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Hochwasser : Furcht vor einer gewaltigen Elbe-Flut

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Häuser in Dresden-Laubegast (Sachsen) sind vom Hochwasser der Elbe bedroht Bild: dpa

Die Flutwelle rollt Donau und Elbe hinab. Neue Überschwemmungen drohen. Schon jetzt sind die Schäden in Süd- und Ostdeutschland enorm. Bundeskanzlerin Merkel verspricht 100 Millionen Euro Soforthilfe.

          Eine Hochwasser-Welle nie gekannten Ausmaßes hat Süd- und Ostdeutschland überrollt - Passau erlebte in der Nacht zum Dienstag die höchste Donau-Flut seit mehr als 500 Jahren. Viele Orte standen unter Wasser, Helfer verstärkten Deiche und holten Bewohner aus den Überschwemmungsgebieten. Sobald sich die Lage an einer Stelle entspannte, verschärfte sich die Situation andernorts. Magdeburg und Regensburg riefen Katastrophenalarm aus. Europaweit starben mindestens 15 Menschen infolge der Unwetter.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) versprach den Flutopfern bei einem Besuch in den Hochwassergebieten mindestens 100 Millionen Euro für schnelle Hilfen. „Wir haben für so viele Dinge Geld, ich denke, gerade in dieser Notsituation werden wir auch Mittel und Wege finden, um den Menschen zu helfen“, sagte die Kanzlerin in Pirna (Sachsen). Dabei erwartet Merkel eine Mitwirkung der Bundesländer. Bundespräsident Joachim Gauck dankte den Nothelfern.

          Die von Merkel zugesagte Millionen-Hilfe soll aus den Haushalten mehrerer Ministerien wie dem Innen-, Wirtschafts-, Verkehrs- und Landwirtschaftsressort kommen. Derzeit wird verhandelt, wohin wie viel Geld fließen wird. Nach einem Hubschrauberflug über Passau sagte Merkel: „Wenn Bayern heute kommt und mehr Geld braucht, lassen wir mit uns reden.“ Auch SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sprach sich für staatliche Hilfen aus. Linkspartei-Chefin Katja Kipping forderte in der „Märkischen Allgemeinen“ (Mittwoch) eine Neuauflage des Fluthilfefonds. Die EU will Deutschland, Österreich und Tschechien mit dem Europäischen Solidaritätsfonds helfen.

          Zehntausende Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdiensten, Technischem Hilfswerk und Bundeswehr schütteten Dämme auf, füllten Sandsäcke, holten Flutopfer aus überschwemmten Orten und Häusern. Allein die Feuerwehren boten nach eigener Zählung 43.500 Einsatzkräfte auf. Merkel ließ sich vor der Feuerwache in Pirna mit einem Sandsack in den Händen fotografieren, bevor sie Helfer in Greiz (Thüringen) traf. Bundespräsident Joachim Gauck sprach den Betroffenen Mut zu und dankte den Helfern. „Zusammen schaffen wir das!“, sagte er nach Angaben des Präsidialamtes. Viele Gemeinden und Organisationen haben Spendenkonten eingerichtet.

          Deutschlandweit kamen im Hochwasser mindestens vier Menschen ums Leben. Bereits am Donnerstag war in Niedersachsen eine Radfahrerin ertrunken, die auf einer wegen Überflutung gesperrten Straße gestürzt war. In Baden-Württemberg verloren drei Menschen ihr Leben, unter ihnen ein Feuerwehrmann. In Tschechien fanden im Zusammenhang mit den Unwettern mindestens acht Menschen den Tod. Österreich beklagt zwei Fluttote, die Slowakei einen.

          Bei Deggendorf und Straubing mussten am Dienstag rund 6000 Menschen ihre Häuser verlassen, wie das bayerische Innenministerium mitteilte. In Bitterfeld mussten etwa 10 000 Menschen ihre Wohnungen verlassen, weil ein See nach einem Deichbruch im sächsischen Löbnitz überzulaufen drohte. Geräumt wurden auch die Dörfer Sollnitz und Kleutsch an der Mulde bei Dessau-Roßlau. In Dresden, wo die Elbe vom normalen Pegelstand von 2 Metern auf 7,37 Meter anschwoll, wurden weitere Evakuierungen vorbereitet.

          In Passau war der Pegelstand in der Nacht zum Dienstag nach Behördenangaben auf 12,89 Meter gestiegen. Das war die größte Flut seit dem Jahr 1501. Bei der Jahrhundertflut im Jahr 2002 wurden 12,20 Meter gemessen. Der Scheitelpunkt der Flut bewegte sich dann Richtung Österreich, Slowakei und Ungarn, wo weitere Schäden befürchtet wurden. Stadt und Landkreis Regensburg - an der Donau oberhalb von Passau - riefen Katastrophenalarm aus wegen steigender Wasserstände.

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