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Havarierte „Costa Concordia“ : Schöne Grüße vom Wrack

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Der Felsbrocken wird nun als Erstes aus dem Rumpf geholt. Das mehr als 15 Meter lange Loch, dass er riss, soll noch etwas vergrößert werden, um dann den Felsen in drei Teilen herauszuschneiden. Drei Denkmäler sollen daraus werden. Dann wird das Loch im Schiffsrumpf wieder geschlossen. Derweil werden die ersten vier Pfähle in die Uferfelsen gedübelt. Von ihnen aus will man mit Stahlseilen das Schiff stabilisieren. Die Seile werden unter dem 290 Meter langen Rumpf hindurchgeführt und seewärts an einer Eisenplatte befestigt. Danach sollen acht weitere Pfähle eingeschlagen werden, deren Seile das Schiff langsam von beiden Seiten mit hydraulischen Kräften so aufrichten, dass es auf einer massiven Plattform zur Ruhe kommt, die wiederum auf 60 Pfählen ruht. Dabei werden seewärts gewaltige Kästen am Rumpf des Havaristen helfen, die nach Bedarf mit Wasser gefüllt werden können.

Jede jähe Bewegung beim Ziehen und Nachgeben muss vermieden werden, damit das etwa 50.000 Tonnen wiegende Wrack keinen weiteren Schaden leidet. Wenn das Schiff auf der Plattform steht, sollen auch landwärts unterhalb der Wasserlinie Stahlkästen am Rumpf befestigt werden, damit das Schiff auf beiden Seiten gleichermaßen belastet ist. Das wird im Herbst und Winter geschehen. „Aufgerichtet wird das Wrack auf einer Plattform in 30 Metern Tiefe liegen, mit luftgefüllten Tanks zu beiden Seiten“, sagt Porcellacchia. „Da wir nicht genau wissen, wie die Ladung im Schiff verteilt ist, schätzen wir, dass es 18,5 Meter tief im Wasser schwimmen wird, wenn es in einen Hafen gezogen wird.“

Über das Los der „Concordia“ wird weiter diskutiert

Während der gesamten Operation werden die 200 Techniker nicht in den Innenraum des Schiffes kommen. „Alles geschieht von außen“, sagt einer von ihnen, der aber nicht zitiert werden darf. Sie müssten jetzt sogar das Klettern lernen wie in den Alpen, fügt er an, damit sie sich mit Seilen am Schiffsrumpf bewegen könnten, ohne Haken in ihn zu schlagen. „Und zum Schluss saugen wir den Seeboden ab, damit nichts an das Wrack erinnert. Dann ist dort nichts mehr, was nicht schon vor dem 13. Januar dort war.“

Bis Februar, vielleicht bis kurz vor Beginn der nächsten Saison auf Giglio wird der bleiche Schwan noch vor dem Hafen liegen. Bis dahin kann sich viel ereignen. Der Prozess gegen Schettino, der seit ein paar Tagen nicht mehr unter Hausarrest steht, beginnt. Dem Kapitän wird fahrlässige Tötung vorgeworfen. Außerdem habe er die „Costa Concordia“ verlassen, als sich noch viele Menschen an Bord befanden.

In Giglio wird über das Los der „Concordia“ weiter diskutiert. Neue Ermittlungen hätten ergeben, dass die Stromversorgung an Bord schon vor dem Aufprall auf den Felsen nicht ordentlich funktioniert habe, so dass die Schleusen nicht mehr automatisch schlossen, als der Felsen das Loch in den Bug gerissen hatte. Auch die „Black Box“ soll nicht intakt gewesen sein, erzählt Signor Demos, der das kleine Pergola-Hotel betreibt. Im Januar hatten die Insulaner von Giglio noch Angst vor einer Ölpest. Sie fürchteten um ihre Touristen. „Das ist noch einmal gut gegangen“, sagt Demos. „Meine Zimmer sind vermietet.“ Die Attraktion des gestrandeten Schwans vor dem Hafen täuscht aber über eine Strukturkrise hinweg. „Früher hatten wir Gäste mit hohen Ansprüchen, die einen Monat lang blieben“, sagt Demos. „Heute bleiben sie für eine Woche und bringen kaum mehr Geld mit. Für die Lokale und Geschäfte sind die Tagestouristen ein Segen.“ Der Insel gehe es in diesem Jahr wegen der „Concordia“ besser als im vergangenen Jahr. Aber um als Ferieninsel attraktiv zu bleiben, so meint er, müsse man sich langsam etwas Neues einfallen lassen.

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