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Warnung vor Silvester : Wenn der Böllerwurf den Finger kostet

  • -Aktualisiert am

Verheerend: Eine deformierte Handattrappe, an der die Wirkkraft eines illegalen Feuerwerkskörpers getestet worden ist. Bild: Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung

Wer im Umgang mit Feuerwerk Regeln missachtet, riskiert schwere Verletzungen. In Nordrhein-Westfalen etwa verlor eine Frau ihren Unterschenkel. Trotz solcher Fälle ist illegale Pyrotechnik beliebt.

          Die ersten Nachrichten eines neuen Jahres vorherzusagen ist nicht schwer: Nach dem Neujahrsfrühstück wird mit Sicherheit auch 2018 im Netz von Menschen zu lesen sein, die mit Böllern und Raketen hantiert und sich dabei schwer verletzt haben. Allein in Berlin wurden beim letzten Jahreswechsel mehr als ein Dutzend Menschen mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht, weil ihnen Böller etwa Finger zerfetzt oder abgerissen hatten. Würden ausnahmsweise einmal alle Böller- und Raketenfreunde auf Christian Lohrer hören, gäbe es solche Nachrichten dieses Mal nicht.

          Lohrer ist Ingenieur, arbeitet bei der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung in Berlin und hat Feuerwerkskörper untersucht. Er weiß, was passiert, wenn Raketen in Menschengruppen fliegen oder illegale Böller in Händen explodieren. Es gebe „furchtbare Bilder“ von Verbrennungen, abgetrennten Fingern oder Rissen. Doch solche schweren Verletzungen ließen sich verhindern.

          So solle man nur in Deutschland zugelassene Feuerwerkskörper kaufen, die man an einem aufgedruckten CE-Zeichen mit einer vierstelligen Zahl sowie einer Registriernummer erkenne, sagt Lohrer. Wichtig sei es auch, die Gebrauchsanweisung zu lesen – und zwar nicht alkoholisiert unter einer Straßenlaterne kurz vor Mitternacht, sondern in Ruhe.

          „Sehr gefährliche Situationen“

          Entzünde man dann Böller oder Raketen, müsse man sicherstellen, dass in einem Radius von acht Metern niemand mehr um das Feuerwerk steht. Raketen solle man am besten aus einer Bierflasche starten lassen, die man in einen Bierkasten stellt, um für mehr Standfestigkeit zu sorgen. Denn wenn eine Rakete umkippe oder im Schnee stecken bleibe, „können sehr gefährliche Situationen entstehen“, sagt Lohrer. Eine in nächster Nähe explodierende Rakete könne beim Menschen Verbrennungen und Augenschäden verursachen.

          Welche Folgen Nachlässigkeit haben kann, zeigt auch ein Fall aus Datteln in Nordrhein-Westfalen. Dort entzündete ein Gastwirt in der Nacht zum 1. Januar 2016 eine sogenannte Batterie, also eine Abschussvorrichtung für mehrere Raketen. Aus unbekannten Gründen kippte die Batterie um und feuerte 13 Raketen in eine Personengruppe. Mehrere Menschen wurden verletzt, einer 26 Jahre alten Kellnerin musste ein Unterschenkel amputiert werden.

          Der Entzünder der Batterie musste sich vor dem Bochumer Landgericht verantworten. Er wurde vor zwei Wochen zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Außerdem muss er Schmerzensgeld zahlen. Zwar behauptete der Verurteilte, die Batterie habe ein CE-Prüfzeichen aufgewiesen, tatsächlich aber war sie in Deutschland nicht frei verkäuflich.

          Von solchen Feuerwerkskörpern, die nur mit behördlicher Genehmigung verwendet werden dürfen, besonders aber von illegalen Knallkörpern geht eine erhebliche Gefahr aus. Schon der Umgang mit ihnen ist laut Lohrer strafbar. Trotzdem ist illegale Pyrotechnik aus dem Ausland sehr beliebt. Allein in der brandenburgischen Grenzregion zu Polen stellte der Zoll 2016 fast zehn Tonnen sicher.

          Bei den sogenannten Polenböllern handelt es sich um Blitzknallkörper, die ein Gemisch aus einem Oxidationsmittel und Metallpulver enthalten. Im Vergleich mit gewöhnlichen Böllern, für die eine streng begrenzte Menge Schwarzpulver verwendet wird, haben sie eine deutlich größere Sprengkraft. „Sie können damit eine ganze Waschmaschine kaputt machen“, sagt Lohrer. Explodiere ein solcher Böller in der Hand, seien schwere Verletzungen, etwa der Verlust mehrerer Finger, die Folge. Auch an die Lärmschutzvorschriften halten sich die Hersteller der illegalen Knallkörper nicht. Wer sie entzündet, riskiert auch Hörschäden.

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