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Hochwasser : Anschläge auf Deiche angedroht

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Die Hochwassersituation an der Elbe spitzt sich weiter zu, wie hier im Ortsteil Rothensee in Magdeburg Bild: dpa

Das Hochwasser trifft Mitteldeutschland mit mehr Wucht als erwartet. In Wittenberge in Brandenburg kann die Elbe höher steigen als je zuvor. In Sachsen-Anhalt ist ein wichtiger Damm gebrochen. Jetzt drohen Unbekannte damit, andere Deiche zu beschädigen.

          Unbekannte haben Anschläge auf Deiche angedroht. Der Krisenstab der Landesregierung in Sachsen-Anhalt bestätigte am Sonntag in Magdeburg die Existenz entsprechender Schreiben. Darin werde angekündigt, Dämme und Deiche auch in Sachsen-Anhalt mit dem Ziel beschädigen zu wollen, bundesweit Menschen zu schaden.
            
          Der Leiter des Krisenstab erklärte, das Schreiben werde  „ernst genommen“. Die Luftraumüberwachung an den genannten Deichen wurde bereits verstärkt. Ohnehin seien an jedem Damm und Deich in Sachsen-Anhalt rund um die Uhr Deichwachen unterwegs. Sie wurden aufgefordert, „jegliche Erkenntnisse“ über Auffälligkeiten unverzüglich an die Krisenstäbe und die Polizei weiterzuleiten.

          Brandenburg flutet Polder

          Auch in der Brandenburger Hochwasserregion entlang der Elbe hat sich die Lage am Sonntag weiter zugespitzt. Neuralgischer Punkt war weiter die Elbe, die auf einen Hochstand von 7,77 Meter erreichte. Tendenz: weiter steigend. Zur Entlastung der Deiche sollten am Nachmittag Polder in der Nähe der Kleinstadt geflutet werden.

          An zwei Stellen streift die Elbe das Land Brandenburg: im Süden im Landkreis Elbe-Elster und in der Prignitz im Nordwesten. In der Stadt Mühlberg (Elbe-Elster) sanken zwar die Pegelstände weiter,
          flussaufwärts in Wittenberge (Prignitz) war das keinesfalls in Sicht. Ein Höchststand wird erst Mitte der Woche erwartet.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) versprach den Flutopfern Unterstützung. Man werde beim Wiederaufbau alles tun, was möglich sei. „Deutschland steht in bewundernswerter Weise zusammen in diesen Tagen - und das soll auch so bleiben.“

          Um 14.30 Uhr sollten die Wehre zu den Havelpoldern geöffnet werden. Die Flächen liegen etwa 30 Kilometer vor Wittenberge bei Neuwerben. Sie können etwa 250 Millionen Kubikmeter Wasser aufnehmen. „Diese Möglichkeit ist bundesweit einmalig“, sagte Umweltministerin Anita Tack (Linke). Der Pegelstand war seit Sonntagmorgen um zehn Zentimeter gestiegen. Beim Jahrhunderthochwasser 2002 lag der Höchststand bei 7,34 Meter. Bis Dienstag sollen es 8,10 Meter sein.

          Ein Mann sichert am Elbtor in Schönebeck sein Haus mit Sandsäcken gegen die Elbe Bilderstrecke

          Damm am Zusammenfluss von Saale und Elbe gebrochen

          Der umkämpfte Damm am Zusammenfluss von Saale und Elbe ist am Sonntag gebrochen. Dies teilte der Krisenstab der Landesregierung von Sachsen-Anhalt mit. Er rief rund 150 verbliebene Menschen im Raum Groß Rosenburg, Breitenhagen, Lödderitz und Sachsendorf auf, sofort in höhere Gebiete zu flüchten. Betroffen von der Räumung ist ein Gebiet von mehreren Quadratkilometern an der Mündung der Saale in die Elbe südlich von Magdeburg. Dort waren am Wochenende die Hochwasser-Scheitel beider Flüsse zusammengeprallt, was Prognosen extrem erschwert hatte. Die Bruchstelle befindet sich zwischen Klein Rosenburg und dem Schöpfwerk Breitenhagen.

          Tausende Helfer kämpfen in Magdeburg gegen einen immer weiter steigenden Wasserstand der Elbe. Für den Morgen wurde in Magedeburg ein Spitzenstand des Pegels an der Strombrücke von 7,50 Metern erwartet, teilte der Krisenstab der Landesregierung mit. Ursprünglich war mit einem Wert von 7,20 gerechnet worden. Beim Hochwasser 2002 waren es dort 6,72 Meter.

          Schwerpunkt des Einsatzes war ein Umspannwerk im evakuierten Stadtteil Rothensee, das für die Stromversorgung der Stadt wichtig ist. Neben Bürgern könnten auch Helfer bei einem Stromausfall lahmgelegt werden, sagte eine Sprecherin. Die Bundeswehr verstärkte mit 700 Mann einen Deich rund um die Anlage.

          Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) mahnte zur Ruhe und bat die Bürger, den Aufforderungen der Stadt zur Räumung von Rothensee nachzukommen. Ein Großteil der rund 3000 Betroffenen sei inzwischen in Sicherheit gebracht worden, hieß es beim Krisenstab.

          Dramatisch zugespitzt hat sich auch die Lage unweit von Barby, wo das Hochwasser der Saale auf das Hochwasser der Elbe prallt. Der umkämpfte Damm am Zusammenfluss von der beiden Flüsse ist am Sonntag gebrochen. Der Krisenstab der Landesregierung von Sachsen-Anhalt rief rund 150 verbliebene Menschen im Raum Groß Rosenburg, Breitenhagen, Lödderitz und Sachsendorf auf, sofort in höhere Gebiete zu flüchten. Schon zuvor waren die Bewohner zur Flucht aufgefordert worden. Die Bruchstelle befindet sich zwischen Klein Rosenburg und dem Schöpfwerk Breitenhagen. Zahlreiche Ortschaften wurden dort evakuiert. Auch die Stadt Aken mit rund 8000 Einwohnern wurde geräumt. Bewohner seien teils mit Transportpanzern, teils auch mit Krankenfahrzeugen in Sicherheit gebracht worden, teilte die Bundeswehr weiter mit.

          Entspannung gab es hingegen in Halle und in Bitterfeld. In der Chemiestadt Bitterfeld droht aber weiterhin ein Badesee die Innenstadt zu überfluten. Die Aufforderung für 10 000 Bewohner, das Gebiet zu verlassen, blieb bestehen. Sie soll womöglich an diesem Montag aufgehoben werden, wie der zuständige Landkreis mitteilte.

          Die Bundeswehr war am Wochenende in Sachsen-Anhalt mit insgesamt rund 5500 Soldaten und schwerem Gerät im Einsatz. Die Zahl der Todesopfer in Zusammenhang mit dem Kampf gegen das Hochwasser blieb laut Krisenstab unverändert. Seit Beginn des Hochwassers sind allein in Sachsen-Anhalt drei Menschen gestorben, darunter durch einen Herzinfarkt beim Füllen von Sandsäcken und bei einem Verkehrsunfall.

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