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Heuschreckenplage : Ostafrika droht eine Hungersnot

Kampfbereit: Ein Ranger gibt Koordinaten im Norden Kenias an Flugzeuge weiter, die dann Pestizide versprühen. Bild: AP

Massen von Heuschrecken zerstören die Ernte und die Weiden in Ostafrika. Das Militär wird gegen die Insekten eingesetzt. Doch wenn nun die Regenzeit losgeht, steht noch Schlimmeres bevor.

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          Die Aufnahmen in kenianischen Nachrichtensendungen gleichen Bildern aus einem Horrorfilm. Sie zeigen Wolken von Heuschrecken, die sich über das Land hermachen; kahlgefressene Maisfelder; verzweifelte Bauern, die sich mit Spaten, Hacken und Trillerpfeifen gegen die Invasion der Insekten stemmen. „Wo die Tiere aufgetaucht sind, gingen 30 bis 70 Prozent der Ernte verloren“, sagt Martin Schömburg von der Hilfsorganisation Malteser International: „Auch die Viehhirten leiden, weil ihre Tiere kein Gras mehr finden.“ Ostafrika drohe nun eine Hungersnot.

          Thilo Thielke

          Freier Berichterstatter für Afrika mit Sitz in Kapstadt.

          Schömburg hat sein Büro in Nairobi. Doch zur Zeit pendelt er unaufhörlich zwischen der kenianischen Hauptstadt und Marsabit im Norden des Landes. Die Menschen in der bitterarmen Gegend nahe der äthiopischen Grenze leiden noch unter den Folgen einer Dürre. Nun sind sie der biblischen Plage ausgesetzt – und benötigen im Moment vor allem Futtermittel und Saatgut.

          Seit Wochen warnen Mitarbeiter der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) vor der Katastrophe in Ostafrika. Zunächst waren die Wüstenheuschrecken (Schistocerca gregaria), die aus dem Jemen kommen, in Äthiopien aufgetaucht, danach in Somalia, das seit Jahren von islamistischen Milizen terrorisiert wird und wo Hunger und Anarchie seit 1991 eher Normal- als Ausnahmezustand sind. Von dort bewegten sie sich in Richtung Kenia. Mittlerweile sind die ersten Grillen in Uganda und im Norden Tansanias gesichtet worden. Dass sie irgendwann ihren Weg in den kriegsversehrten Südsudan finden, scheint nur noch eine Frage der Zeit. 13 Millionen Menschen seien von Hunger bedroht, schätzt die FAO. Es handele sich bei der derzeitigen Plage um die schwerste seit 25 Jahren in Ostafrika, in Kenia sogar seit 70 Jahren.

          Soldaten werden im Kampf gegen Heuschrecken ausgebildet

          „Wellen um Wellen von Heuschrecken“ seien in Kenia eingefallen, sagt Keith Cressman, der bei der FAO für die Vorhersage von Heuschreckenschwärmen zuständig ist. Zum Teil hätten die Schwärme eine Größe von 2500 Quadratkilometern. Um die Plage zu bekämpfen, haben die Vereinten Nationen um 76 Millionen Dollar Soforthilfe gebeten. Bisher seien allerdings erst etwas mehr als 20 Millionen zugesagt wurden, darunter zehn Millionen aus einem UN-Nothilfebudget, eine Million von der Europäischen Union und 800000 Dollar von den Vereinigten Staaten.

          Die kenianische Regierung hat vier Leichtflugzeuge in die Krisengebiete geschickt, sie versprühen Insektizide. In Uganda, wo bereits sieben Bezirke betroffen sind, sollen Drohnen und Helikopter zum Einsatz kommen – noch ist davon dort allerdings nichts zu sehen. Reporter der ugandischen Tageszeitung „Monitor“ entdeckten im Amudat-Bezirk, der direkt an der kenianischen Grenze gelegen ist, nur ein paar Soldaten mit Sprühdosen, die den Kampf gegen die Übermacht der Grillen aufgenommen hatten. Ugandas Landwirtschaftsminister Aggrey Bagiire versprach, Kampfhubschrauber in das Gebiet zu entsenden. Zudem würden Soldaten für den Kampf gegen die Tierchen ausgebildet.

          Die Vereinten Nationen sehen darin einen Wettlauf gegen die Zeit. Demnächst beginnt die nächste Regenzeit, in der sich die Nymphen, wie die Jungheuschrecken genannt werden, besonders leicht vermehren. „Dann“, sagt Schömburg, „geht es erst richtig los.“

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