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Hochwasser in Deutschland : „Die Tschechen helfen Dresden“

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Hochwasser-Experte Martin Sorge Bild: Lüdecke, Matthias

Sachsens Verantwortlicher für Hochwasserschutz, Martin Socher, widerspricht vehement den Gerüchten, dass die Tschechen ihre Talsperren zu Ungunsten von Deutschland nutzen.

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          Herr Professor Socher, Sie sind Sachsens Verantwortlicher für den Hochwasserschutz. Wie sehr sind Sachsen und Deutschland beim Hochwasserschutz von der Tschechischen Republik abhängig?

          Rund 80 Prozent des Elb-Hochwassers kommen aus dem tschechischen Einzugsgebiet, vor allem aus der Moldau. Dort dient eine Reihe von Talsperren, die sogenannte Moldau-Kaskade bis zur Quelle bei Lipno, auch dem Flutschutz. Dazu zählt die Talsperre Orlík, die größte tschechische Talsperre überhaupt, oberhalb von Prag gelegen. Sie hält einen Hochwasserpegel der Moldau solange zurück, bis Prag gesichert ist, also mobile Wände aufgebaut sind und der Katastrophenschutz aktiviert ist. Damit ist sie auch eine Lebensversicherung etwa für Dresden.

          Gibt es in der Tschechischen Republik genug Flutschutzanlagen?

          Ja, zwischen Litomerice und der Porta Bohemica entsteht im Hochwasserfall sogar ein 60 Quadratkilometer großer See auf einem Feld. Dort hinein ergießt sich die Elbe bei einer Flut, da wird viel mehr Wasser gespeichert, als es irgendeine der Talsperren je könnte, und dadurch wird auch die Fließgeschwindigkeit extrem verringert.

          Es gibt das Gerücht, die Tschechische Republik halte ihre Talsperren zu Lasten des Flutschutzes stets gut gefüllt, um Elbe und Moldau ganzjährig schiffbar zu halten.

          Ich arbeite seit vielen Jahren mit Tschechien zusammen. Das eine kann ich Ihnen sagen: Die Leute dort würden nichts machen, was uns schaden könnte. Sie würden damit auch ihre eigenen Orte an der Elbe unter Wasser setzen. Die Manipulation für die Schifffahrt ist extrem selten. Nur in langen Niedrigwasserzeiten gibt es Situationen, wo künstlich eine Welle abgelassen wird, um mal einen ganzen Schiffsverband bis Hamburg zu bringen. Aber extra dafür wird nicht ständig Wasser zurückgehalten. Das ist Unsinn.

          Wurden die Stauseen auch vor dem jetzigen Hochwasser geleert?

          Ja, sie werden - bis auf einen - alle vorentleert und haben nach der Flut 2002 deutlich mehr Rückhalteraum bekommen - genau wie in Sachsen. Auch die erwähnte Talsperre Orlík, die mit dem größten Puffer, ist vorentlastet worden. Darüber kann sich übrigens jeder online informieren. Das sehr gute tschechische Talsperreninformationssystem gibt in Echtzeit Auskunft über alles - Zulauf, Ablauf, Wasserstand. Wir haben das vor einem Jahr übernommen, deshalb gibt es auch keinerlei Abstimmungsschwierigkeiten.

          Trotzdem: Zwei Großfluten in elf Jahren, dazu mehrere mittlere Hochwasser. Warum lässt sich das nicht verhindern oder wenigstens mindern?

          Jede Talsperre ist irgendwann mal voll, noch dazu bei solch extremen Niederschlägen, wie wir sie seit einigen Jahren häufiger haben. Das nimmt stark zu. Eine Talsperre kann aber immer nur den ersten Scheitel auffangen, danach muss sie sofort entlastet werden, um Platz für weitere potentielle Hochwasser zu schaffen. Wenn aber wie jetzt mehrere Wellen hintereinander kommen, wird der Rückhalteraum gar nicht mehr frei, und das Wasser fließt nur noch durch.

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