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Hochwasser : Mit Hubschraubern gegen die Flut

  • -Aktualisiert am

Mit Sandsäcken und sogenannten Bigpacks soll der Durchbruch stabilisiert werden Bild: dpa

Nach dem Bruch des Deichs bei Fischbeck in der Altmark setzen professionelle und freiwillige Helfer alles daran, die Lücke nicht weiter aufreißen zu lassen, damit nicht noch mehr Dörfer zum Opfer des Hochwassers werden.

          In der Altmark ist die Elbe kein Fluss mehr, sondern ein gewaltiger See, aus dem Baumkronen, Dächer und Windräder herausragen. Die Bundesstraße 188, die Stendal mit dem rechten Elbufer verbindet, ist im Wasser versunken, ebenso die ICE-Trasse Hannover-Berlin, von der auf langen Abschnitten nur noch die Strommasten zu sehen sind. Auch sämtliche Fähren holen nicht mehr über; auf einer Länge von gut 100 Kilometern zwischen Wittenberge im Norden und Magdeburg im Süden ist die Elbe auf dem Land- und Wasserweg zu einer unüberwindlichen Grenze geworden.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Ursache dafür ist ein Deichbruch bei Fischbeck, einem rechtselbischen Dorf gegenüber von Tangermünde gelegen. In der Nacht zum Montag gab dort der aufgeweichte Deich dem Druck des Wassers nach, das bis knapp unter der Dammkrone stand, und riss auf etwa 60 Meter Länge auf. Mit ungeheurer Kraft schoss die Elbe in die dahinter liegende Niederung und flutete zuerst Fischbeck und danach das nördlich gelegene Schönhausen. Selbst Teile der Bundeswehr, die zur Evakuierung der Orte eingesetzt waren, wurden von den Wassermassen überrascht und von der Truppe getrennt. Den 650 Einwohnern Fischbecks gelang rechtzeitig die Flucht, 130 der 2300 Einwohner Schönhausens aber harren, zum Teil freiwillig, noch in ihrem Dorf aus, dessen höher gelegenes Zentrum jetzt eine Insel ist, komplett von der Elbe umschlossen.

          Fischbeck aus der Hubschrauberperspektive Bilderstrecke

          Zwar entlastet der Dammbruch den Elbpegel leicht - er sank um einige Zentimeter - dennoch setzen Einsatzkräfte von Bundeswehr, Bundespolizei und Technischem Hilfswerk seit Montag morgen alles daran, die Lücke nicht weiter aufreißen zu lassen und damit nicht noch mehr Dörfer zum Opfer des Hochwassers werden zu lassen. Zugleich müssen sie auch weitere Deichabschnitte sichern. Dafür ziehen kilometerlange Konvois von Militär- und Feuerwehrfahrzeugen über die Landstraßen der Altmark, beladen mit Soldaten, die Sickerstellen abdecken und Deichrutschungen stabilisieren sollen, und mit Sandsäcken. Der Deichbruch bei Fischbeck aber ist nur noch aus der Luft zu bekämpfen. Das Hauptquartier dafür befindet sich auf dem Flugplatz Stendal-Borstel. Kerosingeruch weht über die Startbahn, Staub wirbelt auf und unablässig knattern die Rotoren der sich nähernden und sich entfernenden Hubschrauber. „Wir fliegen pausenlos“, sagt Ralf Schnurr von der Bundespolizei-Fliegergruppe. 15 Hubschrauber, hauptsächlich Super-Pumas, haben sie hier im Einsatz, die wie im Kreisverkehr ununterbrochen die Strecke Flugplatz-Deichbruch und zurück fliegen.

          Das Land Sachsen-Anhalt, das am Wochenende den Katastrophenschutz im Landkreis Stendal übernommen hatte, forderte die Fliegergruppe der Bundespolizei am Montag an, um die Katastrophe irgendwie in den Griff zu bekommen. Zuvor war die etwa 70 Mann starke Truppe schon in Bayern und Sachsen im Einsatz. „Deggendorf war schlimm“, sagt er. Viele Leute dort seien von der Flut überrascht worden. „Unsere Leute haben mit Rettungswinden Menschen von Hausdächern und sogar von Autos gerettet“, beschreibt der Polizeihauptkommissar die Geschehnisse. Anschließend sei die Truppe nach Pirna verlegt worden und jetzt eben nach Stendal. Bei jedem Flug zum Deich nach Fischbeck haben die Hubschrauber eineinhalb Tonnen Sandsäcke an einer langen Leine unter den Maschinen hängen. „Die legen wir möglichst punktgenau in der Bruchstelle ab“, erklärt Schnurr. Gelandet wird nur zum Tanken - etwa alle zwei Stunden. Die Operation gehorcht einer ausgeklügelten Logistik, und damit in der Luft alles reibungslos klappt, muss auch das Bodenpersonal perfekt sein.

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