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Hochwasser : Die Scheitelwelle erreicht den Norden

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Ein Schwimmpanzer der Bundeswehr verlässt das überflutete Dorf Fischbeck (Sachsen-Anhalt). Bild: dpa

Mit aller Macht wälzt das Hochwasser durch Norddeutschland. Flussaufwärts gehen die Pegel zurück, dennoch bleibt die Angst vor weiteren Deichbrüchen. Wirtschaftsminister Philipp Rösler kündigt einen Fluthilfefonds an.

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          Das Hochwasser hat Schleswig-Holstein und Brandenburg erreicht. In schleswig-holsteinischen Lauenburg warteten die Menschen auf den Scheitel der Fluten. Bedrohlich blieben die Wassermassen der Elbe im Norden Brandenburgs.

          Erste Entwarnung hingegen in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen: Dort erreichte das Hochwasser den Höhepunkt und ging langsam zurück. Die Spitze des Elb-Hochwassers habe auch Sachsen-Anhalt verlassen, teilte der Landesbetrieb für Hochwasserschutz in Magdeburg mit. In Teilen Sachsen-Anhalts blieb die Lage nach einem Deichbruch bei Fischbeck gefährlich.

          Die Debatte über die Finanzierung der Milliardenschäden und den Ausbau des Hochwasserschutzes nahm an Fahrt auf. Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) will die Opfer mit Pauschalzahlungen aus einem Fluthilfefonds unterstützen. Der Topf solle von Bund und Ländern gleichermaßen gefüllt werden, sagte Rösler im Inforadio des RBB. Nach dem Hochwasser 2002 habe es einen ähnlichen Fonds gegeben. „Das hat sich bewährt.“ Wie viel Geld über den Fonds zur Verfügung gestellt werden soll, ließ Rösler offen.

          Umweltminister Peter Altmaier (CDU) sagte in einem Interview mit der „Passauer Neuen Presse“: „Die 100 Millionen Euro sind die Soforthilfe, nicht unser letztes Wort. Wir lassen niemanden im Stich.“ Erst wenn das Ausmaß klar sei, könne über weitere Mittel entschieden werden.

          Weiter sagte Altmaier, dass der Hochwasserschutz überprüft werden müsse, es bestehe ein erheblicher Nachholbedarf. Auch Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) forderte in der „Superillu“ ein konsequentes und zügiges Umsetzen von Schutzmaßnahmen.

          Die Fluthilfe ist auch bei dem Treffen der 16 Ministerpräsidenten mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) an diesem Donnerstag Thema. Bundespräsident Joachim Gauck hatte bereits in den vergangenen Tagen die Menschen zu Spenden aufgerufen.

          Die Lage in Lauenburg in Schleswig-Holstein bleib angespannt. Der Pegelstand der Elbe sei seit Montagabend um zwölf Zentimeter auf 9,57 Meter gestiegen, pro Stunde steige das Wasser noch um einen Zentimeter, sagte ein Sprecher des Krisenstabs. Das langjährige Mittel liegt bei etwa fünf Metern. Deichläufer und Hubschrauber inspizierten die Deiche auf Schäden. Etwa 400 Bewohner der Altstadt hatten das bedrohte Gebiet bereits bis in der Nacht zum Montag verlassen müssen.

          Auch an der Elbe im Norden Brandenburgs war die Situation ernst. „Der Wasserstand der Elbe scheint stabil zu sein“, sagte Wolfgang Brandt, Sprecher des Koordinierungszentrums Krisenmanagement. Seit den frühen Morgenstunden stagnierte der Pegelstand bei 7,75 Metern (Mittelwert: 2,77 Meter). Steigerungen seien aber jederzeit möglich. Vor allem die Flutung der Polder habe die Situation in der Prignitz entschärft.

          Die Deichbruchstelle an der Elbe bei Fischbeck in Sachsen-Anhalt ist nach Angaben des Krisenstabes der Landes unter Kontrolle. Der Deich breche nicht noch weiter auf und die Fließgeschwindigkeit des aus dem Flussbett strömenden Wassers sei nun geringer, sagte Landesinnenminister Holger Stahlknecht (CDU). Zuvor hatte die Bundeswehr mit Hubschraubern große Sandsäcke in die Fluten geworfen.

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