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Hochwasser in England : In den Wogen der Kritik

  • -Aktualisiert am

In tückischen Gewässern: Premierminister David Cameron am Montag in der Innenstadt von York Bild: Reuters

Angesichts der heftigen Überschwemmungen in Nordengland muss sich David Cameron bohrende Fragen nach dem Hochwasserschutz gefallen lassen. Der Premier stapft mit Gummistiefeln durch die Fluten – und schiebt alle Schuld auf den Klimawandel.

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          Noch nie dagewesen“ und „warum“ sind die zwei Begriffe, die in der jüngsten britischen Hochwasserkatastrophe refrainartig wiederholt werden. Warum führe die Regierung beispielsweise zwölf Milliarden Pfund an Entwicklungsländer ab, wo doch die eigenen Steuerzahler der Hilfe bedürften? Warum wurde eine wesentliche Flutbarriere in York nicht in Betrieb gesetzt? Und warum hat die Regierung den Rat der Experten nicht beachtet, die Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel empfohlen hätten? Lauter Fragen, auf die es von offizieller Seite bislang nur eine Antwort gab: dass die bestehenden Schutzmaßnahmen eine Überprüfung erforderten.

          Gina Thomas
          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Premierminister David Cameron stapfte am Montag, einem Feiertag im Vereinigten Königreich, mit zerzaustem Haar und in Gummistiefeln durch York, um Präsenz zu zeigen in einem der am schwersten betroffenen Gebiete Nordenglands. Auf die Frage, weshalb die Hochwasserschutzmaßnahmen abermals versagt hätten, entgegnete er, dass die Mängel auf die größere Häufigkeit extremer Wetterbedingungen zurückzuführen seien. Der Klimawandel sei schuld.

          Camerons Umweltministerin Liz Truss zog sich auf die Formel zurück, dass die Regenfälle von „noch nie dagewesenem“ Ausmaß seien. Mit anderen Worten sagte sie also, dass man gegen derartige sintflutartige Unwetter nicht gefeit sein könne. Die Macht der Natur übersteige alles. Dem allerdings widersprechen Oppositionspolitiker und Umweltfachleute auf das heftigste.

          Bild: F.A.Z.

          Während die britische Regierung fünfhundert Soldaten zum Kampf gegen die Fluten mobilisierte und sich weitere tausend einsatzbereit halten, eskaliert der Streit um die Schutzmaßnahmen mit dem steigenden Wasserpegel. Von allen Seiten hagelt es Kritik an den langfristigen Maßnahmen zur Vorbeugung wie an der Handhabung der Krise durch die Umweltagentur. Diese geriet vor allem in York unter Beschuss wegen ihrer Entscheidung, die existierende Flutbarriere nicht zu aktivieren, die eigentlich verhindern soll, dass die zwei Flüsse Ouse und Foss zusammenlaufen.

          Schlimmeres sollte verhindert werden

          Nachdem die Pumpstation neben der Barriere am zweiten Weihnachtsfeiertag von den Wassermassen überwältigt worden war und der Strom an einigen Maschinen ausfiel, fürchtete die Behörde, dass das Sperrwerk durch einen Stromausfall seinen Dienst versagen könnte. Sie hatte zum Ärger des Stadtrates veranlasst, die Barriere offen zu lassen, um eine Überhitzung der verbleibenden Pumpen zu verhindern, die den Wasserüberschuss von der Foss in die Ouse ableiten.

          Infolge dieser Entscheidung sind nun nordöstliche Stadtteile, die seit 1987 durch diese Barriere geschützt werden, überschwemmt worden. Den aufgebrachten Bewohnern gestand die Umweltministerin, dass die Schutzsysteme überfordert gewesen seien und dass eine Überprüfung erfolgen müsse. Sie wies jedoch darauf hin, dass der Schutz von Menschenleben Vorrang habe. Die Umweltbehörde rechtfertigte ihr Vorgehen denn auch mit der Notwendigkeit, Schlimmeres zu verhindern.

          Cameron bekräftigte am Montag bei seinem Besuch der Kommandozentrale und des verwüsteten Zentrums von York, dass es nach solchen Ereignissen richtig sei, sich hinzusetzen und zu prüfen, was man ausgegeben habe, was man gebaut habe, was man auszugeben plane, was man bauen werde, und dann zu urteilen, ob die richtigen Maßnahmen an den richtigen Plätzen getroffen würden. Er bestritt zum einen, dass die Regierung den Etat für den Hochwasserschutz um vierzehn Prozent beschnitten habe, und zum anderen, dass der Süden des Landes nach den dortigen Überschwemmungen vor zwei Jahren auf Kosten des Nordens begünstigt worden sei, wie die sich stets über das Nord-Süd-Gefälle beklagenden Bewohner Nordenglands jetzt wieder behaupten.

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