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Grubenunglück in der Türkei : Zahl der Toten steigt weiter

  • Aktualisiert am

Wut und Trauer in Soma Bild: REUTERS

Die Zahl der Toten in Soma ist auf mindestens 238 gestiegen - und noch immer werden hunderte Kumpel vermisst. Deren Rettung wird von Stunde zu Stunde schwieriger.

          Die Zahl der Toten durch das Grubenunglück in der Türkei ist auf mindestens 238 gestiegen. Das sagte Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan am Mittwoch, als er den Ort der Katastrophe besuchte. Hunderte Kumpel werden weiterhin vermisst. Die Regierung in Ankara rief wegen des Unglücks im Kohlekraftwerk Soma in der Provinz Manisa eine dreitägige Staatstrauer aus. Im ganzen Land und an den Vertretungen im Ausland wurden am Mittwoch die Flaggen auf halbmast gesetzt.

          Energieminister Taner Yildiz machte auf Nachfrage von Reportern keine Angaben zu der genauen Zahl der Kumpel, die noch unter Tage eingeschlossen sind. Yildiz hatte zuvor nach Angaben einer Nachrichtenagentur gesagt, insgesamt seien zum Zeitpunkt des Unglücks am Dienstagnachmittag 787 Arbeiter in der Zeche gewesen. Der Verbleib von 363 Arbeitern sei geklärt. Darunter seien auch die Toten sowie 80 Verletzte. Medienberichten zufolge hatte ein Defekt in der Elektrik zunächst eine Explosion und dann einen Brand verursacht, der nach Angaben von Yildiz in 150 Metern Tiefe ausbrach.

          Erdogan sagt Auslandsreisen ab

          Ministerpräsident Erdogan und Staatspräsident Gül sagten wegen des Unglücks Auslandsreisen ab. Türkische Medien berichteten, die Regierungspartei AKP habe im vergangenen Monat Forderungen der Opposition im Parlament in Ankara zurückgewiesen, die Sicherheitsvorkehrungen an der Zeche Soma zu prüfen. Die Bergwerksgesellschaft teilte mit, die letzten Sicherheitsüberprüfungen habe es vor zwei Monaten gegeben.

          Auch Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigten sich erschüttert über das schwere Bergwerksunglück. „Mit Trauer und Bestürzung habe ich von dem tragischen Grubenunglück erfahren“, schrieb Gauck am Mittwoch in einem Kondolenztelegramm an den türkischen Präsidenten Abdullah Gül. Er wolle ihm seine „tief empfundene Anteilnahme“ aussprechen.

          Kanzlerin Merkel schrieb an den türkischen Premierminister Recep Tayyip Erdogan, sie habe „mit Erschütterung“ die Nachrichten von dem schweren Unglück verfolgt. Sie wolle ihm und seinen Landsleuten ihr „tief empfundenes Mitgefühl“ ausdrücken. „Deutschland steht in diesen schweren Stunden eng an der Seite Ihres Landes und ist gern zur Hilfe bereit“, schrieb die Kanzlerin.

          Auch Papst Franziskus bat um Fürbitte für die Opfer des Grubenunglücks. In der Generalaudienz rief er dazu auf, die toten und verschütteten Bergarbeiter ins Gebet einzuschließen.

          Schwierige Rettung

          Derweil schwindet die Hoffnung vor Ort, verschüttete noch lebend zu bergen. Der Bergmann Sami Kilic, der neun Jahre in der Zeche arbeitete und bei den Rettungsarbeiten half, sagte dem Sender CNN-Türk, bei einer Explosion unter Tage funktioniere die Stromversorgung nicht mehr. Ventilatoren könnten nicht mehr arbeiten, der Luftstrom werde unterbrochen. „Auch wenn die Männer Masken haben sollten, wird eine Rettung schwierig. Die Masken, die wir erhalten haben, reichen für 45 Minuten Frischluft. Aber innerhalb von 45 Minuten kann man nicht die eineinhalb Kilometer nach oben kommen.“ Er rechne mit bis zu 400 Toten. Mehr als 18 Stunden nach dem Grubenunglück waren am Mittwochmorgen Medienberichten zufolge noch sechs Überlebende geborgen worden. Danach gab es zunächst keine Meldungen mehr über gerettete Kumpel.

          Es ist das schwerste Grubenunglück nicht nur in der Türkei, sondern weltweit seit 1992. Damals waren in einem Bergwerk in der türkischen Provinz Zonguldak durch eine Gasexplosion 263 Menschen ums Leben gekommen.

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