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Hochwasser : Rico hat Pumpe und Notstrom

Dresden, 6. Juni 2013 Bild: AP

Wasser, Wasser, überall Wasser. Unser Autor Stefan Locke hat die vergangene Woche mit „Benefiz-Bratwurst“ und steigendem Pegel in Dresden verbracht. Ein Tagebuch.

          Sonntag, 2. Juni

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Pegel Dresden: 5,23 Meter

          Seit Tagen regnet es ohne Unterlass. Die Regenjacke wird gar nicht mehr trocken, der Schirm bleibt gleich aufgespannt und steht griffbereit im Treppenhaus. Es ist tagsüber so dunkel, dass wir Licht anmachen müssen, selbst mittags in den Zimmern auf der Südseite.

          Anruf aus der Redaktion: „Hier in Frankfurt scheint die Sonne.“ Ich weiß gar nicht mehr, wie Sonne aussieht. Regen, Regen, Regen. An der Frauenkirche schenken Wirte Glühwein unter Heizpilzen aus. An der Mulde in Westsachsen gilt Warnstufe 3, höre ich im Radio. Keller sollen unter Wasser stehen. Die Elbe ist schnell gestiegen, gut drei Meter über normal jetzt, doch Alarmstufe 2 ist nichts Besonderes. Der Fluss schwappt am Terrassenufer über, die Straße dort wird gesperrt - wie immer als erste in Dresden bei Hochwasser.

          Die Dampferflotte ist nicht mehr zu Fuß erreichbar und hat den Betrieb eingestellt, ebenso die Fähre zwischen Neu- und Johannstadt. Der Wirt des Fährgartens, eines beliebten Lokals direkt am Ufer, macht seinen Laden flutfest. Reine Routine. In der Flutrinne, einem Entlastungskanal für die Elbe, treibt ein Schäfer seine Herde zusammen, zwei Hunde umkreisen mehrere hundert Tiere, die einfach nicht auf den Hügel hinauf wollen. Dann gelingt es doch. Määähhhh. Ein Teil des Elbradwegs steht unter Wasser. Geht noch, denke ich, und fahre, die Beine hoch, mit dem Fahrrad hinein. An die Senke erinnere ich mich erst, als ich bis über die Knie im Wasser stehe und lieber wende.

          Montag, 3. Juni

          Pegel Dresden: 6,45 Meter

          Regen, Regen, Regen. „Schon wieder! Sintflut in Sachsen“ und „Dresden droht Elb-Pegel über 7,50 Meter“, lauten die Schlagzeilen. Verantwortlich dafür werden zwei Tiefs namens Frederik und Günther gemacht. Eigentlich unverdächtige Namen. Im Erzgebirge stehen ganze Städte unter Wasser. Gummistiefel sind aus, Schuhläden und Baumärkte restlos leer gekauft. Die Elbe steigt rasant, ist jetzt eine beige-braune Brühe. Zwei Zahlen machen die Runde, die hier jeder kennt: 2002 und 9,40 Meter. Die Oberbürgermeisterin beruhigt: 130 Millionen Euro wurden in den Flutschutz gesteckt. Der reicht freilich genau bis 9,40 Meter. Ob das den Fluss beeindruckt? Erste ufernahe Gebiete stehen unter Wasser. Über die Facebook-Gruppe „Fluthilfe Dresden“ organisieren Bürger Hilfe. „Laubegast braucht dringend Sandsäcke“, „Rico bietet Pumpe und Notstrom“, „Die Helfer an der Hamburger Straße haben Hunger“.

          Der Stadtteil Gohlis wird evakuiert, der Deich hier ist noch im Bau. Schulen bleiben zu, erst heißt es alle, dann doch nur die im Flutgebiet. Es gilt jetzt Alarmstufe 3, aber es hat aufgehört zu regnen. Abends im Fernseher wird der „Flut-Brennpunkt“ mit Sigmund Gottlieb gesendet. Ist der jetzt bei „RTL Explosiv“? „Das hat es seit Jahrzehnten nicht gegeben!“ - ein Satz zum Auftakt der Sendung, der schon mal Unsinn ist. Und dann das apokalyptische Stakkato: „Katastrophenalarm!“, „Würgegriff des Wassers!“, „Nichts ist sicher, nicht einmal die nackte Existenz!“ Panikmache statt Information. Da rauschen sie dahin, unsere Gebühren.

          Dienstag, 4. Juni

          Pegel Dresden: 7,32 Meter

          Topmeldungen

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