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Hochwasser : Im Norden geben die Deiche nach

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Überflutete Häuser im Elbehochwasser bei Fischbeck. Bild: REUTERS

Tausende Menschen müssen ihre Häuser verlassen: Nach dem Bruch eines Elb-Deiches in Sachsen-Anhalt hat sich die Hochwasserlage in Norddeutschland noch einmal zugespitzt. Hauptverbindungen der Bahn nach Berlin wurden gesperrt.

          Nach dem Bruch eines Elbdeichs in Sachsen-Anhalt mussten sich am Montagmorgen erneut Tausende Menschen vor den Wassermassen in Sicherheit bringen. Das Hochwasser behinderte auch den ICE-Verkehr auf mehreren Hauptstrecken stark. Montag früh sperrten die Behörden aus Sicherheitsgründen eine Eisenbahnbrücke über die Elbe nahe Stendal. Damit mussten Fernzüge von Frankfurt am Main und Hannover nach Berlin auf andere Strecken ausweichen. Dadurch gab es große Verspätungen. Bis zum Montagmittag seien aber keine Fernzüge ausgefallen, sagte ein Bahnsprecher. Die Dauer der Brückensperrung war weiter nicht absehbar. Sie hänge von der Hochwasserlage ab, ergänzte der Sprecher.

          Der Deich beim Ort Fischbeck im Landkreis Stendal war gegen Mitternacht auf einer Länge von rund 50 Metern gebrochen, 1000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde schossen in die Fläche. Die Gemeinde stand am Mittag rund einen Meter unter Wasser - rund 3000 Menschen mussten sich in der Region in Sicherheit bringen, weitere Evakuierungen sind geplant. Der Krisenstab widersprach aber Meldungen, nach denen die Deichverteidigung eingestellt worden sei.

          Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) sagte in Stendal, die Bundeswehr verlagere derzeit weitere Kräfte in die Region. Es werde nach Auffanglinien für das Wasser gesucht. Die Wassermassen strömten Richtung Havel, ergänzte Landrat Carsten Wulfänger (CDU). „Es ist nicht auszuschließen, dass die Haveldeiche überspült werden von der Landseite.“ Welche Wege das Wasser nehmen nehme, sei nicht ganz klar.

          Helfer hätten mit dem Bau eines Notdeichs auf 3,5 Kilometern Länge begonnen, sagte Wolfgang Brandt, Sprecher des Koordinierungszentrums Krisenmanagement. Rund 300 Feuerwehrleute unterstützten die Bautrupps. Im Jerichower Land nördlich von Magdeburg brach ein Bahndamm. Dadurch floss Wasser der Elbe ungeplant in den Elbe-Havel-Kanal. Auch in Hohengöhren im Landkreis Stendal blieb die Lage an der Elbe kritisch. Nachdem ein Deich auf 30 Metern Länge abgerutscht war, wurde versucht, einen Dammbruch abzuwenden. Auch hier wurden die Menschen am Montag aufgerufen, sich in Sicherheit zu bringen.

          In Magdeburg hat sich die Lage bei leicht sinkendem Pegel dagegen etwas entspannt. Das bedrohte Umspannwerk ist durch die Fluten nicht mehr in Gefahr. Bei einem Ausfall wären Tausende Haushalte in Magdeburg ohne Strom gewesen.

          Streckensperrungen und Umleitungen im ICE-Netz der Deutschen Bahn

          An der Landesgrenze zwischen Sachsen-Anhalt und Brandenburg laufen seit Sonntag planmäßig Polder voll, um die Hochwassersituation zu mildern. Nach Angaben des Krisenstabs der Landesregierung von Sachsen-Anhalt sollte dies voraussichtlich noch bis zum Montagmittag dauern. Dann seien die Polder voll.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will sich am Montagnachmittag über die Situation im Hochwassergebiet im brandenburgischen Wittenberge informieren. Gemeinsam mit Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) werde sie die Prignitz besuchen, um mit Helfern und Verantwortlichen zu sprechen, teilte die Staatskanzlei in Potsdam mit. In der Region bereiten sich seit Tagen Hunderte Helfer auf die Flutwelle vor. Diese wird am Dienstagmittag in Wittenberge erwartet.

          Das ohnehin geplante Treffen der 16 Ministerpräsidenten mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) soll an diesem Donnerstag um Gespräche über die Fluthilfe erweitert werden. Die Schadenssummen in ganz Deutschland werden bereits auf zweistellige Milliardensummen geschätzt. Steuererhöhungen zur Finanzierung hatte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) aber bereits am Wochenende ausgeschlossen.

          Niedersachsen erwartet den Hochwasser-Scheitel der Elbe ebenfalls noch. In Schnackenburg und Hitzacker wurden schon am Sonntag neue Rekordwerte erreicht. Die von Elbe und Jeetzel umflossene Altstadtinsel von Hitzacker wurde bis Sonntagabend evakuiert. In Schleswig-Holstein wurde die Altstadt von Lauenburg evakuiert.

          Am Berliner Hauptbahnhof hatte sich das Durcheinander vom morgendlichen Berufsverkehr bis zum Mittag schon deutlich entspannt. Trotzdem zeigten die Anzeigentafeln für viele Verbindungen vor allem Richtung Westen lange Verspätungen an. Die meisten Reisenden blieben trotzdem entspannt. „Ich schimpfe ja sonst oft über die Bahn, aber bei einer solchen Katastrophe kann man einfach nichts machen“, sagte ein Fahrgast.

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