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Haiti : Regierungschef rechnet mit mehr als 100.000 Erdbebentoten

  • Aktualisiert am

Das ganze Ausmaß der Zerstörung Bild: AP

Nach dem schweren Erdbeben steigt die Zahl der Opfer in Haiti immer weiter. Die haitianische Regierung rechnet mittlerweile mit mehr als 100.000 Toten. Die Bundesregierung stellt eine deutsche Soforthilfe bereit.

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          Nach dem vermutlich schwersten Erdbeben auf Haiti seit 200 Jahren rechnet der haitianische Regierungschef Jean-Max Bellerive mit mehr als 100.000 Toten. Allein in der Hauptstadt Port-au-Prince wurden Hunderte Opfer befürchtet. Offizielle Zahlen über das Ausmaß gibt es allerdings noch nicht. Das Rote Kreuz geht sogar von drei Millionen Betroffenen aus, die Hilfe brauchen werden - das wäre rund ein Drittel der Bevölkerung Haitis. Dem Beben der Stärke 7,0 folgten in der Nacht zum Mittwoch mehr als zehn Nachbeben.

          Auf Bildern (siehe Bildergalerie unten) sind eingestürzte Häuser und aufgerissene Straßen zu sehen. Das Telefonnetz brach zusammen. In Port-au-Prince wurden unter anderem UN-Gebäude und der Präsidentenpalast beschädigt. Der Botschafter Haitis in den Vereinigten Staaten, Raymond Joseph, sagte: „Ich befürchte, es ist wirklich eine Katastrophe großen Ausmaßes.“ Die Regierung in Washington und weitere Staaten, darunter auch Deutschland, sagten der haitianischen Regierung Unterstützung zu. Die ersten Hilfslieferungen sollen schon im Laufe des Mittwochs in Haiti eintreffen.

          Nach Angaben des seismologisch-geologischen Institutes der Vereinigten Staaten lag das Epizentrum etwa 16 Kilometer westlich der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince. Das Beben habe sich am Dienstag um 16.53 Uhr Ortszeit (22.53 Uhr MEZ) ereignet. Innerhalb weniger Minuten folgten mehrere schwere Nachbeben, die die Menschen in Angst und Schrecken versetzten. Das Beben war das schwerste, das die amerikanische Erdbebenwarte (USGS) in Golden, Colorado, jemals auf der Insel Hispaniola registriert hat. Für mehrere Karibikstaaten galt zunächst eine Tsunami-Vorwarnstufe, die aber im Verlauf der Nacht wieder zurückgenommen wurde.

          Erste Hilfe für ein junges Opfer

          „Tausende Menschen wissen nicht wohin

          Blutüberströmte Menschen rannten in Panik auf die Straßen. Unter den Trümmern waren Tote zu sehen. Über Port-au-Prince hingen dichte Staubwolken. „Menschen haben geschrien. Es herrscht das totale Chaos“, berichtete ein Zeuge. Anwohner versuchten panisch, mit bloßen Händen Verschüttete aus den Trümmern zu befreien. Eingeschlossene riefen verzweifelt um Hilfe. Ein Mitarbeiter der amerikanischen Hilfsorganisation „Food for the Poor“ sagte, Hunderte, vielleicht sogar Tausende Menschen seien unter den Trümmern begraben. „Die ganze Stadt liegt im Dunklen“, sagte Rachmani Domersant, „Tausende Menschen sitzen auf der Straße und wissen nicht wohin.“

          Der Koordinator der Deutschen Welthungerhilfe in Haiti schließt nicht aus, dass es nach dem Erdbeben Tausende Tote geben wird. „Ich gehe davon aus, dass die Zahl erschreckend hoch sein wird“, sagte Michael Kühn. Er habe in Port-au-Prince Tote und viele Verletzte gesehen. Die Vereinten Nationen teilten mit, sie hätten keine Kenntnis über das Schicksal der meisten ihrer Mitarbeiter, nachdem ein fünfstöckiges Gebäude auf dem Gelände ihres Hauptquartiers eingestürzt sei. In dem Haus seien normalerweise bis zu 250 Menschen tätig. Am Abend teilte der haitianische Präsident Préval mit, dass der Chef der UN-Friedensmission Minustah, der Tunesier Hedi Annabi, beim Einsturz des UN-Gebäudes gestorben sei. Annabi war nach dem Beben der Stärke 7,0 am Dienstagnachmittag Ortszeit vermisst worden. UN-Untergeneralsekretär Alain Le Roy wollte am Mittwoch lediglich bestätigen, dass sich der Tunesier im Hauptquartier befunden habe, das während des Erdbebens einstürzte.

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