https://www.faz.net/-gum-1125s

Havarie im Pazifik : Schwerer Unfall auf russischem Atom-U-Boot

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Bei einem Unglück an Bord eines atombetriebenen U-Boots der russischen Pazifik-Flotte sind nach Militärangaben mehr als 20 Menschen ums Leben gekommen. Radioaktivität sei nicht entwichen, sagte ein Marinesprecher. Präsident Medwedjew verlangt „schnelle Aufklärung“.

          2 Min.

          Bei einer schweren Havarie auf einem russischen Atom-U-Boot sind im Japanischen Meer mindestens 20 Marineangehörige und Zivilisten ums Leben gekommen. Sie starben auf einer Testfahrt an einer Gasvergiftung, als an Bord des Jagd-U-Bootes „Nerpa“ (Robbe) das Feuerlöschsystem ansprang und das tödliche Kältemittel Freon ausströmte. Das teilte Staatsanwalt Wladimir Markin nach Angaben der Agentur Interfax mit. Nach Marineangaben trat keine Radioaktivität aus. Bei dem Unfall sind außerdem 21 Menschen schwer verletzt worden. Es ist das schwerste Unglück seit den Torpedo-Explosionen an Bord des Atom-U-Boots „Kursk“, bei dem im August 2000 alle 118 Insassen starben.

          Unter den Todesopfern auf der „Nerpa“, die zur atomar betriebenen Jagd-U-Boot-Klasse „Hecht“ (NATO-Bezeichnung „Akula II“) gehört, sind 3 Marineoffiziere und 17 Zivilisten, darunter auch Konstrukteure und Techniker. „Das Boot ist technisch ohne Schaden. Der Reaktor funktioniert normal“, sagte der Sprecher der russischen Kriegsflotte, Igor Dygalo, auf einer vom Nachrichtensender „Westi“ übertragenen Pressekonferenz. Es sei keine erhöhte Radioaktivität festgestellt worden. Das Unglück ereignete sich demnach im Bug des Bootes, nicht im Heckteil, wo die atomaren Triebwerke sind.

          Für zehn Jahre Leasing-Vertrag

          Das Atom-U-Boot sollte von 2009 an für zehn Jahre mit einem Leasing-Vertrag der indischen Marine zur Verfügung gestellt werden. Präsident Dmitri Medwedew wies die Ermittler zur lückenlosen Aufklärung des Vorfalls an. Er sicherte den Familien der Opfer staatliche Unterstützung zu. Das Unterwasserboot machte am Sonntagmorgen im Gebiet Primorje am Stützpunkt Bolschoi Kamen rund 130 Kilometer von der Basis der russischen Pazifikflotte in Wladiwostok fest. Die Region liegt im äußersten Südosten des Landes.

          Versprach den Hinterbliebenen Unterstützung: Russlands Präsident Dimitrij Medwedjew

          An Bord waren insgesamt 208 Menschen gewesen, unter ihnen 81 Marineangehörige, wie Dylago ausführte. Nach Darstellung von Staatsanwalt Markin gehen die Ermittler bislang davon aus, dass die Chemikalie Freon zum Tod der Menschen führte. Bei Freon handelt es sich um einen Kunstnamen für Difluordichlormethan, eine Kohlenwasserstoff-Verbindung, die unter anderem auch als Kältemittel in Kühlschränken verwendet wird. Die Verletzten wurden mit dem U-Boot „Admiral Tribuz“ in Krankenhäuser an der Küste gebracht.

          Mehr als 220 tragbare Atemgeräte

          Unklar ist zunächst, was das Feuerlöschsystem ausgelöst hat. In der Anlage wird nach Angaben der staatlichen Agentur RIA Nowosti ein Schaum aus verschiedenen Chemikalien eingesetzt. Das System schaltet sich im Fall von Feuer oder Rauch automatisch ein, hieß es. Die Ermittler sollen aufklären, warum die Insassen der „Nerpa“ die Atemschutzgeräte nicht getragen haben. An Bord waren laut technischen Unterlagen mehr als 220 tragbare Atemgeräte.

          Experten wiesen darauf hin, dass das Atom-U-Boot noch in der Herstellung war und die Verantwortung daher beim Schiffbauwerk Amur in der Stadt Komsomolsk-am-Amur liege. Nach Darstellung von Marinesprecher Dygalo sollte das Boot Ende dieses Jahres in Dienst genommen werden. Russische Medien berichteten, dass sich die Fertigstellung mehrfach verzögert hatte. Russland und Indien hatten demnach im Juni einen Leasingvertrag über zwei Atom-U-Boote dieses Typs für einen Zeitraum von zehn Jahren abgeschlossen. Der Auftrag hatte einen Umfang von 650 Millionen US-Dollar.

          Topmeldungen

          Elizabeth Warren am Montag in Grimes

          Präsidentschaftswahlkampf : Impeachment oder Iowa?

          Viele demokratische Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur würden gerne Wahlkampf machen, zum Beispiel in Iowa. Doch beim Impeachment-Verfahren gegen Trump müssen die Senatoren in Washington sein. Wer profitiert davon?
          In Hangzhou laufen Passanten mit Gesichtsmasken über die Straße.

          Lungenkrankheit : Coronavirus attackiert Chinas Wirtschaft

          2003 steckte die chinesische Industrie die SARS-Pandemie locker weg. Doch wird das auch beim um sich greifenden Coronavirus so sein? Schon jetzt spüren Reiseanbieter die Folgen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.