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Havarie mit 32 Toten : Anwalt verklagt Architekten der Costa Concordia

Die Bergung des Wracks wird wohl bis Februar 2013 dauern und mindestens 300 Millionen Euro kosten. Bild: AFP

Ein amerikanischer Anwalt hat den Reedereikonzern und die Architekten der Costa Concordia verklagt. Er wirft dem Unternehmen vor, eine mögliche Instabilität des Schiffes bewusst in Kauf genommen zu haben, um möglichst viel Platz für profitbringende Casinos und Restaurants zu haben.

          Fast ein halbes Jahr nach der Havarie des Kreuzfahrtschiffs Costa Concordia hat ein amerikanischer Anwalt den Reedereikonzern Carnival Corporation und die Architekten der Costa Concordia verklagt. Carnival Corporation ist der Mutterkonzern der Kreuzfahrtreederei Costa Crociere, zu der auch die Costa Concordia gehört. Der Anwalt John A. Eaves aus Jackson (Mississippi) bestätigte der F.A.Z., dass er am Montag zusammen mit anderen Anwälten im Namen zweier amerikanischer Staatsbürger, die das Unglück überlebt hatten, Klage in Los Angeles eingereicht hat.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          In der Klage geht es vor allem um den Vorwurf, dass das Unternehmen bewusst die mögliche Gefahr der Instabilität des Schiffes in Kauf genommen hätte, um dafür an Bord eine große Anzahl an Casinos, Restaurants und Wellness-Bereichen anbieten zu können. Die daraus resultierende Größe des Schiffes mit 13 Stockwerken hätte einzig dem Profitstreben gedient.

          Das Risiko der Instabilität des Schiffes sei aufgrund der Architektur groß gewesen, sobald große Risse im Rumpf auftreten würden. Dazu sei es nach der Kollision mit den Felsen vor der kleinen Insel Giglio gekommen. Diese Risiken hätten Fachleute bestätigt. Es seien zu viele Stockwerke über der Wasserlinie gewesen im Verhältnis zu dem flacheren Rumpf unter der Wasserlinie. „So konnte das Schiff schneller auf die Seite kippen.“ Der Zugang zu den Rettungsbooten sei auf diese Weise erschwert worden oder zum Teil nicht mehr möglich gewesen.

          Carnival als Marktführer habe in den vergangenen Jahren dazu beigetragen, immer größere Schiffe für immer mehr Passagiere zu bauen. „Die Sicherheit blieb dabei auf der Strecke“, sagte Eaves. „Diese großen schwimmenden Vergnügungshotels können in Notsituationen sehr schnell zu einem Labyrinth werden, aus dem es kein Entkommen gibt.“ Sogar die „Titanic“ sei sicherer gewesen, da sie sich nicht so schnell schräg gelegt hätte wie die Costa Concordia. Nach Eaves Angaben hatten schon im Jahr 2005, als die Costa Concordia gebaut wurde, Fachleute vor den Risiken dieser überbordenden Schiffsarchitektur gewarnt.

          Eaves vertritt nach eigenen Angaben mehr als 100 Opfer aus verschiedenen Ländern, die bei dem Schiffsunglück entweder selbst zu Schaden kamen oder Angehörige verloren haben. Er sieht sich als Teil einer „global alliance“ von Rechtsanwälten in verschiedenen Ländern, die im Sinne der Interessensvertretung der Opfer zusammenarbeiten wollen - zum Beispiel beim Austausch von Informationen. Bei der Havarie am 13. Januar vor der italienischen Insel Giglio waren 32 Personen ums Leben gekommen, unter ihnen 12 Deutsche.

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