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Havarierte „Costa Concordia“ : Schöne Grüße vom Wrack

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Wie so oft im Leben sind auch hier im toskanischen Giglio Fluch und Segen nicht streng voneinander zu scheiden. Der Havarist ist auch eine Touristenattraktion. Viele wollen ganz nahe an das Wrack. Das aber wird sorgfältig bewacht, denn der abendliche Frieden täuscht. Bild: Setzer, Claus

Immer noch eine Attraktion: Die „Costa Concordia“, die vor einem halben Jahr kenterte, bringt viele Gäste nach Giglio. Im nächsten Jahr soll aber nichts mehr an das Unglück erinnern.

          Die „Costa Concordia“ ist immer noch eine Attraktion. Seit einem halben Jahr, seit dem 13. Januar, liegt der gekenterte Kreuzfahrtdampfer schon neben dem Hafen der toskanischen Insel Giglio. Sein gleißendes Weiß wirkt mittlerweile wie abgekratzt, das Rot am Bug ist im Sonnenlicht fahl geworden. Die Wasserrutschen und das Schwimmbad wurden abgebaut und verschenkt. Jetzt soll der gelbe Schornstein abgetragen werden.

          Aber für die Touristen, die auf dem Festland Ferien machen, bleibt Giglio Ziel für einen Tagesausflug. Unvergessen sind die Nachrichten von den 4200 Passagieren und Besatzungsmitgliedern, die an Bord waren, als ihr Kapitän Francesco Schettino den Riesen zu nah an die Küste steuerte, das Schiff an einem Felsen leckschlug und kenterte. 32 Menschen kamen um, zwei werden noch immer vermisst.

          Touristen willkommen: Der Blick aus einem Restaurant im Hafen von Giglio geht hinaus auf die „Costa Concordia“

          Die Menschen leben vom Tourismus

          Von der Fähre, die Porto San Stefano mit Giglio verbindet, beäugen die Touristen das Wrack. Näher noch kommt der „Concordia“ der Badende, der den kleinen Strand vor dem „Hotel La Pergola“ besucht. Aber dann ist Schluss. Abriegelungen verhindern jede weitere Annäherung. Bewacht wird selbst das Grundstück der Grafen von Canossa, die im Januar dafür sorgten, dass die Schiffbrüchigen an Land kamen. Ihr Felsufer liegt nur wenige Schwimmzüge von dem gefallenen Riesen entfernt. Wo die Familie in den Sommern bislang badete, stapeln Techniker Gerätschaften, mit denen nun zum ersten Mal in der Geschichte der Seefahrt ein Ozeanriese in seiner Seitenlage stabilisiert, dann aufgerichtet und in einen Hafen auf dem Festland gezogen werden soll. Für die Arbeit des amerikanisch-italienischen Konsortiums „Titan Salvage - Micoperi“ sollen die Reederei und ihre Versicherung mindestens 300 Millionen Dollar zahlen.

          Das Bergungsunternehmen hat bis Februar 2013 das Hotel Demos neben dem kleinen „Pergola“ für sich belegt. Im Restaurant sitzt der Stab. Hier beobachten Spezialisten aus vielen Ländern, vor allem Amerikaner, durch die Fenster oder auf den Monitoren jede Bewegung - des Schiffs, des Wassers, des Wetters.

          Giglio liegt im Naturschutzgebiet der Toskana. Die Menschen leben vom Tourismus. Staat, Region und Provinz wollen genau über den Fortgang der Arbeiten informiert werden. Franco Porcellacchia, der Sprecher der Costa-Werft, sagt: „Wenn die Concordia weg ist, muss hier alles so aussehen wie vor dem 13. Januar.“

          Jede jähe Bewegung muss vermieden werden

          Tauchlehrer Enzo hält das für unwahrscheinlich. Er würde gern neben dem Wrack tauchen. Aber das ist streng verboten, auch weil es zu dicht an der Hafeneinfahrt liegt. „Ich würde meine Familie in diesem Sommer nicht hier Ferien machen lassen“, meint Enzo. „Es floss kein Öl aus dem Wrack, aber allein die Putzmittel aus den Bädern und Küchen können sich doch im Wasser nicht so einfach aufgelöst haben.“ Am 15. August werde die Tauchergemeinde zur Maria, der Stella Maris, auf dem Meeresgrund tauchen, um dafür zu beten, dass alles sauber bleibt. Die Stella Maris steht etwa dort auf dem Meeresgrund, wo die „Concordia“ den Felsen mitriss.

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