https://www.faz.net/-gum-9ed26

Hurrikan „Florence“ : „Dieser Wirbelsturm ist ein Monster“

  • -Aktualisiert am

Hurrikan „Florence“ nähert sich mit großer Zerstörungskraft der Südostküste der Vereinigten Staaten. Bild: dpa

Hunderttausende haben wegen Hurrikan Florence ihre Häuser an der amerikanischen Küste schon verlassen. Es drohen bis zu vier Meter hohe Flutwellen – und Wochen ohne Strom.

          Die Hoffnung vieler, Hurrikan Florence würde in letzter Minute doch noch abdrehen, machte North Carolinas Gouverneur Roy Cooper mit nur einem Satz zunichte. „Die Katastrophe steht vor der Haustür und wird eintreten“, sagte der Demokrat und mahnte die Bewohner des Küstenstaats, sich vor meterhohen Flutwellen in Sicherheit zu bringen. „Dieser Wirbelsturm ist ein Monster. Er ist anders als alle anderen. Wer meint, ihn aussitzen zu können, riskiert sein Leben.“ Wie in den Nachbarstaaten South Carolina und Georgia folgten Hundertausende Bewohner der Küstenregion den Evakuierungsanordnungen der Behörden, während sich Florence über dem Atlantik weiter auf den Südosten der Vereinigten Staaten zubewegte. Insgesamt sollen mehr als eine Million Menschen ihre Häuser verlassen haben.

          Da sich die Windgeschwindigkeiten des Wirbelsturms in der Nacht zu Donnerstag auf etwa 160 Kilometer je Stunde abschwächten, stufte das Nationale Hurrikanzentrum in Miami Florence zu einem Sturm der Kategorie 2 herunter. Amerikanische Meteorologen warnten aber davor, den Wirbelsturm zu unterschätzen. „Sobald sich ein Sturm langsamer bewegt, bringt er mehr Regen. Zusammen mit den Flutwellen, die von der See aus in die Flüsse drücken, können sich die Überschwemmungen verschlimmern“, warnte der Meteorologe Steven Pfaff. Dem Nationalen Wetterdienst zufolge erreicht Hurrikan Florence die Küste der Carolinas spätestens am Freitagmorgen. Nach dem Landfall zieht der Wirbelsturm voraussichtlich in südlicher Richtung über Georgia weiter.

          Bilderstrecke

          „Wir sprechen über ein ausgedehntes Windfeld“, sagte der Leiter der amerikanischen Katastrophenschutzbehörde Fema, Brock Long, am Donnerstag. Es werde extreme Sturmfluten geben. „Sturmfluten werden ein großes Problem flussaufwärts sein“, beschrieb er. Regenbänder würden tagelang ihre über dem Atlantik aufgesogene Wasserlast über den Küstenabschnitten bis weit ins Landesinnere abladen.

          Bis zu drei Millionen Haushalte ohne Strom

          „Der Strom wird weg sein, vielleicht für Tage, vielleicht aber auch für Wochen“, sagte Long. Stromversorger haben Tausende Spezialkräfte aus vielen Teilen der Vereinigten Staaten in die Region entsandt, um nach Einsturz von Strommasten die Versorgung wiederherzustellen. Der Stromversorger Duke Energy geht von ein bis drei Millionen Haushalten und Unternehmen aus, die ohne Strom sein könnten. „Wir müssen damit rechnen, dass 75 Prozent unserer Kunden ohne Elektrizität sind“, sagte der North-Carolina-Chef von Duke Energy, David Fountain.

          Nachdem die Bundesstaaten North Carolina, South Carolina, Georgia, Virginia, Maryland und der amerikanische Regierungssitz Washington in den vergangenen Tagen den Notstand ausgerufen hatten, machten sich vor allem die Bewohner der südlichen Küstenregionen daran, Gebäude zu sichern. Auf Inseln wie Ocean Isle Beach und Oak Island an North Carolinas Küste wurden Fenster und Türen mit Holzplatten vernagelt. Einige Städte verhängten Ausgangssperren. Im benachbarten South Carolina ließ Gouverneur Henry McMaster derweil den Verkehr in Richtung Inland auf der Autobahn I-26 über die Gegenfahrbahn leiten, um Bewohner der Küstenregion möglichst rasch vor den erwarteten Wellen in Sicherheit zu bringen.

          In Georgia öffnete Gouverneur Nathan Deal in den Parks des Bundesstaats Campingplätze und Hütten, um Menschen aus den Flutgebieten aufzunehmen. Schulen und Flughäfen blieben geschlossen, während sich die Nationalgarde auf Einsätze in möglichen Überschwemmungsgebieten vorbereitete. Hilfsorganisationen wie das Rote Kreuz richteten Notunterkünfte ein. Die Behörden riefen die Bewohner der Region zudem auf, Lebensmittelvorräte anzulegen sowie Wasser und Medikamenten bereitzuhalten.

          „Wir sind bereit für das große Ding, das da kommt“

          Der amerikanischen Präsident Donald Trump, der mit der schleppenden Unterstützung der Karibikinsel Puerto Rico nach Hurrikan Maria im vergangenen Herbst weiter für Empörung sorgt, lobte die Einsatzplanung. „Wir haben keine Kosten gescheut. Wir sind bereit für das große Ding, das da kommt. So bereit, wie man nur sein kann“, sagte der Republikaner am Mittwoch vor Journalisten im Oval Office.

          Allein für North Carolinas Küstenregion erwartet der Nationale Wetterdienst für die kommenden Tage bis zu ein Meter Regen und mehr als vier Meter hohe Flutwellen. Wie South Carolina drohen dem Old North State, wo vor zwei Jahren durch Hurrikan Matthew 28 Menschen starben, auch Tornados. „Das tödlichste eines Hurrikans sind aber die Sturmfluten. Sie verursachen die größten Schäden“, warnte Brock Long, der Chef der Bundesagentur für Katastrophenschutz bei einem Interview mit dem Sender ABC. „Die Leute, die Erfahrungen mit den Fluten machen, überleben meistens nicht und können nicht mehr über sie erzählen.“

          Topmeldungen

          Auch drei Düsen könnten genügen: Airbus A380 der Fluglinie Emirates.

          Airbus : Wann darf ein A380 mit drei Turbinen fliegen?

          Ein Airbus A380 braucht zum Fliegen nicht unbedingt vier Triebwerke. Er kommt auch mit einem weniger ans Ziel. Unter bestimmten Voraussetzungen und Vorschriften.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.