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Hochwasser in der Eifel : „Die Wassermassen haben die Möbel rumgespült wie Streichholzschachteln“

  • -Aktualisiert am

Eigentlich führt die Brücke in ein kleines Paradies: Angelika Kämper begutachtet den Schaden, denn die Wassermassen in ihrem Garten hinterlassen haben. Bild: Isabel Fisch

Der Starkregen und das Hochwasser haben auch die alte Mühle von Angelika Kämper und Rudolf Disch getroffen. Nun stehen sie vor den Trümmern ihres Zuhauses.

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          Als am Mittwoch die Wassermassen über die alte Mühle von Angelika Kämper und Rudolf Disch hereinbrachen, wollten sie nur eins: Ihre Tiere in Sicherheit bringen. Doch die meisten überlebten die Flut nicht.

          Am nächsten Tag hält Rudolf Disch ein schlammgetränktes Stück Stoff in die Luft. Es tropft. „Was war das?“, fragt er seine Lebensgefährtin. Die zuckt mit den Achseln. „Ich glaub das war dein Kleid, weißt du? Das Schöne“, sagt Disch. „Weg damit. Das krieg’ ich eh nicht mehr sauber“, erwidert Kämper.

          Nicht einmal die Gummistiefel und die hochgekrempelte Cordhose, die sie trägt, gehören ihr. Eine Freundin hat sie ihr geliehen, weil Kämper nichts anderes mehr hat. Als sich die Nims zu einem reißenden Strom verwandelte, der Pegel anstieg und das Wasser ins Haus eindrang, blieb sie keine Zeit, ihre persönlichen Habseligkeiten zu retten. Wichtiger war, die 24 Hühner in Sicherheit zu bringen. Dass das Wasser fast zwei Meter hoch steigen würde, dass sie in den Ställen selbst in dieser Höhe nicht mehr sicher vor den Wassermassen sein, dass alle Hühner ertrinken würden, damit hatte sie nicht gerechnet.

          Die 1740 erbaute Mühle ist das Elternhaus von Disch und liegt eigentlich idyllisch: In dem kleinen Dorf Messerich im Westen der Eifel liegt es unweit der Nims. Ein Wehr grenzt direkt an das Haus an und plätschert hinter dem Esszimmer vorbei. Dort führt eine kleine Holzbrücke rüber in den Garten, für Kämper das Herzstück des Grundstücks. „Mein Mann hat gesagt: ‚Schatz, dein Paradies ist zerstört‘. Aber der Garten ist ja noch am wenigsten schlimm.“

          „Ich weiß nicht, ob wir das schaffen“

          Von der Idylle ist nichts mehr übrig. „Das ist hier wie in Venedig, ohne das Wasser würde das Haus nicht mehr stehen“, erklärt Kämper und steigt über eine tote Pute, die auf der Brücke liegt. Wem sie gehört oder woher sie kommt, weiß sie nicht. Das Wasser, ohne das das Haus nicht sein kann, zeigte am Mittwoch seine zerstörerische Seite; „Zwei Meter hoch stand der Schlamm hier“, sagt Kämper und zeigt auf die braune Linie an der Wand im Esszimmer.

          Ein Regionalzug steht im Bahnhof des Ortes Kordel in Rheinland-Pfalz, umspült vom Hochwasser der Kyll. Als der Strom ausfiel, blieb auch die Bahn am Mittwoch liegen. Bilderstrecke
          Flut-Katastrophe im Westen : Talsperren laufen über, Häuser sind zerstört

          Untergekommen sind sie im zweiten Stock der Mühle. Bisher spielte sich ihr komplettes Leben im Erdgeschoss ab. Der obere Teil der Mühle ist eigentlich unbewohnt; jetzt ist er zum Zufluchtsort für das Paar geworden. „Das bricht einem das Herz“, sagt Kämper. Wie lange es wohl dauert, bis so ein altes Mauerwerk trocknet? 40 Zentimeter messen die Mauern der Mühle.

          Draußen donnern drei Sanitärfahrzeuge der Bundeswehr an der alten Mühle vorbei; braun-grauer Matsch spritzt von der Straße auf. Disch steht in der Haustür und kehrt mit einem Wasserschieber den Schlamm aus dem Haus. Die Sonne bricht durch die dunklen Wolken und scheint auf den Haufen von Möbeln und Unrat, der neben der Haustür liegt. Es ist nur ein Bruchteil von dem, was Disch und Kämper in den kommenden Tagen entsorgen müssen. Der Großteil ist noch im Haus. Schwere Vollholzmöbel, Türen, Sitzbänke, Kleiderschränke, Elektrogeräte: „Die Wassermassen haben das rumgespült wie Streichholzschachteln.“ Es riecht feucht und erdig; in der Küche ist noch kein durchkommen. Noch sind sie mit den anderen Räumen beschäftigt. Der Anhänger ist weg, ob ihr Auto nochmal anspringt – wer weiß. Schon jetzt machen sie sich Sorgen, wie sie das Hochwasser finanziell stemmen, sagt Kämper: „Ich weiß nicht, ob wir das schaffen.“

          Wie viele in der Eifel sind auch Disch und Kämper erstaunlich gefasst – obwohl sie vor den Trümmern ihres Zuhauses stehen. „Man ist einfach machtlos“, sagt Kämper. Irgendwann funktioniere man nur noch: Hühner retten, Katzen und Hunde in Sicherheit bringen. Die Pferde sind zum Glück auf der Koppel. Also rein und Möbel und Elektrogeräte hochstellen. Gebracht hat das alles nichts. Die Hühner ertranken, von ihren sechs Laufenten sind nur noch zwei am Leben, die Ställe sind kaputt, ihr Hab und Gut und ist zerstört.

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