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Flut-Katastrophe : Wasserwerfer im Hochwassereinsatz

Das Technische Hilfswerk (THW) wurde 1950 gegründet und übernimmt Aufgaben für den Zivil- und Katastrophenschutz Bild: dpa

Bergepanzer, Wasserwerfer und Hubschrauber - auch bei dieser Flut sind Bundeswehrsoldaten, Bundespolizisten und THW gemeinsam im Einsatz. Innenminister Friedrich bittet die Arbeitgeber, bei der Freistellung von ehrenamtlichen Helfern großzügig zu sein.

          Die Bundeswehr kennt man hierzulande eigentlich nur noch als Truppe im Afghanistan-Einsatz. Da war es in den vergangenen Tagen gut zu erfahren, dass es auch noch ein „Kommando Territoriale Aufgaben“ gibt. Dieser Führungsstab hat zum Wochenende mitgeteilt, dass inzwischen etwa 11.500 Soldaten im Einsatz gegen die Hochwassernot seien. Damit wurde die Zahl der militärischen Helfer innerhalb einer Woche etwa verzehnfacht. Die Streitkräfte rückten zudem mit Bergepanzern, Hubschraubern und schwimmfähigen Radpanzern an, um zu helfen. An Sprengungen zur Kanalisierung waren auch Pioniere beteiligt.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Bei der sogenannten Jahrhundertflut vor elf Jahren hatte die damalige Bundeswehr etwa 45.000 Soldaten in den Einsatz entlang der Hochwassergebiete schicken können. Damals existierte allerdings noch die Wehrpflicht. Das Engagement der Bundeswehr wurde seinerzeit als Bewährungsprobe der „Armee“ der Einheit im Inneren wahrgenommen und vielfach gelobt.

          Bei Fischbeck (Sachsen-Anhalt) liefert die Bundeswehr Sandsäcke zur Verstärkung eines gefährdeten Deichabschnittes Bilderstrecke

          Ungeachtet der neuen Struktur scheint es aber nach bisherigem Kenntnisstand gelungen zu sein, nötige Hilfe und notwendige Mannschaftsstärken mobilisieren zu können. Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU), der in Berlin mit der politischen Drohnenkatastrophe zu kämpfen hat, reiste am Sonntag abermals in die Hochwassergebiete, um bei den Soldaten moralische Unterstützung zu leisten und sich über die aktuelle Lage zu informieren.

          Der Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenabwehr, Christoph Unger, hatte dazu bemerkt, dass für die Bundeswehr wegen Standortschließungen und Umstrukturierungen zwar die Wege und Vorwarnzeiten länger geworden seien, sie aber immer noch entscheidende Hilfe leisten könne. Ähnliches gilt auch für die Bundespolizei, die nach eigenen Angaben bis zum Wochenende mit etwa 5000 Beamten in den Hochwasserregionen Bayern, Sachsen-Anhalt und Brandenburg im Einsatz war.

          Friedrich bittet um Unterstützung der Arbeitgeber

          Die Einsatzhundertschaften haben zur Zeit insoweit etwas größere Kapazitäten, als die enorm personalaufwendigen Bundesliga-Einsätze derzeit nicht anfallen. Da die Bundespolizei mit 87 Hubschraubern über die europaweit größte nichtmilitärische Flotte verfügt, konnte sie auch auf dem Gebiet der Luftrettung hilfreich sein. Nach Angaben des Bundespolizeipräsidiums in Potsdam wurden dabei in mehr als einem Dutzend Fälle Menschen per Seilwinde aus dem Hochwasser gerettet.

          Mittlerweile, so eine Mitteilung vom Wochenende, hätten Bundespolizisten begonnen, „dort, wo sich die Wassermassen zurückgezogen haben, mit Hilfe von Wasserwerfern erste Aufräumarbeiten zu leisten“. Die Wasserwerfer sind für gewöhnlich in besonderen Demonstrationslagen ein Element kontrollierter Eskalation staatlicher Gewalt, um Gewaltbereiten zu begegnen. Insoweit dürfte der Einsatz der Wasserwerferbesatzungen zum Wegspritzen von braunem Schlamm auch für sie eine interessante Alternative zum Normaldienst sein.

          Unter einheitlicher Organisation und mit Ausrüstungshilfe des Bundes versieht die Freiwilligenorganisation „Technisches Hilfswerk“ (THW) auch in der gegenwärtigen Flutlage mit etwa 4000 Helfern ihren Dienst. Nach Angaben des THW stehen in Deutschland rund 40.000 aktive THW-Kräfte in 668 Ortsverbänden bereit.

          Sie sichern Deiche, bauen Hochwasserstege und -schutzwände, räumen Verkehrswege frei und können die Notversorgung mit Strom und Trinkwasser organisieren. Wenn es darum geht, das Wasser aus Häusern und Kellern wieder herauszubekommen, gelangen meist die Hochleistungspumpen des THW zum Einsatz.

          Die Mitarbeit ist ehrenamtlich, und mit dem Aussetzen der Wehrpflicht gibt es auch keine Ersatzdienstleistenden mehr. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hatte zuletzt im April bei einer Fachtagung mittelständische und kleinere Unternehmer gebeten, bei den für die Betriebsabläufe belastenden Freistellungen ihrer Leute für THW-Übungen und -Einsätze großzügig zu bleiben und auch die besonderen sozialen und technischen Kompetenzen zu schätzen, die diese ehrenamtlich engagierten Mitarbeiter in ihre Unternehmen hineintragen.

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