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Fernverkehr betroffen : Heftige Unwetter ziehen abermals über den Südwesten

  • Aktualisiert am

Dachschaden: Über Nacht beschädigte ein Gewitter Teile des Stuttgarter Operndachs schwer und setzte den Innenraum unter Wasser – am Dienstagnachmittag folgte dann die zweite Wasserladung. Bild: dpa

Wieder erschüttern heftige Gewitter den Südwesten. Riesige Wassermassen prasseln in kürzester Zeit vom Himmel. Sturmböen knicken zahlreiche Bäume und decken Dächer ab. Wetterdienste geben aber noch keine Entwarnung.

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          Ein heftiges Unwetter mit Starkregen und Sturmböen ist in der Nacht zum Dienstag über den Südwesten hinweggezogen und hat für zahlreiche Schäden gesorgt. Umgestürzte Bäume, überflutete Straßen und vollgelaufene Keller beschäftigten Helfer bei Dutzenden Einsätzen im ganzen Land auch den Dienstag über noch. Landesweit waren nach Angaben des Innenministeriums rund 4000 Einsatzkräfte aufgrund des Unwetters aktiv, bei der Polizei im Land gingen rund 1100 Notrufe ein. Besonders betroffen von dem Unwetter waren demnach der Großraum Stuttgart und die Kreise Reutlingen und Calw. Neue Regenschauer am Dienstagnachmittag fielen nicht so heftig aus.

          Infolge starker Windböen kippte am Dienstag in Meersburg (Bodenseekreis) ein etwa 25 Meter hoher Baukran um. Der Kran schlug auf dem Dach eines dreigeschossigen Wohnhauses auf und beschädigte dadurch eine der Dachgeschosswohnungen erheblich. Während der Turm des Krans auf dem Wohnhaus zum Liegen kam, schlug der Kranausleger in den Gärten der dahinterliegenden Grundstücke ein. Hierbei beschädigte er mindestens drei weitere Wohngebäude. Niemand wurde verletzt, da die Bewohner der Dachgeschosswohnung zum Zeitpunkt des Unglücks nicht zu Hause waren. Eine Bergung des Baukrans dürfte nach Auskunft der Polizei aufwendig werden und wird längere Zeit in Anspruch nehmen.

          In der Landeshauptstadt rückte die Feuerwehr zu mehr als 330 Einsätzen aus. Heftige Böen deckten in der Nacht Teile des Stuttgarter Opernhauses ab. Mehrere Zehntausend Liter Wasser seien in das Gebäude eingedrungen, sagte der Geschäftsführende Intendant der Staatstheater Stuttgart, Marc-Oliver Hendriks, am Dienstag. Sowohl der Dachstuhl als auch Decken und Wände im Inneren wurden beschädigt.

          Staatsoper muss erstmal trockengelegt werden

          Der Betrieb an der unwettergeplagten Staatsoper in Stuttgart kann frühestens an diesem Samstag wieder aufgenommen werden. „Heute hat es einen weiteren heftigen Regenschauer gegeben, dabei ist erneut Wasser in das Haus eingedrungen, weil das Dach nur provisorisch abgedeckt ist“, sagte Hendriks. Am Dienstagnachmittag seien Tausende Liter Wasser in das Haus eingedrungen. „Oberste Priorität ist es, das Dach so abzudichten, das kein weiteres Wasser eindringt“, sagte Hendriks. Das Haus hat seit rund zwei Wochen wieder geöffnet.

          Auch der Bahnverkehr in und um die Landeshauptstadt kam am Dienstag zeitweise zum Erliegen. Auf mehreren Strecken blieb der Regionalverkehr nach Stuttgart stehen. Fernzüge hielten zeitweise nicht am Hauptbahnhof. Auch die Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) und die S-Bahn Stuttgart waren vom Unwetter beeinträchtigt. Im Bereich der SSB war mindestens eine Station überflutet und sorgte für Verzögerungen im Betriebsablauf.

          Ein Mann wurde während des Unwetters in einem Wald bei Stuttgart schwer verletzt. Der 54 Jahre alte E-Bike-Fahrer war laut Polizei am Montagabend auf einem Waldweg unterwegs, der durch das Gewitter stark unterspült und durch herabfallende Äste versperrt war. Dabei stürzte der Mann und verletzte sich schwer. Ein anderer E-Biker fand ihn und holte Hilfe. Rettungskräfte brachten ihn ins Krankenhaus.

          Autos verschwinden in den Wassermassen

          Die Polizei in Reutlingen berichtete am Dienstag von mehr als 540 Notrufen bis zum Morgen, zahlreiche Straßen wurden überflutet, und Keller liefen voll. Im Stadtteil Betzingen lief das Klärwerk über. Das Dach einer Firma in Metzingen brach unter den Wassermassen zusammen. Verletzt wurde dabei niemand.

          Auch im Kreis Calw waren Einsatzkräfte am Montagabend gefordert. Sie rückten etwa in der Gemeinde Altensteig wegen überfluteter Straßen, überlaufender Gullys und Erdrutschen aus. Am Fluss Nagold wurde nach Angaben eines Polizeisprechers eine Mauer über einige Meter weggerissen. Der Starkregen flutete auch die Gemeinde Bösingen im Kreis Rottweil. Aufnahmen im Netz zeigen, wie Autos in den Eis- und Wassermassen versinken.

          Ein Wohnhaus in Wüstenrot (Landkreis Heilbronn) ist zudem von einem Blitz getroffen worden. Zunächst war laut Polizei unklar, ob das Gebäude abgerissen werden muss. Der gesamte Dachstuhl habe am Montag gebrannt, die Feuerwehr habe das Feuer erst nach einigen Stunden unter Kontrolle bringen können. Die Bewohner des Hauses blieben unverletzt.

          Fernverkehr im Südwesten lahmgelegt

          Die Unwetter legten auch den Fernverkehr der Deutschen Bahn in Teilen von Bayern und Baden-Württemberg am Dienstagabend lahm. Die Unterbrechungen sollten nach Bahnangaben voraussichtlich bis in die Abendstunden anhalten. Betroffen waren demnach Verbindungen zwischen Stuttgart und München, Stuttgart und Nürnberg, zwischen Erfurt, Nürnberg und München, zwischen Fulda und München sowie zwischen Frankfurt (Main) und Passau. Die Nachtzüge der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) von und nach Amsterdam, Brüssel, Innsbruck und Wien fallen aus, wie die Bahn weiter mitteilte.

          Noch verkehrende Fernzüge seien teilweise sehr voll. Dafür werde um Verständnis gebeten, hieß es bei der Bahn. Reisende wurden gebeten, sich vor Reiseantritt über ihre Verbindung zu informieren. Schon im Laufe des Tages hatten Fernzüge zeitweise wegen der Unwetterschäden nicht am Hauptbahnhof in Stuttgart gehalten. Auf mehreren Strecken blieb der Regionalverkehr nach Stuttgart stehen.

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