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Hilfsbereitschaft nach „Harvey“ : Die Helden der Flut

  • -Aktualisiert am

Eine Familie in einer Notunterkunft in Houston. Bild: AFP

In größter Not erlebt Texas größte Hilfsbereitschaft. Manch einer nimmt sich frei, um ins von Hurrikan „Harvey“ verwüstete Katastrophengebiet zu fahren und zu helfen. Was treibt diese Menschen an?

          2 Min.

          Als Steve Garza am vergangenen Sonntag in seiner Heimatstadt Seguin in Texas von den Überschwemmungen hörte, die im fast drei Autostunden entfernten Houston bevorstanden, wusste er, was zu tun war: Er nahm sich ein paar Tage frei, lieh sich ein flaches Boot, hängte es an seinen großen Truck und machte sich auf den Weg nach Osten. „Ich weiß, was solche Überschwemmungen bedeuten – ich habe 1998 und 2000 bei Überschwemmungen in New Braunfels hier in Texas erlebt, was passiert, wenn die Dämme nicht standhalten.“

          Steve Garza sagt, er habe keinen Frieden beim Herumsitzen finden können. Er versammelte seine Familie, erklärte seiner Frau und seinen zwei Teenagern, warum er ins Katastrophengebiet fahren und helfen wollte und legte einen Notfallplan fest – für den Fall, dass ihm etwas zustoßen sollte, würde die Familie wissen, wie sie finanziell abgesichert sein würde. Dann fuhr er los. „Meine Vierzehnjährige wäre am liebsten mitgekommen um auch zu helfen“, sagt er, „aber die Schule hat gerade angefangen.“

          In den vergangenen drei Tagen arbeitete Garza, 38, fast rund um die Uhr als Retter. Über eine App namens Zello, die zwischen den Nutzern eine Art Funkverkehr herstellt, koordinierte er sich mit anderen Helfern über Notrufe und Adressen. Mit seinem Truck und dem Boot im Schlepptau fuhr er dorthin, wo die Krise gerade am schärfsten war, wo das Wasser besonders schnell stieg und Helfer dringend gebraucht wurden.

          „Ich weiß was Wasser anrichten kann“

          Wildfremde Menschen diktierten ihm Richtungsanweisungen und genaue Angaben zu den Hilfsbedürftigen ins Handy, und einen nach dem anderen holte Garza aus den Fluten. Sein bewegendster Moment sei gewesen, als er eine junge Mutter und ihr zwei Monate altes Baby retten konnte – nachdem er es fast nicht zu ihr geschafft hätte, weil das Wasser zu flach wurde. Kurzerhand verlud er sein Boot auf einen nahen Truck und überbrückte das Hindernis. „Ich weiß was Wasser anrichten kann, und dass jede Sekunde zählt“, sagt er. „Sie war so glücklich und dankbar, dass wir sie mit ihrem Baby rausgeholt haben.“

          Angst hatte er in den überfluteten Nachbarschaften, in denen starke Strömungen immer wieder die Retter gefährdeten, nicht. „Ich fahre mit meinem eigenen Boot vierzig Meilen vor die Küste, ich kennen Strömungen und Wellen“, sagt er. „Man muss sich einfach auf sein Gefühl verlassen.“

          Garza, ein muskulöser Kerl mit enormen Schultern und einem freundlichen Gesicht, ist hundemüde, aber es macht ihn zuversichtlich, dass die Menschen in der Not so zusammen gekommen sind. „Wenn diese Dinge passieren, sehen die Leute etwas größeres als sie selbst. Hier sind die unterschiedlichsten Leute am Start, um den Eingeschlossenen zu helfen. Und alle haben nur einen Gedanken – die, die in Gefahr sind, in Sicherheit zu bringen.“ Die Flutkatastrophe in Houston hat die enorme Hilfsbereitschaft der Menschen und den Willen, sich für andere in Gefahr zu begeben, besonders deutlich gemacht. „So sind wir einfach als Texaner. Es juckt uns schlicht in den Fingern, einem anderen, der in Not ist, zu helfen.“

          Texas : Harvey hinterlässt eine Spur der Verwüstung

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