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Erdbeben in Nepal : Helfer befürchten Ausbruch von Seuchen

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Ein verletztes Kind liegt vor einem Krankenhaus in Katmandu auf dem Boden. Bild: AP

Nach dem verheerenden Erdbeben in Nepal befürchten Hilfsorganisationen, dass Seuchen ausbrechen könnten. Die Krankenhäuser sind überlastet. Die Retter sorgen sich vor allem um das Schicksal von Kindern aus ärmeren Familien.

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          Der Südasien-Büroleiter der deutschen Arbeiterwohlfahrt (AWO), Felix Neuhaus, hat vor dem Ausbruch von Seuchen in dem von schweren Erdbeben verwüsteten Nepal gewarnt. „Wir fürchten, auch durch den Regen jetzt, dass es zu wasserbasierten Krankheiten kommt“, sagte Neuhaus am Montag dem Deutschlandfunk. „Die Trinkwasserversorgung ist auch nicht geregelt, zumindest in vielen Teilen des Landes, sodass es dadurch jetzt auch zu Epidemien kommen könnte,“ berichtete Neuhaus aus Nepals Hauptstadt Kathmandu. Zudem reiche die verfügbare medizinische Hilfe nicht aus.

          Nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks Unicef bedeutet das besonders für Kinder eine große Gefahr. „Selbst diejenigen, die nicht selbst verletzt sind, stehen jetzt vor der Situation, dass zum Beispiel die Wasserversorgung nicht funktioniert“, sagte Unicef-Sprecher Rudi Tarneden am Montag in Berlin. „Hygiene ist ein großes Problem.“

          Medikamente für Kinder

          Insbesondere Kinder aus ärmeren Familien hätten Probleme, sich zu schützen und sich mit Lebensmitteln zu versorgen. „Es gibt die Gefahr, dass es zu einer schleichenden Katastrophe nach diesem dramatischen Ereignis kommt“, sagte Tarneden. Die Gefahr bestehe nun, „dass die Not sich weiter verschärft und noch mehr Kinder ins Elend fallen“. Die Unicef kümmert sich nach Tarnedens Angaben im Auftrag der nepalesischen Regierung darum, besonders Kinder mit Wasser, Nahrung, Schutzutensilien und Medikamenten zu versorgen.

          Verletzte Frau in einer Rettungsstation in Katmandu.
          Verletzte Frau in einer Rettungsstation in Katmandu. : Bild: Reuters

          Die Rettungsarbeiten und der Einsatz der Helfer laufen nach Neuhaus' Einschätzung insgesamt nicht optimal an: „Relativ unkoordiniert, würde ich sagen.“ Die Krankenhäuser in Kathmandu seien „komplett überlastet“. „Es gibt Gesundheitsfreiwillige, die durch die Straßen gehen mit kleinen Köfferchen. Ich habe gestern einen Rundgang gemacht und mit einigen dieser Freiwilligen gesprochen. Die haben Paracetamol, Schmerzmittel dabei und leichte Verbandsstoffe, aber nicht mal Antibiotika“, sagte er.

          Mobiltelefone sind ausgefallen

          Die AWO engagiert sich über ihre Teilorganisation AWO International in der Entwicklungszusammenarbeit. Sie kooperiert dabei in Nepal, Bangladesch und Indien mit lokalen Partnern. Derzeit bemühe seine Organisation sich, mit deren Hilfe einen Überblick zu gewinnen und die eigene Hilfe zu organisieren, sagte Neuhaus. Die Koordination werde allerdings durch den Ausfall der Kommunikationsnetze erschwert. „Die Mobiltelefone sind weitestgehend ausgefallen“, sagte Neuhaus weiter.

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