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Betroffene über die Flut : „Wir hatten Panik“

Verwüstung in Schuld im Kreis Ahrweiler Bild: dpa

Die Nachbarn schrien um Hilfe, alle hatten Panik: Julia Krätz wohnt in Heimersheim im Landkreis Ahrweiler. Ein Interview über den Moment, als das Hochwasser kam.

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          Frau Krätz, wie haben Sie die vergangene Nacht im Landkreis Ahrweiler erlebt, der vom Hochwasser verwüstet wurde?

          Martin Franke
          Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET.

          Gegen 1.30 Uhr gab es einen riesigen Knall, von dem wir alle wach geworden sind. Und dann haben wir auch schon gesehen, wie das Wasser von unten hochkam. Die Nachbarn von unten kamen zu uns hoch. Dann waren wir erst mal hier und konnten nichts machen. Es hat stark geregnet. Etwas später kam die Feuerwehr mit einem Boot. In der Nachbarschaft wurde eine Familie gerettet, die bis zur Brust im Wasser stand. Wir hörten sie rufen: „Hilfe, ich hab‘ Angst!“ Wir hatten Panik, weil wir nicht wussten, wie schnell das Wasser noch steigt. Gegen vier Uhr hat es aufgehört zu regnen. Wir konnten aber nur beobachten. Uns geht es zum Glück gut.

          Was haben Sie gesehen?

          Wir haben gesehen, wie die Autos kreuz und quer durch die Straßen getrieben wurden. Mein Auto ist auch weggeschwommen. Die sind alle ineinander verkeilt worden und wurden auf einen Haufen gedrückt, auch ein Anhänger und ein riesiger Container waren dabei. Das Ausmaß ist unglaublich, es war eine unvorstellbare Kraft, die hier geherrscht hat.

          Wo ist Ihr Auto jetzt?

          Ich sehe es noch von hier vom Balkon. Es steht irgendwo dahinten. Das Wasser stand bis unters Dach. Innen drin ist alles komplett voller Schlamm, da ist zum Teil auch noch Wasser drin. Das ist ein Totalschaden.

          Was sehen Sie, wenn Sie nun nach draußen blicken?

          Man sieht Leute auf der Straße, die schon beginnen aufzuräumen. Kinder sind natürlich neugierig und laufen hier herum. Genau vor meiner Tür ist ein Auto eingequetscht zwischen einem Stein und einem Baum, davor hat sich Holzgeröll gesammelt. Ich sehe ganz viel Öl im Wasser. Also braunes Wasser mit Öllachen oben drauf und überall Matsch. Am Himmel sind viele Hubschrauber unterwegs. In Heimersheim ist nur ein Streifen von drei bis vier Straßen betroffen. Das war im Grunde das Wasser aus einem Nebenfluss der Ahr. In der Parallelstraße war zum Beispiel kein Wasser.

          Wie geht es jetzt weiter? Sie und Ihre Familie sind weiterhin eingeschlossen?

          Wir haben keinen Strom, kein Leitungswasser und können nicht raus. Das Wasser steht noch immer vor unserer Tür. Ich gehe davon aus, dass es noch ein bis zwei Stunden dauert, bis das Wasser weg ist.

          Haben Sie Informationen von außen erhalten?

          Nein, beziehungsweise habe ich noch nichts mitbekommen. Hier im Ort ist aber schon das Technische Hilfswerk, die Feuerwehr, auch von außerhalb. Was total schön ist: Man sieht die Bauern mit ihren Traktoren, die zu helfen versuchen.

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