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Ursachen der Sintflut : Warum ein Hurrikan Houston untergehen lässt

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Die Küstenwache sprach von mehr als 3000 Menschen, die allein am Montag aus den überschwemmten Gebieten gerettet worden seien. Bild: AFP

Die Niederschlagswerte sind atemberaubend: Im Süden von Texas hat es wohl noch nie in so kurzer Zeit so viel geregnet wie seit dem Eintreffen von Hurrikan Harvey. Als Ursache für diese Sintflut kommen mehrere Gründe in Frage.

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          Die Gefahr für die beiden amerikanischen Bundesstaaten Texas und Louisiana, die von Tropensturm Harvey ausgeht, ist noch längst nicht vorüber – und doch gilt dieser tropische Wirbelsturm schon jetzt als Rekordhalter. Seit Harvey in der Nacht zum Samstag nordöstlich der texanischen Stadt Corpus Christi das amerikanische Festland erreichte, fielen im Großraum Houston mehr als 90 Zentimeter Niederschlag – und seitdem prasselt der Regen weiter auf die viertgrößte Stadt der Vereinigten Staaten nieder.

          Nur im Juli 1979, als Wirbelsturm Claudette südlich von Houston das Festland erreichte, fiel dort mit 109 Zentimetern etwas mehr Niederschlag. Selbst Hurrikan Carla, der stärkste Wirbelsturm, der je in Texas wütete, ließ es im September 1961 nur 44 Zentimeter am Stück regnen. Aber im Gegensatz zu Harvey blieb Carla nicht tagelang über Texas und Louisiana hängen. Vielmehr setzte der Sturm, nachdem er das Festland erreicht hatte, seine Reise als Tiefdruckgebiet rasch über die Vereinigten Staaten nach Nordosten bis zum Sankt-Lorenz-Strom in Kanada fort.

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          Mit Harvey verhält es sich ganz anders. Kaum hatte der Wirbelsturm am vergangenen Freitagabend (Ortszeit) die texanische Küste erreicht, blieb er im Süden des Bundesstaates hängen. Zunächst setzte er seinen ursprünglichen Weg nach Nordnordwest in Richtung San Antonio zwar sehr langsam fort, machte dann aber am Sonntag kehrt. Das Zentrum des Wirbelsturms drehte zur Golfküste zurück. Und seit Montagmittag zieht der Sturm südlich der Städte Houston und Galveston entlang der Golfküste in Richtung Nordosten und strebt seitdem in Küstennähe über dem Meer auf Louisiana zu.

          Ganze Ortsteile gingen im Wasser unter

          Bei seinem Weg über Land entfernte sich das Auge des Sturms nie mehr als 50 Kilometer von der Küste zum Golf von Mexiko und dem dort zu dieser Jahreszeit äußerst warmem Meerwasser. Obwohl Harvey bei seinem Rückzug vom südtexanischen Festland von einem Hurrikan der Kategorie 4 auf der fünfteiligen Wirbelsturm-Skala zu einem einfachen Tropensturm zurückgestuft wurde, ließ der mit dem Sturm verbundene Niederschlag nicht nach. Seit dem Eintreffen des Sturms ist in manchen Stadtteilen von Houston mehr als ein Meter Niederschlag gefallen. Nicht nur Straßen, Autobahnen, Eisenbahnlinien und Flughäfen wurden überflutet – ganze Ortsteile gingen im Wasser unter. Viele Einwohner fanden nur noch auf den Dächern ihrer Häuser Schutz vor den immer weiter steigenden Wassermassen. Rettungsmannschaften konnten sie von dort nur mit Hubschraubern und Booten in Sicherheit bringen.



          Nach Meinung vieler Meteorologen hat es im Süden von Texas noch nie in so kurzer Zeit so viel geregnet wie seit dem Eintreffen von Harvey. Die Niederschlagswerte sind atemberaubend. Meteorologen berechneten, dass zwischen dem Eintreffen Harveys an der Golfküste und Sonntagabend über dem Großraum Houston mehr als 34 Kubikkilometer Niederschlag gefallen sind. Ein Vergleich macht deutlich, wie riesig diese Menge ist: Sie entspricht einem Niederschlag von zehn Zentimetern über der gesamten Fläche Deutschlands. Wenn die Reste des Wirbelsturms wie erwartet nur sehr langsam aus dem Süden von Texas abziehen, wird für die nächsten Tagen noch einmal die gleiche Menge an Niederschlag erwartet.

          Wirbelstürme gegen den Uhrzeigersinn

          Als Ursache für diese Sintflut kommen mehrere Gründe in Frage. Auf der Nordhalbkugel drehen sich Wirbelstürme gegen den Uhrzeigersinn. Weil sich Harveys Auge zu keiner Zeit allzu weit von der Küste entfernte, brachte der linksdrehende Sturm dauernd neue Wassermassen von dem zu dieser Jahreszeit äußerst warmen Golf von Mexiko in Richtung texanisches Festland. Ein weiterer Grund für die intensiven Niederschläge ist, dass sich das Auge von Harvey nur sehr langsam bewegte. Während es in manchen Wirbelstürmen mit einigen Dutzend Kilometern pro Stunde über das Land rast, bewegte sich Harveys Auge nur mit einer Geschwindigkeit von wenigen Kilometern pro Stunde.

          Dementsprechend verweilten die Niederschlagsbänder des Wirbelsturms viel länger über einem Ort. Deshalb regnete es wesentlich mehr als in einem Sturmsystem, das sich schneller über das Land bewegt. Hinzu kommt, dass der Großraum um Houston kaum mehr als zehn Meter über Normalnull gelegen ist. Weil der Wirbelsturm in der Galveston-Bucht, die der Stadt Houston vorgelagert ist, ein Hochwasser verursachte, konnte das auf die texanische Großstadt fallende Regenwasser nicht schnell genug in die Bucht abfließen. Weitreichende Überflutungen in der Hauptstadt der amerikanischen Erdölindustrie waren die Folge.

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