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Unwetter-Chaos im Westen : Zahlreiche Menschen durch Hochwasser gestorben

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Dreyer: „Es gibt Tote, es gibt Vermisste“

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer hat nach der Hochwasserkatastrophe in der Eifel ihre Betroffenheit geäußert. „Das Unwetter hat unser Land hart getroffen. Ich bange mit allen, die in Gefahr sind“, schrieb die SPD-Politikerin bei Twitter. Sie danke allen Helfern und Einsatzkräften, die unermüdlich mit großem Einsatz gegen die Wassermassen ankämpften. Zu Beginn der Landtagsplenarsitzung in Mainz beschrieb Dreyer den Ernst der Lage: „Es gibt Tote, es gibt Vermisste, es gibt viele, die noch in Gefahr sind“, so die Ministerpräsidentin. „Es ist wirklich verheerend.“ Ganze Orte seien überflutet, Häuser einfach weggeschwommen. Polizeihubschrauber seien unterwegs, um Menschen von Hausdächern zu retten. Auch die Bundeswehr helfe mit rund 200 Soldaten. Es gebe sehr viele Vermisste, sagt Dreyer. Es sei unklar, ob sie sich selbst hatten retten können. Sie zu erreichen sei schwierig, da das Mobilfunknetz zum Teil ausgefallen sei.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) will an diesem Donnerstag die von Überflutungen besonders betroffene Ruhrgebietsstadt Hagen besuchen. Der CDU-Chef und Unionskanzlerkandidat sagte deshalb seinen mit Spannung erwarteten Besuch bei der CSU-Landesgruppe in Kloster Seeon ab. Angesichts der Unwetterlage in Laschets Bundesland  Nordrhein-Westfalen sei die Absage des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten eine gemeinsame Entscheidung von CDU und CSU, teilte die CSU-Landesgruppe mit.

Bahn: NRW möglichst umfahren

Die Deutsche Bahn riet allen Bahnreisenden, Nordrhein-Westfalen weiträumig zu umfahren. „Bitte verschieben Sie Reisen von und nach NRW nach Möglichkeit auf die kommenden Tage“, hieß es in einer Mitteilung. Am Mittwoch wurde auf zahlreichen Bahnlinien der Betrieb eingestellt. Die Bahn berichtete unter anderem von Verspätungen und Ausfällen von Zügen zwischen Köln und Düsseldorf sowie zwischen Köln und Wuppertal. Die Strecken zwischen Köln und Koblenz waren auf beiden Seiten des Rheins nicht befahrbar. ICE-Züge zwischen Frankfurt und Brüssel fuhren nur zwischen Frankfurt und Köln.

So entwickelt sich das Wetter in den kommenden Tagen weiter.

Katastrophenfall in der Vulkaneifel

In Rheinland-Pfalz rief der Kreis Vulkaneifel nach starken Regenfällen und Überschwemmungen den Katastrophenfall aus. „Die Lage ist sehr ernst, wir haben viele überschwemmte Straßen und Ortschaften, die nicht mehr erreichbar sind“, sagte Landrätin Julia Gieseking am Mittwochabend in Daun. Die Schulen im Kreis sollen am Donnerstag geschlossen bleiben. „Ich appelliere an die Bevölkerung, dass alle zuhause bleiben und sich schützen vor den Wassermassen“, sagte Gieseking.

Der Präsident der Aufsichts- und Dienstleistungsbehörde (ADD), Thomas Linnertz, sagte am Mittwoch, er sei in die Vulkaneifel geeilt, um sich einen Überblick zu verschaffen. Auch in benachbarten Kreisen sei die Lage aufgrund von Starkregen und Hochwasser schwierig. Der Brand- und Katastrophenschutzinspekteur des Kreises Vulkaneifel, Harald Schmitz, sagte, es habe so starke Wassermassen gegeben, „dass komplette Bäche durch Orte fließen“. In Hillesheim sei ein Teil des Altenheims geräumt worden. „Wir gehen davon aus, dass die Lage noch länger anhalten wird und deswegen haben wir die Unterstützung angefordert.“ Abgesehen von Schnittwunden gebe es aber bislang keine Meldungen von größeren Verletzungen Betroffener.

Polizei Koblenz bittet um Mithilfe

Die Polizei hat inzwischen eine Telefon-Hotline eingerichtet, an die sich besorgte Angehörige wenden können, wenn sie jemanden vermissen. Sie ist unter der Nummer 0800-6565651 erreichbar.

Außerdem bittet das Polizeipräsidium Koblenz die Menschen im Kreis Ahrweiler um Mithilfe bei der Suche nach Vermissten. Sie sollen Videos und Fotos an die Polizei schicken, die Hinweise auf vermisste Personen und mögliche weitere Tote im Kreis Ahrweiler geben können. Fotos und Videos können unter https://rlp.hinweisportal.de/ hochgeladen werden.

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