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Hochwasser-Szenario für Paris : Eine Flut träfe fünf Millionen Menschen

Überschwemmung im Dezember 2010: Seit der Jahrhundertflut im Jahr 1910 gab es in Paris kein nennenswertes Hochwasser mehr Bild: dpa

Laut einer Studie der OECD droht Paris ein Jahrhunderthochwasser. Die Organisation wirft der französischen Hauptstadt vor, die Gefahr zu unterschätzen. Doch der Bürgermeister bleibt gelassen.

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          „Fluctuat nec mergitur“: „Sie schwankt, aber geht nicht unter“, steht auf dem Stadtwappen von Paris. Doch jetzt schreibt die OECD, die französische Hauptstadt drohe sehr wohl unterzugehen, in den Fluten eines „höchst wahrscheinlichen“ Jahrhunderthochwassers. In einer am Freitag veröffentlichten Studie schlägt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung mit Sitz in Paris Alarm: Ein Hochwasser könne fünf Millionen Menschen im Großraum Paris treffen und Schäden von bis zu 30 Milliarden Euro hervorrufen. Das französische Bruttoinlandsprodukt würde nach OECD-Berechnungen in den auf die Überschwemmung folgenden fünf Jahren um 60 Milliarden Euro sinken.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Deshalb wird in der Studie die Verbesserung des Hochwasserschutzes nicht nur in Paris, sondern auch in den umliegenden Kommunen gefordert. Kurz vor den Kommunalwahlen im März birgt die Warnung auch politischen Sprengstoff: Hat die aktuelle sozialistische Stadtverwaltung sich ausreichend auf eine mögliche Hochwasserkatastrophe vorbereitet? Der scheidende sozialistische Bürgermeister Bertrand Delanoë ist sicher, dass sich die Stadtverwaltung Versäumnisse nicht hat zuschulden kommen lassen. Er entsandte vor kurzem eine Delegation nach New York, um von den Erfahrungen der Stadt mit Hurrikan Sandy zu lernen. Im Dezember 2012 fand unter dem Decknamen „Evaggio“ eine große Katastrophenschutzübung an der Seine statt.

          Wasserstand von 8,62 Metern

          Der Bürgermeister verweist auch auf die künstlichen Seen und Rückhaltebecken, die in den vergangenen Jahrzehnten am Oberlauf des Flusses angelegt wurden. Bei der OECD aber glaubt man, dass Paris vergesslich geworden ist und die von der Seine ausgehende Gefahr unterschätzt. Seit der „grande crue“, dem Jahrhunderthochwasser von 1910, ist es in der französischen Hauptstadt nicht mehr zu erwähnenswerten Überschwemmungen gekommen. Im Jahr 1910 glich die Stadt fast sechs Wochen lang Venedig. Die Straßen nahe der Seine waren auf 40 Kilometern nur mit Booten und Kähnen zu passieren. Zwölf der 20 Arrondissements – damals gab es nur zwei Millionen Einwohner – standen damals unter Wasser.

          Den Höhepunkt erreichte das Hochwasser am 28. Januar 1910, als der Wasserstand die Marke von 8,62 Metern am Pont d’Austerlitz überschritt und die Fluten die Schultern des steinernen Zuaven am Brückenpfeiler des Pont D’Alma umspülten. In ihrem Buch „Geht Paris unter?“ (2012) schreibt die Geographin Magali Reghezza-Zitt, die Dämme am Seine-Ufer seien renovierungsbedürftig. In der OECD-Studie wird hervorgehoben, wie unabdingbar eine bessere Zusammenarbeit der Kommunen am Fluss sei. Das Projekt, ein neues Rückhaltebecken am Yonne-Lauf zu schaffen, kommt wegen Kompetenzstreitigkeiten aber nicht voran.

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