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Hochwasser : Katastrophenalarm in vielen Städten und Kreisen

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Eine barocke Schönheit, allerdings nah am Wasser gebaut: Das überflutete Passau am Montag Bild: Getty Images

In den Hochwassergebieten in Bayern, Sachsen und Thüringen ist keine Entspannung in Sicht. Zehntausende müssen ihre Häuser verlassen. In Passau steigen die Fluten so hoch wie seit 60 Jahren nicht mehr.

          Das dramatische Hochwasser hat weite Teile Süd- und Ostdeutschlands in Katastrophenregionen verwandelt. Im bayerischen Passau wurde am Montag ein neuer Hochwasser-Rekord gemessen. In etlichen Städten und Landkreisen in Bayern, Thüringen und Sachsen galt Katastrophenalarm. Zehntausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums waren in den Überflutungsgebieten insgesamt 1.800 Helfer des Technischen Hilfswerks (THW) im Einsatz, außerdem halfen 500 Bundespolizisten. Zudem wurden 1760 Soldaten mobilisiert.

          Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) sicherte den Betroffenen am Montag Hilfe zu. „Die Bevölkerung kann sich darauf verlassen, dass wir alles tun, ihr die Schäden zu erleichtern“, sagte er in Chemnitz bei einem Besuch von sächsischen Hochwassergebieten. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wollte an diesem Dienstag in die betroffenen Gebiete reisen.

          Hochwasser-Rekord an der Donau

          Das Hochwasser machte auch Straßen und Autobahnen in Bayern unbefahrbar. Zudem war der Bahnverkehr beeinträchtigt. Insbesondere in Süd- und Niederbayern seien einige Strecken unterbrochen, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn. Die Hochwasserlage hatte sich am Wochenende extrem verschlimmert. Einen Lichtblick gibt es aber, der Deutsche Wetterdienst hob am Montag seine Unwetterwarnung für weite Teile Sachsens auf. Bis zum Abend könne es aber noch leichten Regen geben.

          An der Donau in Passau wurde am Montag ein neuer Hochwasser-Rekord gemessen: Das Wasser überschritt die Marke von 12,20 Metern aus dem Jahr 1954. Die Passauer Altstadt und andere Teile des Zentrums der Dreiflüssestadt sind überflutet. In der Altstadt musste zum Teil der Strom abgestellt werden, jetzt drohen Probleme bei der Trinkwasserversorgung. 150 Soldaten wurden als Helfer in die Stadt abkommandiert. Auch in Rosenheim ist die Lage nach wie vor dramatisch: Nach einem Dammbruch des Auerbaches mussten rund 170 Menschen in Sicherheit gebracht werden. Außerdem drohte ein weiterer Damm in Kolbermoor bei Rosenheim zu brechen. Am Main in Unterfranken zeichnete sich dagegen eine Entspannung ab.

          In sieben Landkreisen Sachsens und den drei Städten Dresden, Chemnitz und Zwickau galt am Montag Katastrophenalarm. Tausende Menschen mussten ihre Häuser und Wohnungen verlassen. Einige Hausbesitzer verweigerten die Evakuierung - zum Ärger von Landesinnenminister Markus Ulbig (CDU): „Das, was wir hier machen, ist kein Spaß.“ In Dresden wurde ein Pegelstand von bis zu 9 Metern erwartet - fast so viel wie bei der Jahrhundertflut im August 2002 (9,40 Meter).

          In Grimma stand das Wasser der Mulde meterhoch in der Altstadt, die nur noch mit Schlauchbooten befahrbar ist. Dort ging man davon aus, dass die Hochwassermarke von 2002 erreicht wird. Auch an der Weißen Elster und den Mulden im Landkreis Leipzig hatte sich die Lage verschärft. „Die Evakuierungen werden ausgeweitet“, sagte eine Sprecherin des Krisenstabes in Grimma. Rund 6000 Menschen sollen im Landkreis betroffen sein. Die Hochwasserkatastrophe ähnele der Jahrhundertflut in Sachsen von 2002, sagte Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU). „Wir haben eine sehr, sehr prekäre Situation, die durchaus mit der von 2002 vergleichbar ist.“

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