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Hochwasser im Dreiländereck : Flutwelle rollt nach Norden

  • Aktualisiert am

Der Fürst-Pückler-Park in Bad Muskau und das vom Hochwasser der Neiße umspülte Neue Schloss Muskau Bild: ddp

Trotz eines Deichbruchs nahe Bad Muskau und der teilweisen Überflutung des bekannten Fürst-Pückler-Parks geht das Hochwasser in Sachsen allmählich zurück. Doch nun zieht die Flut weiter nach Brandenburg - und die Wetterforscher warnen bereits vor neuem Regen.

          Die einen räumen bereits auf, die anderen bangen um ihr Hab und Gut: Während das verheerende Hochwasser am Montag im Dreiländereck von Deutschland, Polen und Tschechien langsam zurückging, rollt die Hochwasserwelle nun nach Norden. Am Montag kam der Scheitel der Neiße im sächsischen Bad Muskau an. Ein Teil des Fürst-Pückler-Parkes, der zum Unesco-Welterbe gehört, stand unter Wasser. Zwei vor Bad Muskau liegende Dörfer wurden überflutet, die Deiche brachen unter dem Druck des Hochwassers. Etwa 80 Menschen wurden in Sicherheit gebracht. In Brandenburg trafen die Behörden Vorsorge gegen das Hochwasser von Spree und Neiße. Beim schlimmsten Hochwasser seit 2002 waren am Wochenende im Dreiländereck mindestens neun Menschen ertrunken - drei davon in Sachsen.

          In der Tschechischen Republik ist noch ein Mann vermisst. Auch in Polen gab es noch Vermisste. Welche Sachschäden die Fluten anrichteten, lasse sich erst in einigen Tagen abschätzen, hieß es bei den großen deutschen Versicherern. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) stellte den Opfern Hilfe in Aussicht. Zunächst müsse man aber klären, wer versichert sei und wer nicht, sagte er bei einem Besuch am Montag in Bautzen. „Dann werden wir gemeinsam über Hilfe beraten.“ Der sächsische Innenminister Markus Ulbig (CDU) verlangte bundesweite Solidarität für die Hochwasseropfer. Die Beseitigung der Flutschäden sei eine Gemeinschaftsaufgabe, sagte Ulbig der Nachrichtenagentur dpa. Neben dem Land Sachsen werde der Bund gefragt sein, um wieder normale Zustände herzustellen. Zur Schadenshöhe lagen weder bei Europas größtem Versicherer Allianz noch bei den Rückversicherern Munich Re und Hannover Rück am Montag Zahlen vor. „Eine gute Einschätzung ist frühestens in einigen Tagen, vielleicht auch erst in einigen Wochen möglich“, sagte ein Munich-Re-Sprecher in München.

          Unterdessen sieht sich Brandenburg gut auf die Hochwasserflut von Neiße und Spree vorbereitet. Das sagte Umweltministerin Anita Tack (Linke). Für einzelne Gebiete werde es zwar schwierig, aber die Lage sei beherrschbar, sagte sie am Montag bei einem Besuch an der Talsperre Spremberg. Durch den niedrigen Wasserspiegel des Stausees könne die Flut einige Tage aufgehalten werden, sagte der Präsident des Landesumweltamtes, Matthias Freude.

          Land unter im Fürst-Pückler-Park in Bad Muskau

          Als erster brandenburgischer Ort wird Klein Bademeusel wegen des Hochwassers an Neiße und Spree evakuiert. Das kündigte Ministerpräsident Platzeck (SPD) am Montagabend im Sender RBB an. Es handele sich um eine vorsorgliche Maßnahme, weil der vorgelagerte Deich entlang der Neiße brüchig geworden sei und bereits Wasser durchdringe, sagte eine Sprecherin der Katastrophenschutzbehörde im Kreis Spree-Neiße. Noch sei allerdings kein Haus überschwemmt.

          An der Lausitzer Neiße in Brandenburg wurde am Montag die höchste Alarmstufe 4 ausgerufen. Dort stieg das Wasser schneller als zunächst gedacht. In Cottbus an der Spree tagte ein Krisenstab. Die Stadt orderte 200.000 Sandsäcke. „Hier kommt eine Naturgewalt auf uns zu, deren Auswirkungen man nicht genau abschätzen kann“, sagte ein Sprecher. Denn in den deutschen Hochwassergebieten gibt es nur kurze Entspannung. Am Freitag ist neuer Dauerregen in Sicht. „Und es sieht so aus, als würde es wieder den Süden und Südosten treffen“, sagte Meteorologe Robert Scholz vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach am Montag. Ob es so schlimm wird wie am vergangenen Wochenende, war aber noch nicht klar.

          Aufräumarbeiten in Polen

          In Polen und der Tschechischen Republik liefen die Aufräumarbeiten auf Hochtouren. Die Wasserstände gingen weiter zurück. In Polen stellten die Behörden zehn Millionen Euro als Hilfe für die Flutopfer zur Verfügung. Dramatisch blieb die Lage in der Stadt Bogatynia an der Grenze zu Sachsen. Weil die meisten Straßen dort zerstört wurden, können Hilfsgüter nur von Deutschland aus transportiert werden. Der stellvertretende Bürgermeister Jerzy Stachyra bat um Lebensmittel und Trinkwasser für die 18.000 Einwohner. In der Gemeinde blieben am Montag immer noch rund 1200 Haushalte ohne Strom.

          In der Tschechischen Republik konnten die meisten Menschen mittlerweile wieder in ihre Häuser zurückkehren. Rund 900 Haushalte hatten aber noch keinen Strom, sechs Bahnlinien blieben gesperrt. Die Fluten hinterließen zahlreiche unterspülte Straßen, zerstörte Brücken und eingestürzte Häuser. So müssten etwa in der Ortschaft Hradek nad Nishu mindestens zehn Häuser abgerissen werden, sagte Bürgermeister Martin Puta. Mehr als 300 Soldaten helfen bei der Beseitigung der Hochwasserschäden. Sie sollen unter anderem Behelfsbrücken bauen. Die tschechische Regierung stellte 1,6 Millionen Euro Soforthilfe für die Region Liberec zur Verfügung. Dafür sollten Trinkwasser, Lebensmittel und Benzin gekauft werden, sagte Ministerpräsident Petr Necas. Allein die Schäden in der Region Liberec werden nach seinen Angaben auf 161 Millionen Euro geschätzt. Am Mittwoch will die tschechische Regierung weitere Millionenhilfen beschließen.

          Noch keine Gefahr für Dresden

          Für Dresden stellt das steigende Hochwasser der Elbe bisher keine Gefahr dar. In der sächsischen Landeshauptstadt sind bereits zwei Fluttore installiert worden, die die historische Altstadt schützen sollen. „Nicht die langsam steigende Elbe, sondern die kleinen Flüsschen sind gefährlich, da sie in Sekunden zu reißenden Strömen werden“, sagte ein Sprecher. Für die Flüsse Sachsen-Anhalts wurden keine dramatischen Hochwasserstände erwartet. In Bayern entspannte sich die Hochwasserlage. Die Pegel einiger oberbayerischer Binnengewässer waren aber noch immer sehr hoch. Auf der Donau konnten wegen des hohen Wasserstandes auf einigen Abschnitten keine Schiffe fahren.

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