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Hurrikan über Florida : „Ian“ hinterlässt eine Schneise der Verwüstung

  • -Aktualisiert am

In der Stadt Fort Myers in Florida steht nach dem Sturm die Innenstadt unter Wasser. Bild: Reuters

Der Hurrikan der Kategorie vier trifft an Floridas Südwestküste an Land. Die Sturmfluten erreichen eine Höhe von bis zu 3,5 Metern.

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          Das ganze Ausmaß von Hurrikan „Ian“ zeigt eine Aufnahme, welche die Weltraumbehörde Nasa veröffentlichte. Das Bild stammt schon von Montag und zeigt den riesigen Wirbelsturm, der 400 Kilometer der Erdoberfläche über der Karibik umkreist. Aufgenommen hatte das Foto ein Besatzungsmitglied der internationalen Raumstation.

          Majid Sattar
          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          In Florida war man also gewarnt. Als der Hurrikan der Kategorie vier dann am Mittwochnachmittag das Festland von Florida erreichte, deckte es einen breiten Küstenabschnitt am Golf von Mexiko ab, der südlich von Naples begann und bis nördlich von Tampa reichte. Er umfasste eine Strecke von fast 400 Kilometern. Der Sturm ist massiv: Mit Windgeschwindigkeiten von 240 Kilometern pro Stunde lag „Ian“ dabei nur knapp unterhalb der Schwelle zur höchsten Hurrikan-Kategorie. Das Zentrum des Wirbelsturms war die vorgelagerte Insel Cayo Costa nahe der Stadt Cape Coral, wie die Meteorologen mitteilten. „Ian“ hatte zuvor über dem Golf von Mexiko an Kraft gewonnen. Obwohl der Sturm sich an Land abschwächte, schlug er eine breite Schneise und durchquerte den Bundesstaat bis zur Atlantikküste.

          Die Sturmfluten erreichten zum Teil eine Höhe von 3,5 Metern, teilte Ron DeSantis, der Gouverneur Floridas, am Mittwochabend mit. Meteorologen berichteten, der Sturm habe sich zeitweise nur mit einer Geschwindigkeit von 13 Kilometern pro Stunde in nordöstlicher Richtung bewegt. Angesichts der starken Winde und Regenfälle hinterließ er dadurch große Schäden: Für eine Schadensbilanz war es noch zu früh. Doch zeigten Fernsehsender abgeknickte Palmen, entwurzelte Bäume, umherfliegende Hausdächer sowie Autos und Pritschenwagen, die durch die Sturmflut weggeschwemmt wurden. Trümmerteile flogen durch die Luft. DeSantis sagte, „Ian“ dürfte in die Liste der fünf schwersten Hurrikans in Florida kommen. 1,8 Millionen Haushalte waren ohne Strom.

          Gefahr durch Trümmer und am Boden liegende Stromleitungen

          Der Wirbelsturm könne auch am Donnerstag, bei der Ankunft an der Ostküste des Bundesstaates, noch zerstörerische Hurrikan-Stärke haben, warnten die Meteorologen. Die Bürger in den betroffenen Gebieten wurden gewarnt, weiterhin nicht ihre Häuser zu verlassen. Auch wenn der Wirbelsturm abziehe, bestehe weiter Gefahr durch Trümmer und am Boden liegende Stromleitungen. Für 2,5 Millionen Bürger in der Region galten Evakuierungsanweisungen. Trotzdem entschieden sich einige, in ihren Häusern zu bleiben.

          Das Satellitenbild zeigt ,wie Hurrikan „Ian“ im Südwesten Floridas in der Nähe von Cayo Costa auf Land trifft.
          Das Satellitenbild zeigt ,wie Hurrikan „Ian“ im Südwesten Floridas in der Nähe von Cayo Costa auf Land trifft. : Bild: AP

          DeSantis teilte mit, die Behörden stünden für Bergungs- und Reparaturarbeiten bereit, sobald das Wetter diese zulasse. Auf Twitter schrieb der Republikaner, der im November zur Wiederwahl steht, rund 7000 Soldaten der Nationalgarde und 179 Flugzeuge oder Hubschrauber könnten eingesetzt werden. Zudem hielten sich mehr als 40.000 Monteure der Versorgungsunternehmen bereit, um Stromleitungen zu reparieren. DeSantis hatte vorsorglich den Notstand für alle 67 Landkreise ausgerufen und die Bevölkerung aufgefordert, Notfall-Vorräte anzulegen. Es werde „sehr, sehr schlimm“ warnte er. Präsident Joe Biden rief die Bürger in Florida auf, allen Anweisungen der Behörden Folge zu leisten. Die Gefahr sei real.

          Hunderte von Trucks zur Reparatur von Strom- und Wasserleitungen standen in Sumter County bereit.
          Hunderte von Trucks zur Reparatur von Strom- und Wasserleitungen standen in Sumter County bereit. : Bild: AP
          Segelboote, die in der Roberts Bay vor Anker liegen, wurden von „Ian“ wie Spielzeugboote umhergeweht.
          Segelboote, die in der Roberts Bay vor Anker liegen, wurden von „Ian“ wie Spielzeugboote umhergeweht. : Bild: dpa

          Das amerikanische Hurrikanzentrum teilte mit, es könnte Monate dauern, bis die Schäden behoben seien. Ken Graham, der Direktor des Nationalen Hurrikanzentrums, hob hervor, es werde vermutlich 24 Stunden dauern, bis der Wirbelsturm über Florida hinweggezogen sei. Das bedeute 24 Stunden heftiger Regenfälle. Deanne Criswell, die die Katastrophenschutzbehörde Fema leitet, sagte, die voraussichtlich von dem Sturm betroffene Region habe seit rund 100 Jahren keinen solchen Hurrikan mehr erlebt. UN-Generalsekretär António Guterres bezeichnete „Ian“ als „ein weiteres Beispiel dramatischer Klima-Aktivitäten, wie wir sie auf der ganzen Welt mit zunehmender Frequenz und zunehmender Zerstörung sehen“.

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