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Mehr als 700 Tote : Tödliche Pilgerfahrt

  • Aktualisiert am

Bild: AP

Bei einem großen Gedränge während der islamischen Wallfahrt Hadsch sind nahe Mekka hunderte Menschen ums Leben gekommen. Die jüngsten Maßnahmen der Behörden, die Pilgerströme zu kontrollieren, reichen offenbar nicht aus.

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          Bei einer der schlimmsten Katastrophen während der islamischen Wallfahrt Hadsch sind in einer Massenpanik nahe Mekka mehr als 700 Menschen ums Leben gekommen. Über 800 Gläubige seien verletzt worden, meldete die saudische Zivilverteidigung am Donnerstag per Kurznachrichtendienst Twitter. Bilder zeigten, wie die im weißen Pilgergewand gekleideten Opfer auf Liegen versorgt und weggetragen wurden. Zu dem Drama kam es an einer Straßenkreuzung in dem Ort Mina, wo die Pilger am dritten Tag der Wallfahrt symbolisch den Teufel steinigen.

          Dort hatte es nach einem schweren Unglück im Jahr 2006 eigentlich mehrere Baumaßnahmen gegeben, die für einen reibungslosen Strom der Pilger sorgen und einen Massenandrang verhindern sollten. Damals waren bei einer Massenpanik mehr als 350 Gläubige zu Tode getrampelt worden. Deswegen werden die Pilger heute eigentlich so geleitet, dass sich ihre Wege nicht mehr kreuzen.

          Wieso es trotzdem abermals eine Katastrophe gab, war zunächst unklar. An einer Kreuzung in Mina habe es am Donnerstagmorgen plötzlich einen Stau gegeben, erklärte die Zivilverteidigung. Dann sei eine Massenpanik ausgebrochen. Entlang dieser Route ziehen die Gläubigen am dritten Tag der Wallfahrt von ihren Schlafzelten in Richtung eines fünfstöckigen Gebäudes, wo sie Steine auf Säulen werfen, die den Teufel symbolisieren.

          Die Opfer kommen aus unterschiedlichen Nationen. Nach Angaben saudischer Medien haben sich in diesem Jahr mehr als zwei Millionen Menschen auf die Pilgerfahrt nach Mekka gemacht, darunter fast 1,4 Millionen aus anderen Ländern. Ein Großaufgebot an Sicherheitskräften soll für Sicherheit sorgen.

          Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD)  zeigte sich bestürzt. „Ich bin erschüttert“, sagte er. „Dem saudischen Volk, allen Pilgern, die sich auf den Weg nach Mekka gemacht haben und insbesondere den Familien der Opfer, die von einem solch schrecklichen Schicksalsschlag getroffen werden, gilt mein tiefes Mitgefühl.“

          Der Hadsch nach Mekka gehört mit den täglichen Gebeten, der Gabe von Almosen, dem Glaubensbekenntnis sowie dem Fasten im Monat Ramadan zu den fünf Säulen des Islam. Die mehrtägige Wallfahrt zum Geburtsort des Propheten Mohammed ist eine der religiösen Pflichten, die jeder Muslim einmal in seinem Leben erfüllen sollte - wenn er gesundheitlich und finanziell dazu in der Lage ist.

          Zu Beginn des Hadsch-Rituals wird das würfelförmige Gebäude der Kaaba im Hof der Heiligen Moschee (auch: Großen Moschee) in Mekka siebenmal umwandert. Nach einem Gottesdienst in der Hauptmoschee ziehen die Gläubigen dann in Gruppen zum etwa 25 Kilometer entfernten Berg Arafat. Eine weitere Station ist die Zeltstadt in Mina, wo die Pilger sieben Kiesel auf Steinsäulen werfen und damit symbolisch den Teufel steinigen. Dort schlachten sie auch Tausende Schafe und Ziegen, um an das Opfer Abrahams (Ibrahim) zu erinnern. Zurück in Mekka wird die Hadsch mit einem erneuten Umkreisen der Kaaba beendet.

          Während des Hadsch kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Massenpaniken und tödlichen Unglücken. Die meisten Todesfälle gab es 1990, als in einem Tunnel zwischen Mekka und Mina 1400 Gläubige erstickten oder zu Tode getrampelt wurden. Alleine rund um Mina gab es danach Unglück in den Jahren 1994, 1998, 2001, 2004 und 2006. Dabei kamen jeweils zwischen 35 und 350 Menschen ums Leben.

          Bilderstrecke

          In diesem Jahr hatte es vor dem jetzigen Unglück bereits am Mittwoch einen Zwischenfall gegeben.  In einer Bahnstation der Nähe von Mekka erlitten in starkem Gedränge mehr als 200 Menschen Schwäche- und Ohnmachtsanfälle. Die Gläubigen befanden sich zusammen mit Hunderttausenden auf dem Weg zum Berg Arafat. Zu dem großen Gedränge in dem Ort Mina kam es nach Angaben der saudischen Zivilverteidigung, weil der Zugverkehr wegen eines technischen Defekts gestört war. Fünf Menschen seien in Krankenhäuser eingeliefert worden.

          Schon vor den Feierlichkeiten war es in diesem Jahr zu einem schweren Unglück gekommen, als ein Baukran auf die Große Moschee in Mekka stürzte und 107 Menschen tötete.

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