https://www.faz.net/-gup-79uhx

Hochwasser : Elbe extremst

Die Elbe vor Sandau, das direkt hinter einem Deich liegt Bild: dpa

Gut 40 Kilometer: Ein so langer Hochwasser-Scheitel wurde an der Elbe noch nie gemessen. Tagelang werden die Deiche belastet. Selbst Fachleuten fällt dazu nur noch ein Begriff ein: „extremst“.

          Vor elf Jahren, beim sogenannten Jahrhunderthochwasser, fürchteten die Hydrologen einen Pegelstand bei Magdeburg von 6,80 Meter. Am Sonntag lag der Höchststand sogar knapp 70 Zentimeter darüber bei 7,46 Meter. Statt 4400 Kubikmeter Wasser wie 2002 flossen geschätzte 5200 bis 5300 Kubikmeter Wasser pro Sekunde ab. Dafür fällt den Fachleuten nur noch ein Begriff ein: „extremst“.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Extremst ergiebig waren vor allem die Regenfälle in der Fläche vor zehn Tagen, die sämtliche Zuflüsse der Elbe in der Tschechischen Republik genauso wie in Sachsen und Sachsen-Anhalt über jedes zuvor gekannte Maß anschwellen ließen: Eger und Moldau, Schwarze Elster, Mulde und Saale, aber auch ihre beiden Nebenflüsse Unstrut und Weiße Elster. Die Weiße Elster, die bei Halle in die Saale fließt, schwoll dabei dermaßen an, dass die Hydrologen dort nicht mehr von einer Jahrhundertflut sprechen, sondern von einem Ereignis, wie es rein statistisch gesehen nur alle 500 Jahre verzeichnet wird und bislang überhaupt noch nie verzeichnet wurde.

          Vom Hochwasser betroffene Städte an der Elbe

          Dass die Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt am Ende so glimpflich davonkam, kommt also fast einem Wunder gleich. Denn es gibt noch viel mehr Rekorde an der Elbe zu vermelden: Etwa den längsten jemals gemessenen Scheitel von gut 40 Kilometern Länge. Er, so hieß es am Sonntag noch, werde die Deiche über Tage hinweg belasten. Der Scheitel aber hat sich inzwischen reduziert: Gleich drei Deichbrüche haben den Höchststand um geschätzte 50 bis 60 Zentimeter verringert, wie es vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz Sachsen-Anhalt heißt. Das Wasser floss unter anderem am Sonntag bei Groß Rosenburg südlich von Magdeburg aus und verteilte sich auf einem Gebiet von 90 Quadratkilometern, ein zweiter Dammbruch ereignete sich am frühen Montagmorgen bei Fischbeck im Landkreis Stendal, 1000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde schossen dort in die Fläche. Ein dritter Deich brach am  Montagabend weiter nördlich bei Hohengöhren ebenfalls im Landkreis Stendal. Die Deichbrüche sorgen zwar für eine Entlastung für die Anrainer entlang der Elbe flussabwärts, das Wasser in der Fläche fließt aber nach und nach auch wieder zurück in den Fluss, was die Hochwasserlage zusätzlich in die Länge ziehen dürfte.

          Die Elbe, von ihrer Quelle im Riesengebirge bis zu ihrer Mündung bei Cuxhaven in die Nordsee etwa 1100 Kilometer lang, hat normalerweise eine mittlere Fließgeschwindigkeit von drei bis fünf Kilometern, an manchen Stellen wie in den Fahrwasserengen bei Magdeburg von bis zu acht Kilometern in der Stunde. Allerdings wird sie auf ihrem rund zweiwöchigen Weg durch Staustufen am Ober- und die Gezeiten am Unterlauf gebremst. Bei Hochwasser fließt die Elbe schneller, doch wird sie zugleich auch an jedem Hindernis - Haus, Strauch, Sandsack - verlangsamt. Zusätzlich wurden zum Beispiel an der Landesgrenze zwischen Sachsen-Anhalt und Brandenburg am Sonntag planmäßig Polder geöffnet, um die Hochwassersituation weiter zu mildern.

          Wie schnell wie viel Wasser die Elbe in den nächsten Tagen hinunterfließt, lässt sich erst in ein paar Wochen genau sagen. Hinzu kommen neue Regenfälle, die vor allem die kleineren Zuflüsse wieder leicht anschwellen lassen. Die heftigen Unwettern werden dabei zum Teil auch vom Hochwasser mitverursacht. Die viele Feuchtigkeit von unten steigt auf, kühlt sich in höheren Regionen ab und fällt als starker Niederschlag wieder zu Boden.

          Topmeldungen

          Österreichs Regierung am Boden : Von der Musterehe zum Rosenkrieg

          Aus den Rissen in der türkis-blauen Koalition wurden durch die Ibiza-Affäre in beeindruckender Geschwindigkeit Gräben. Die Neuwahl ist für Sebastian Kurz eine Chance, mehr Stimmen für die ÖVP zu gewinnen – aber sie birgt auch ein großes Risiko.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.