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Unglück in Thailand : Sie hätten nie in die Höhle gedurft

Thailändische Soldaten verlegen Leitungen in die Höhle. Bild: dpa

Das Schicksal einer thailändischen Fußballmannschaft bewegt die ganze Welt. Nun hat wieder Regen eingesetzt, der die Rettungsarbeiten weiter erschwert. Beobachter vor Ort zeichnen ein chaotisches Bild der Lage.

          Man muss sich den Platz vor der Tham-Luang-Höhle in Thailand vorstellen wie den Mittelpunkt eines sehr traurigen Festivals ohne Musik, das im Regen versunken ist. Hunderte Menschen drängen sich jeden Tag durch den Schlamm, kein Grashalm ist mehr zu sehen, überall wird gekocht, Haare werden geschnitten, Massagen angeboten, und die Toiletten sind so schmutzig, dass man lieber im Freien seine Notdurft verrichtet. So beschreibt ein asiatischer Journalist im Gespräch mit der F.A.S. die Lage vor Ort.

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Der Anlass für diese „Schlammschlacht“, für diesen „Zirkus“, wie er es nennt, ist ein denkbar tragischer: Seit zwei Wochen sind tief in der Höhle zwölf Jugendliche und ihr Betreuer eingeschlossen. Von einem Ausflug nach einem Fußballtraining am 23. Juni kam die Mannschaft nicht mehr zurück. Sie wurde von schweren Regenfällen überrascht, seitdem versperren ihr Wassermassen den Weg ins Freie.

          Am Montagabend sah es kurz so aus, als würde die Geschichte ein glimpfliches – und unglaubliches – Ende nehmen. Nachdem es neun Tage lang kein Lebenszeichen von den Jugendlichen gegeben hatte, gelang britischen Höhlentauchern das, woran selbst Marinetaucher vorher gescheitert waren: Sie fanden die Mannschaft, die sich in einen trockenen Teil der Höhle gerettet hatte und, vier Kilometer vom Ausgang entfernt, neun Tage lang ohne Licht und fast ohne Nahrung ausgekommen war. Einen Tag später kam der asiatische Journalist vor der Höhle an. „Die Stimmung war gut“, sagt er. „Aber es hat sich schnell Ernüchterung breitgemacht. Es wurde klar, dass es sehr schwer wird, sie da rauszuholen.“

          Wie ernst die Lage ist, machte spätestens ein Unglück in der Nacht auf Freitag deutlich: Ein ehemaliger thailändischer Marinetaucher kam in der Höhle ums Leben. Er hatte Atemluftbehälter in ein Lager in einem nichtgefluteten Bereich der Höhle gebracht. Auf dem Rückweg ertrank er in einem nur 15 Meter langen Abschnitt. Obwohl diese Strecke vergleichsweise kurz ist (die längste Tauchstrecke ist 400 Meter lang), gilt sie als die gefährlichste, weil sie einen sehr engen Knick macht.

          Die Fußballmannschaft, die sich „die Wildschweine“ nennt, war nicht zum ersten Mal in die Höhle gegangen. Einer der Jungen hatte am Tag des Ausflugs Geburtstag. Sein Vater wartet seitdem mit dem Kuchen auf ihn. In der Nacht auf Samstag brachten Taucher kurze Briefe der Eingeschlossenen zu den vor der Höhle ausharrenden Angehörigen. „Mir geht es gut“, schrieb einer. „Es ist nur ein bisschen kalt hier, aber mach dir keine Sorgen um mich. Vergiss nicht, meine Geburtstagsparty zu schmeißen!“

          „Allen Kindern geht es noch gut“

          Auch der 25 Jahre alte Betreuer der elf bis 16 Jahre alten Jugendlichen wandte sich in einem Brief an die Angehörigen. „Ich bedanke mich für die moralische Unterstützung und entschuldige mich bei den Eltern“, schrieb er. „Allen Kindern geht es noch gut. Ich verspreche, mich sehr gut um sie zu kümmern.“ Die Eltern beruhigten ihn in einem Brief, den Taucher in die Höhle brachten: „Wir möchten, dass du weißt, dass wir nicht wütend auf dich sind. Also mach dir deswegen keine Sorgen.“

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