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Wie man Häuser trocknet : Die Flutgebiete brummen

  • -Aktualisiert am

Erste Schritte: Luitpold Weinberger (rechts) säubert einen Wohnraum seines Hauses im Deggendorfer Ortsteil Fischerdorf (Bayern) vom Hochwasser Bild: dpa

Kaum geht die Flut zurück, fängt das Trocknen an. Tagelange Luftzirkulation ist nötig, um die Feuchtigkeit zu bekämpfen. Wer Geräte falsch benutzt, verschlimmert den Schaden. FAZ.NET erklärt, was zu beachten ist.

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          Kaum sind die letzten Eimer Flutwasser aus den Häusern gekippt, fangen die Schwierigkeiten erst richtig an. Aufgequollene Küchenzeilen, Polstermöbel und Matratzen kommen auf den Sperrmüll. Doch wenn ganze Wände aus Holzfaser- oder Gipsplatten bestehen, ist diese Radikallösung nicht möglich. Bei modernen, in der sogenannten Ständer-/Riegelbauweise errichteten Niedrigenergiehäusern sind diese Platten meist auch Bestandteil des Statikkonzepts. Bevor man hier Hand anlegt, müssen Architekten und Statiker befragt werden.

          Tagelange Luftzirkulation

          Schnelles Handeln ist angezeigt, denn schon nach wenigen Tagen droht massiver Schimmelbefall. Verhindern kann man ihn nur, wenn man die Bauten auf einen niedrigen Feuchtewert heruntertrocknet - und Wände und Böden desinfiziert. Das ist leichter gesagt als getan, denn in wärmegedämmten Häusern dringt das Wasser in die nicht zugängliche Isolierung. Handelt es sich um Zellulose, Schaf- oder Steinwolle, muss die Dämmung meist entfernt werden.

          Die natürlichen Isoliermaterialien rutschen durch das Gewicht des Wassers zusammen und verlieren ihre Dämmwirkung. Besser ist das in massiv gebauten Altimmobilien und in Häusern, bei denen die Wärmeisolierung stabilen Kunststoffplatten übertragen wurde. Da dieses Material jedoch fest in den Wänden und unter den Estrichböden eingebaut ist, fällt auch hier das Trocknen nicht ganz leicht. Das Wasser ist gefangen wie in einem Käfig. Alle Versuche, es mit Lüften zu vertreiben, sind vergeblich. Man schafft es nur mit Trocknungsgeräten.

          Unterschwemmte Estrichböden werden angebohrt. Das Lochraster wählt man so, dass viel warme Luft eingeblasen werden und am anderen Ende des Raums wieder austreten kann. Die Luft muss zirkulieren, tagelang. Je wärmer und trockener die eingeblasene Luft, desto mehr Wasser kann sie aufnehmen. 30 Grad warme Luft etwa kann je Kubikmeter maximal 30 Gramm Wasser aufnehmen. Es lässt sich einfach errechnen, welche Mengen an Warmluft durch das Fundament geblasen werden müssen, um auch nur einen Liter Wasser zu entfernen.

          Falscher Einsatz verschlimmert den Schaden

          In den kommenden Wochen werden in den Flutgebieten Tausende Entfeuchtungsgeräte vor sich hin brummen. Meist handelt es sich um Kondensationstrockner, die wie Kühlschränke und Klimageräte aus drei wesentlichen Bauteilen bestehen: Kompressor, Kondensator oder Verflüssiger und Verdampfer. Während bei einem Klimagerät der Kondensator und der Verdampfer weit auseinanderliegen, sind sie beim Luftentfeuchter „in Reihe geschaltet“. Die zu entfeuchtende Luft passiert erst das Verdampfungsteil und wird dann durch den Kondensator gesaugt.

          Entscheidend für seine Wirksamkeit ist, dass über die gesamte Länge des Verdampferrohrs das flüssige Kältemittel, das hier strömt und sich nach Passieren einer Düse entspannt und abkühlt, in den gasförmigen Aggregatzustand übergeht. Für diesen Wechsel des Aggregatzustands muss dem Kältemittel viel Wärme zugeführt werden, die der einströmenden warmen und feuchten Luft entzogen wird. Dabei bildet sich Schwitzwasser. Es wird in einem Eimer gesammelt oder über einen Schlauch in die Kanalisation geleitet.

          Wirkungsvoller sind Adsorptionstrockner, die ihr Leistungsvermögen kleinen, weißen Kügelchen (Silikagel) verdanken, einem Trocknungsmittel, das neuen Elektrogeräten beiliegt. Ihre innere Oberfläche liegt bei 750 Quadratmeter je Gramm. Das Silikagel nimmt Wasser auf, wobei durch eine physikalische Wechselwirkung an den Porenwänden der Kügelchen Wärme entsteht. Übertreiben darf man das Trocknen aber auch nicht. Falscher Einsatz der Geräte macht den Schaden schnell größer, als er ohnehin schon ist.

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