sie helfen in Haiti bei der Cholera-Bekämpfung. Was machen Sie gerade, am Montagmorgen Ortszeit?

          Ich sitze in einem Treffen mit dem Kinderhilfswerk Unicef, dem UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten Ocha und der Weltgesundheitsorganisation in Saint-Marc.

          Und über was wird gesprochen?

          Wer was macht. Wir haben die Klinik im Ausgangsgebiet der Cholera, in Drouin, zugesprochen bekommen, das liegt in einer ländlichen Region etwa 60 Kilometer nordwestlich von Port-au-Prince. Für Sicherheit und Wasser ist dort von anderen Organisationen gesorgt. Unicef wird Material liefern. Wir sollen den medizinischen Betrieb in der Klinik leiten. Gleich fahre ich wieder dorthin.

          Wann haben Sie zum ersten Mal von der Cholera auf Haiti gehört?

          In der Nacht auf Freitag bekam ich aus Deutschland eine SMS. Am Morgen habe ich dann gleich im Gesundheitsministerium nachgefragt, wo wir arbeiten sollen. Und dann sind wir gleich ins Krankenhaus von Drouin gefahren.

          Wie war die Lage dort?

          Überall lagen Patienten herum. Die Versorgung war schleppend. Mittlerweile haben wir dort mit all den Mitarbeitern in nur drei Tagen deutlich mehr als 1000 Patienten versorgt.

          Wissen Sie etwas über die Ursache des Ausbruchs?

          Da muss ich mich auch auf offizielle Verlautbarungen beziehen, dass nämlich der Fluss Artibonite Latrinen überflutet und so die Erreger verbreitet hat. Was ich bestätigen kann: dass dieser Fluss wegen der starken Regenfälle in den vergangenen Wochen Hochwasser führte.

          Verbessert sich denn die Lage langsam?

          Ich habe den Eindruck, ohne das mit Zahlen belegen zu können, dass die Sterblichkeit zurückgeht. Immerhin werden die Menschen jetzt darüber informiert, wie sie eine Ansteckung vermeiden können. Es fahren sogar Lautsprecher-Wagen durch die Orte, die verkünden, dass man sich die Hände waschen soll und wie die Krankheit übertragen wird.

          Wie viele Menschen sind denn in und an Ihrer Klinik bislang gestorben?

          Mindestens fünf. Genauer kann ich es nicht sagen, da nachts die Ortskräfte Dienst haben. Mit der Übernahme der Verantwortung wird nun auch die Statistik nach unseren Vorgaben geführt.

          Wer hat das höchste Risiko, an der Durchfallerkrankung zu sterben?

          Vor allem Unterernährte, und unter ihnen meist alte Leute und Kinder.

          Wie behandeln Sie die Patienten?

          Ich lege Infusionen, kläre die Menschen über Hygienemaßnahmen auf, koordiniere und überwache ihre Versorgung. Die Patienten bekommen gut und viel zu trinken sowie eine Elektrolyt-Glukose-Infusion.

          Und davon gibt’s genug?

          Im Moment ja. Es gibt auch Organisationen, die sich um die Wasserversorgung kümmern. Aus den Flüssen müssen die Menschen hier nichts mehr trinken.

          Wie stellen Sie fest, dass ein Mensch an Cholera leidet?

          Man merkt es an reiswasserähnlichen Durchfällen. Den Patienten werden Windeln angelegt, sofern vorhanden. Oft nehmen die Angehörigen auch Stofftücher, die immer wieder ausgewaschen werden.

          Und wie schützen sich die Angehörigen?

          Einen Mundschutz braucht man nicht. Man muss aber penibel auf die Hygiene achten und die Hände waschen.

          Bisher hat man aber den Eindruck, dass Verwandte und Freunde in ungeschütztem Kontakt zu den Erkrankten sind.

          Das ändert sich dank Aufklärung nun.

          Wie schlimm kann es werden, wenn in der Hauptstadt die Epidemie ausbricht?

          Das Gesundheitsministerium tut alles, um mit ausländischer Unterstützung dort eine Ausbreitung zu verhindern.

          Sie waren unter anderem nach dem Erdbeben auf Sumatra und während der Meningitis-Epidemie in Niger im Einsatz. Warum machen Sie das eigentlich?

          Ich hab’s gelernt. Und mit den Händen zu arbeiten macht mir Freude.

          Besonders in Haiti muss eine solche Tätigkeit aber auch deprimierend sein?

          Es gibt trotzdem immer wieder Momente der Freude. Man muss vieles im Leben tun, was mühsam ist, aber trotzdem Freude bringen kann.

          Angeblich beherrschen Sie auch schon die kreolische Sprache.

          Nur ein bisschen, weil ich auch 2008 schon in Haiti war, zur Flutkatastrophe, und Anfang dieses Jahres, nach dem verheerenden Erdbeben.

          Dann haben Sie ja schon alle Katastrophen durchgemacht, die ein solches Land treffen kann.

          Ja, es ist schlimm, dass dieses armes Land immer wieder heimgesucht wird.

          Wie lange bleiben Sie noch?

          Erst einmal für drei Wochen.

          Was heißt „erst einmal“?

          Ich kann mir vorstellen zu verlängern.

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