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Angespannte Lage in NRW : Dämme von Talsperren wegen Hochwasser unter Druck

  • Aktualisiert am

Aufnahme in der Nähe von Solingen Bild: dpa

Der Regen ist weitergezogen, die Hochwasserlage an vielen Stelle in Nordrhein-Westfalen aber dramatisch. Drei Menschen starben, an übervollen Talsperren ist die Lage kritisch und vielerorts fehlt der Strom.

          3 Min.

          Auch nach dem Abklingen der Starkregens in Nordrhein-Westfalen kämpfen Feuerwehr und andere Einsatzkräfte an vielen Stellen mit einer sich verschärfenden Hochwasserlage. Im Kreis Euskirchen drohte in der Nacht zum Donnerstag der Damm der Steinbachtalsperre zu brechen. Kritisch war die Lage zeitweise auch an der Bevertalsperre und der Wupper-Talsperre. Dort konnte das Wasser aber kontrolliert abfließen, wie die Feuerwehr mitteilte.

          In Solingen starb ein 82 Jahre alter Mann nach einem Sturz im überfluteten Keller seines Hauses. Bei dem Sturz sei er mit dem Kopf unter Wasser geraten, sagte eine Sprecherin der Wuppertaler Polizei am Donnerstag. Nach Angaben der Stadt Solingen war der Mann aus einem Kellerschacht gerettet und wiederbelebt worden. Er sei nach dem Transport ins Krankenhaus gestorben.

          Bei den Rettungseinsätzen starben zwei Feuerwehrleute im Sauerland. Ein 46 Jahre alter Feuerwehrmann war am Mittwochnachmittag in Altena nach der Rettung eines Mannes aus einem überfluteten Stadtteil ins Wasser gestürzt und abgetrieben. Seine Kollegen konnten ihn kurz darauf nur noch tot bergen. Knapp zwei Stunden später kollabierte ein 52 Jahre alter Feuerwehrmann bei einem Einsatz im Bereich des Kraftwerks Werdohl-Elverlingsen. Er sei am Mittwochabend trotz Reanimations- und Hilfsmaßnahmen gestorben, teilte die Polizei mit. Ersten Erkenntnissen nach handelte es sich bei dem Unglück um einen gesundheitlichen Notfall.

          Alle aktuellen Entwicklungen zum Hochwasser und den Unwettern können Sie hier im Liveblog verfolgen.

          Im Starkregen stürzte das Flachdach eines Einzelhandelsgeschäfts in einem Einkaufszentrum in Würselen bei Aachen ein. Eine verletzte Person habe sich selbst retten können, teilte die Stadt mit. „Vermutlich hat das Dach den Wassermassen nicht standgehalten.“

          Ein Regionalzug steht im Bahnhof des Ortes Kordel in Rheinland-Pfalz, umspült vom Hochwasser der Kyll. Als der Strom ausfiel, blieb auch die Bahn am Mittwoch liegen. Bilderstrecke
          Flut-Katastrophe im Westen : Talsperren laufen über, Häuser sind zerstört

          In Leverkusen musste ein Krankenhaus wegen einer Störung der Stromversorgung komplett evakuiert werden. Betroffen seien 468 Menschen, teilte das Klinikum Leverkusen am Donnerstagmorgen mit. Die Maßnahme sei mit der Feuerwehr abgesprochen. Alle Operationen, Termine und Eingriffe seien abgesagt. Bereits in der Nacht sei der Notstrom ausgefallen, einige Stationen seien ohne Licht gewesen. „Die medizinischen Geräte der Intensivstationen mussten teilweise mit Akkus betrieben werden“, teilte das Klinikum mit. Bereits in der Nacht seien 12 Kinder und 15 erwachsene Patienten in umliegende Krankenhäuser verlegt worden.

          Auslöser des Stromausfalls war das Hochwasser des Flüsschens Dhünn. Dadurch wurde ein Kurzschluss an zwei Trafos ausgelöst, der Strom fiel aus. Es sei nicht abzusehen, wann die Stromversorgung wieder zuverlässig funktionieren werde, erklärte das Klinikum.

          Hagen ein Hochwasser-Hotspot

          Vielerorts mussten Menschen vor den Fluten in Sicherheit gebracht werden. Es gab auch großflächige Stromausfälle. Eine Sprecherin des Netzbetreibers Westnetz berichtete am Donnerstagmorgen, rund 190.000 Haushalte seien ohne Strom, weil Umspannwerke und andere Anlagen überflutet seien und abgeschaltet werden mussten. Betroffen seien vor allem das Bergische Land und die Eifel.

          Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) wollte sich am Donnerstag in der besonders stark vom Hochwasser betroffenen Stadt Hagen ein Bild von der Lage im Hochwasser-Hotspot Hagen machen. Dort hatte das Hochwasser der Volme die Situation am Donnerstagabend abermals verschärft. Etwa 440 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk waren allein dort unterwegs.

          Luftaufnahme aus Hagen, vom Mittwoch
          Luftaufnahme aus Hagen, vom Mittwoch : Bild: AFP

          Bereits am Mittwoch wurde in Hagen ein Altenheim mit 76 Bewohnern wegen einströmender Wassermassen evakuiert. Eltern wurden gebeten, ihre Kinder nicht in die Kita zu schicken und auch die Ferienbetreuung an den Grundschulen nicht zu nutzen. Mehrere Fahrer seien aus ihren von Wassermassen eingeschlossenen Autos befreit worden. Einige Ortsteile waren zum Teil nicht mehr zu erreichen. „Die Leute sind verzweifelt“, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Hagen. Auch in anderen Teilen des Bundeslandes wurden Bäche zu reißenden Strömen. Eine Mitarbeiterin eines Seniorenheims in Mettmann nahe Düsseldorf wurde von einem umstürzenden Baum schwer verletzt und wäre beinahe ertrunken. Ein Helfer konnte den Kopf der Frau über Wasser halten, bis Feuerwehrleute die eingeklemmte Frau befreit hatten.

          In Erkrath nahe der Landeshauptstadt mussten etwa 100 Bewohner eine Unterkunft für Geflüchtete verlassen. An zahlreichen Flüssen in Nordrhein-Westfalen wurden Hochwasser-Warnwerte überschritten.

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