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Havarie der „Sewol“ : Im Wrack gefangen

  • Aktualisiert am

Bild: REUTERS

Es müssen chaotische Szenen gewesen sein, als die Fähre „Sewol“ vor der Küste Südkoreas sank. Fast 500 Menschen waren an Bord, darunter viele Schüler. Vermutlich wurde das Wrack vielen zur tödlichen Falle.

          Der Schiffsausflug von mehr als 300 südkoreanischen Schülern zu einem Insel-Ferienparadies endet in einer Katastrophe. Am Mittwochmorgen hören sie während der Fahrt einen lauten Schlag. Dann stoppt die Fähre „Sewol“, die insgesamt fast 460 Passagiere auf die Insel Cheju vor der Südküste bringen sollte. Was sich dann genau auf dem Schiff abspielte, ist nicht ganz klar. Fest steht, dass die „Sewol“ vor der Südwestküste Schlagseite bekam, sich immer mehr mit Wasser füllte und schließlich sank.

          Das Ausmaß des Desasters war auch am Abend noch unklar: Die Behörden teilten mit, das Schicksal von fast 290 Menschen sei nicht bekannt. Die Küstenwache befürchtete, dass es vielen Reisenden nicht mehr möglich war, sich aus dem sinkenden Schiff zu befreien. Fachleute hielten es für möglich, dass der Rettungsweg blockiert war. Viele der Reisenden waren noch jung, sie waren Schüler einer Oberschule aus einer Seouler Vorstadt.

          Die See war noch ruhig, als das Schiff am Vorabend von Inchon in Richtung Süden aufbrach. „Ganz plötzlich spürte ich, wie es mit Gewalt auf die Seite kippte“, sagte ein Mann mittleren Alters in einem Krankenhaus dem Sender Arirang. „Die Menschen waren in ihren Kabinen gefangen, weil sie die Türen nicht öffnen konnten.“ Ein geretteter Schüler sagte: „Ich habe 30 bis 40 Minuten auf der Fähre geschrien. Dinge fielen herunter, und die Menschen rutschten nach unten.“ Der Schüler Lim Hyung Min sagte im Kabelsender YTN, dass er zu einem der Rettungsboote geschwommen sei. Das Wasser sei sehr kalt gewesen. „Ich beeilte mich, ich wollte leben.“

          Das Fernsehen zeigte Bilder, wie die mehr als 6800 Tonnen schwere Fähre „Sewol“ zunächst in starke Seitenlage geriet. Nachdem sie am Morgen einen Notruf abgegeben hatte, sank sie binnen Kurzem komplett. Die Unglücksursache war zunächst unbekannt. Doch vermuteten Fachleute, dass das Schiff auf einen Felsen gelaufen sein könnte. Er habe ein „starkes pochendes Geräusch“ gehört, bevor das Schiff gestoppt habe, sagte ein Passagier dem Sender YTN am Telefon. Offensichtlich war die Fähre bei Nebel unterwegs. 

          „Zum Glück konnte ich springen, wie viele andere", sagte der Schüler Hyeong Min nach der Rettungsaktion in einem Telefoninterview. Ein anderer Jugendlicher berichtete unter Tränen von Mitschülern, die sich vor dem Untergang noch in ihren Kabinen befunden hätten. 

          Kurz nach dem Eingang des Notrufs war die Rettungsaktionen mit Hubschraubern und Schiffen der Küstenwache und Marine angelaufen. Einige der mit Schwimmwesten bekleideten Insassen wurden aus dem Wasser gezogen. Einige klammerten sich an der Reling des Schiffes fest, um gerettet zu werden.

          Die havarierte Fähre „Sewol“ vor der Südwestküste Südkoreas Bilderstrecke

          Fassungslos machte Familien, wie die Behörden informierten. Zunächst war von etwas mehr als 100 Vermissten die Rede. Doch der Krisenstab der Regierung korrigierte dann die Zahl um fast das Dreifache nach oben. Es habe Doppelzählungen bei den geretteten Personen gegeben, hieß es.

          Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete, gehört die "Sewol" der privaten Reederei Chonghaejin Marine. Es handle sich bereits um die zweite Havarie einer Fähre dieses Unternehmens innerhalb eines Monats. Das Schiff „Democracy No. 5“ sei erst kürzlich in der Nähe von Inchon mit einem Fischerboot zusammengestoßen. Hierbei habe es keinen Verletzten gegeben.

          Solche und ähnliche Unglücke sind an den Küsten und Flüssen Asiens keine Seltenheit. Dabei waren stets zahlreiche Opfer zu beklagen, wie zuletzt im August 2013. Damals stieß ein Schiff mit 870 Passagieren in der philippinischen Provinz Cebu mit einem Frachter zusammen und sank. Dabei kamen 55 Menschen ums Leben.

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