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Hochwasser : Die Elbe flutet auch Teile der Altmark

  • -Aktualisiert am

In der Umgebung von Fischbeck wurden Tausende Menschen aufgerufen, ihre Häuser zu verlassen. Bild: dpa

Etwa 45.000 Menschen in Sachsen-Anhalt haben wegen der Fluten der Elbe ihre Wohnungen verlassen. Nach dem Bruch eines Deiches strömen tausend Kubikmeter Wasser je Sekunde in die Altmark. Der Bahnverkehr nach Berlin ist stark behindert.

          Das Hochwasser der Elbe und ihrer Nebenflüsse hat auch Teile der Altmark nördlich Magdeburgs überflutet. Nahe Fischbeck im Landkreis Stendal brach ein Deich auf etwa hundert Meter Länge. Seitdem strömen etwa tausend Kubikmeter Wasser je Sekunde in Richtung Osten und Norden auf die Felder und in Dörfer. Etwa 3000 Bewohner wurden in Sicherheit gebracht - insgesamt haben zurzeit etwa 45.000 Personen in Sachsen-Anhalt, vor allem in der Hauptstadt Magdeburg, ihre Wohnungen verlassen. Die Bahnbrücke über die Elbe bei Stendal ist wie zuvor jene in Magdeburg gesperrt worden. Bahnreisende von Köln, Amsterdam, Frankfurt und Hannover nach Berlin müssen daher mit langen Umleitungen und Verzögerungen von bis zu drei Stunden rechnen. Da die Brücke möglicherweise auch am Dienstag gesperrt bleibt, müssen Reisende weiterhin mit starken Einschränkungen rechnen, teilte die Bahn mit.

          Der Krisenstab der Landesregierung hat in der Altmark die Koordination des Einsatzes an sich gezogen Der Geburtsort Bismarcks, Schönhausen, ist wie einige andere Orte der Altmark und des Jerichower Landes wie eine Insel von Wasser umgeben, der Strom ist abgestellt. Kritisch ist die Lage im Elbe-Havel-Winkel. An der Landesgrenze zwischen Sachsen-Anhalt und Brandenburg laufen plangemäß Polder - Überflutungsflächen - voll, was den Elbescheitel um bis zu 30 Zentimeter entlasten kann. Dort erwägen die Landkreise aber, die Sperren wieder zu schließen, um Orte wie Havelberg zu schützen.

          Streckensperrungen und Umleitungen im ICE-Netz der Deutschen Bahn

          Größere Wassermassen flossen nach dem Brechen eines Bahndamms in den Elbe-Havel-Kanal. Bundeswehreinheiten wurden aus Regionen, in denen sie nicht mehr akut gebraucht werden, nach Norden verlegt - in der Altmark gilt es, 150 Kilometer Elbdeiche zu verteidigen. Gefährdet sind sie nicht nur durch Durchnässung und Aufweichen, sondern auch durch Baumstämme und anderes Treibgut in der Elbe. Hilfe ist erschwert, weil es in der Region keine offene Elbbrücke mehr gibt. Halle leitete nicht mehr benötigte Sandsäcke nach Norden. In der Justizvollzugsanstalt Burg nähten Gefangene in Sonderschicht Sandsäcke. Die Stadt Aken im Elbe-Saale-Winkel ist nach einem Dammbruch von Wasser umgeben. In Magdeburg und im Landkreis Börde hat sich die Lage leicht entspannt.

          In der Innenstadt Bitterfelds sind etwa 10.000 Personen in ihre Wohnungen heimgekehrt, nachdem die Gefahr eines Dammbruchs gebannt worden war. In Halle wurde der Krisenstab aufgelöst. Im Süden Sachsen-Anhalts sind die Schäden des Hochwassers im Ansatz erkennbar. Die Öffentliche Versicherung Sachsen-Anhalt erwartet eine höhere Schadenssumme als bei der „Jahrhundertflut“ 2002, weil die Ausdehnung des Hochwassers an Elbe, Saale, Mulde, Schwarzer und Weißer Elster und an der Havel erheblich größer sei als damals, und die Überflutung vermutlich länger dauern wird als vor einem Jahrzehnt. Am Montag berieten Finanzminister Jens Bullerjahn (SPD) und Landräte aus Sachsen-Anhalt über Soforthilfen für Geschädigte.

          In Mecklenburg-Vorpommern spitzte sich die Lage am Montag zu, dennoch keimte am Abend leise Hoffnung auf. Das Wasser der Elbe rückte zwar im Tagesverlauf immer näher an die Deichkronen heran, doch stieg der Pegelstand ab dem Nachmittag nicht weiter an. In Dömitz lag der Pegel um 18 Uhr bei 7,19 Meter. Das sind gut fünf Meter mehr als normal und fast ein halber Meter über dem historischen Höchststand von 6,72 Meter beim Januar-Hochwasser 2011. Nach offiziellen Prognosen sollten zur Wochenmitte in Dömitz 7,65 Meter und in Boizenburg 7,80 Meter erreicht werden. Diese Spitzenwerte werden inzwischen aber ausgeschlossen. Landrat Rolf Christiansen wies nach einer Sitzung des Katastrophenabwehrstabes allerdings daraufhin, dass die Gefahr für die Deiche vor allem auch vom enormen und länger anhaltenden Wasserdruck herrühre und nicht nur von der Wasserhöhe.

          Wegen der anhaltenden Gefahr wurde am frühen Montagabend das Hochwassergebiet an der Elbe in Mecklenburg-Vorpommern für Ortsfremde gesperrt. Die rund 12 500 Einwohner in Dömitz, Boizenburg, Neu Kaliß, Lübtheen, Teldau und Teilen von Boizenburg-Land sollen sich auf eventuell nötig werdende Evakuierungen vorbereiten, sagte Landrat Christiansen. Die Einsatzkräfte brauchten Handlungsräume, um bei drohenden Deichbrüchen ungestört und schnell agieren zu können.

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