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Unglück im Himalaja : Lawinentod an der Shisha Pangma

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Zwei Achttausender in wenigen Stunden besteigen, das war das Ziel der Speedbergsteiger Sebastian Haag (links) und Benedikt Böhm. Bild: dpa

Ein Rekord sollte es werden: Zwei Achttausender in wenigen Stunden zu besteigen, das war das Ziel. Der Münchner Speedbergsteiger Sebastian Haag und der Italiener Andrea Zambaldi bezahlten den Versuch im Himalaja mit dem Leben.

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          Das Vorhaben war verwegen. Dass ein Bergsteiger zwei Achttausender in einer Saison besteigt, das hat es schon mehrmals gegeben. Doch in wenigen Stunden auf die Gipfel zweier Achttausender zu steigen, der Shisha Pangma (8027 Meter) und des Cho Oyu (8201 Meter), mit Ski abzufahren, die 170 Kilometer zwischen den Bergen aus eigener Kraft auf Mountainbikes und zu Fuß zu bewältigen und das alles innerhalb einer Woche – das hatte noch niemand versucht. Ein Rekord sollte es werden. Wieder einer dieser Rekorde, wie sie die Münchner Speedbergsteiger Sebastian Haag (36) und Benedikt Böhm (37) schon so oft in Angriff genommen hatten und wie sie ihnen auch schon am Muztag Ata (7509 Meer) und am Gasherbrum II (8034 Meter) geglückt waren.

          Am Mittwochmorgen aber fand die „Double8“-Expedition ein tödliches Ende. Drei Bergsteiger aus dem Team wurden von einer Lawine verschüttet. Die Schneemassen lösten sich kurz vor sieben Uhr Ortszeit in der Gipfelflanke, erfassten die Bergsteiger hundert Meter unterhalb des Gipfels und rissen sie 600 Meter über steile Gletscher in die Tiefe. Sebastian Haag und der Italiener Andrea Zambaldi (32) gelten seither als vermisst. Martin Maier (40) konnte sich aus den Schneemassen befreien. Benedikt Böhm sagte nach seiner Rückkehr ins Basislager, gemeinsam mit dem Schweizer Speedbergsteiger Ueli Steck (38) habe er mehr als vier Stunden lang versucht, die Vermissten zu finden, jedoch ohne Erfolg.

          Starker Wind hatte die Lawinengefahr vergrößert

          Die Gipfelflanke der Shisha Pangma ist als lawinengefährlich bekannt. Die erfahrenen Bergsteiger wussten zudem, dass in jüngster Zeit viel Schnee gefallen war. Weil der Schnee mancherorts brusthoch lag, hatten sie am vorvergangenen Donnerstag einen ersten Gipfelversuch in 7700 Meter Höhe abgebrochen. Zudem hatte starker Wind die Lawinengefahr noch vergrößert.

          Benedikt Böhm und Sebastian Haag hatten bei ihren Expeditionen immer wieder mit besonderen Herausforderungen zu kämpfen. Im September 2012 gehörten sie zu den ersten, die bei einem Lawinenunglück am Manaslu (8163 Meter) den verschütteten Bergsteigern in 6400 Meter Höhe zu Hilfe kamen. Elf Bergsteiger kamen damals ums Leben. Böhm und Haag hatten ihre Zelte etwas entfernt vom üblichen Lagerplatz aufgebaut und wurden deshalb nicht von den Schneemassen erfasst. Wenige Tage später stellte Benedikt Böhm an dem Berg einen Geschwindigkeitsrekord auf. Für Aufstieg und Skiabfahrt brauchte er weniger als 24 Stunden.

          Wie schnell die Grenzen der Leistungsfähigkeit und des Möglichen in der Todeszone erreicht sind, mussten Böhm und Haag, die sich seit Schulzeiten kennen, 2009 erfahren. Am Broad Peak (8051 Meter) mutete sich Haag zu viel zu. „Vielleicht bleibe ich für immer auf dem Berg; jung, konserviert, für immer 29“, hatte Haag vor dem Aufbruch noch gesagt. Sein Bruder war wenige Jahre zuvor beim Bergsteigen in den Tod gestürzt, als eine Wächte brach. Sebastian Haags Kräfte am Manaslu, in fast 8000 Metern, waren aufgebraucht. Es stand Spitz auf Knopf. Mit Mühe und Not schafften es die Bergsteiger ins Basislager.

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