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Großbrand bei Ingolstadt : Katastrophe mit glimpflichem Ausgang

Zur möglichen Ursache der Detonation wurden noch keine Angaben gemacht. Bild: dpa

Häuserwände stürzten ein, Gebäudeteile flogen umher: Bei einer Explosion in einer bayerischen Raffinerie werden zehn Menschen verletzt – die Ursache ist noch unbekannt.

          Zum Glück war es ein Samstag. Nur so ist zu erklären, dass bei der gewaltigen Explosion und dem anschließenden Brand am Samstagmorgen in einer Raffinerie in der oberbayerischen Stadt Vohburg an der Donau offenbar nur zehn Menschen verletzt wurden. Denn die Druckwelle auf dem Gelände der Raffineriegesellschaft Bayernoil, etwa 20 Kilometer von Ingolstadt entfernt, war gewaltig: Häuserwände stürzten ein, Gebäudeteile flogen umher, ein Auto wurde unter Betonteilen begraben. Einer der Mitarbeiter, die sich am Samstag auf dem Gelände aufhielten, wurde schwer verletzt, insgesamt mussten vier Verletzte ins Krankenhaus gebracht werden.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Die übrigen Mitarbeiter der Raffinerie erlitten nach Angaben von Bayernoil leichtere Verletzungen, die ambulant versorgt werden konnten. Das Unternehmen sprach zudem von insgesamt 15 Menschen, die ärztlich versorgt werden mussten. Die Löscharbeiten auf dem Gelände dauerten auch am Sonntag noch an, die Feuerwehr musste weiterhin brennbare Stoffe kontrolliert abbrennen, die sich noch in dem Leitungssystem befanden.

          Gegen 5.15 Uhr waren am Samstagmorgen die ersten Notrufe besorgter Anwohner eingegangen, die von einem ohrenbetäubenden Knall sprachen, der kilometerweit zu hören war. Nur mit einem Großeinsatz von Feuerwehrleuten – in der Spitze waren bis zu 350 Einsatzkräften aus der gesamten Region vor Ort – gelang es im Laufe des Vormittags, den Brand auf dem Gelände nach und nach unter Kontrolle zu bringen. Es galt vor allem zu verhindern, dass sich das Feuer auf die Tankbehälter auf dem insgesamt etwa 127 Hektar großen Gelände ausbreitet.

          Inzwischen, so teilte Bayernoil am Sonntag mit, seien die Prozessanlagen und „weitere Systeme“ gesichert. Zur möglichen Ursache der Detonation wurden noch keine Angaben gemacht. Sachverständige des Unternehmens sind vor Ort, Brandexperten der Kriminalpolizei in Ingolstadt werden ermitteln, sobald alle Feuer gelöscht sind. Erwogen wird auch, Experten des bayerischen Landeskriminalamtes hinzuzuziehen. Das bayerische Umweltministerium soll zudem überprüfen, welche Auswirkungen das Feuer und die Löscharbeiten eventuell für Mensch und Natur haben können. Auf Twitter hatte die Polizei am Samstagmittag mitgeteilt, dass Messungen keine gefährlichen Werte ergeben hätten.

          Große Sorgen hatten am Samstagmorgen der Polizei jedoch die gewaltigen Rauch- und Rußwolken bereitet, die zunächst in Richtung Irsching und Knodorf zogen, zweier Stadtteile von Vohburg. Ein Großalarm wurde über die Rettungsleitstelle ausgelöst, mit Lautsprecherdurchsagen und Warnmeldungen im Radio wurden die Menschen aufgefordert, im Haus zu bleiben und Türen und Fenster zu schließen. Um 7.45 Uhr dann stellte das Landratsamt Pfaffenhofen den Katastrophenfall fest, um den Einsatz so gut wie es nur geht koordinieren zu können.

          600 Einsatzkräfte waren beteiligt

          Die Straßen um das Raffineriegelände herum wurden gesperrt, die Evakuierung der Stadtteile Irschings und Knodorf vorbereitet. Inzwischen waren rund 600 Einsatzkräfte beteiligt: 350 Feuerwehrleute, 100 Rettungskräfte, 50 Mitarbeiter des Technischen Hilfswerkes und etwa 100 Polizeibeamte. Rund 2000 Menschen waren von der Anordnung zur Evakuierung betroffen, 200 Personen betreuten Polizei und Mitarbeiter des Roten Kreuzes in einer Turnhalle. Den Bürgern, die ohne Murren Verständnis für die Absperrungen und die Aufforderung zur Evakuierung zeigten, gebühre ein „Dankeschön“, teilte das Polizeipräsidium Oberbayern Nord am Sonntag mit. Nachdem im Laufe des Vormittags schließlich die Explosionsgefahr gebannt war, wurde auch die Evakuierung weiterer Stadtteile entbehrlich, die schon geplant war.

          Gegen 12 Uhr gab die Polizei endgültig Entwarnung: Die Menschen konnten alle wieder in ihre Wohnungen zurückkehren, die Einsatzkräfte wurden immer weiter reduziert. Am späten Nachmittag wurde dann auch der Katastrophenfall aufgehoben. Die Einsatzkräfte hätten sehr gute Arbeit geleistet und viel Mut bewiesen, lobte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU), der sich zusammen mit dem bayerischen Umweltminister Marcel Huber (CSU) vor Ort ein Bild der Lage gemacht hatte.

          Das Ausmaß des entstandenen Schadens ist zunächst noch unklar. Die Polizei teilte am Sonntag mit, man müsse mit einem Millionenschaden rechnen. Bayernoil bietet Anwohnern auf seiner Homepage an, mögliche Schäden mit Fotos zu dokumentieren und bei dem Unternehmen zur Kostenübernahme einzureichen. Die Raffinerie in Vohburg, die 1967 in Betrieb ging, gehört zusammen mit Neustadt an der Donau zu den zwei Standorten von Bayernoil, insgesamt 747 Menschen arbeiten an den beiden Standorten.

          Versorgt wird die Raffinerie in Vohburg über die „Transalpine Pipeline“. Nach Angaben des Unternehmens wird über diese Leitung Rohöl aus Afrika, Norwegen, Saudi-Arabien und anderen Ländern nach Vohburg gepumpt und dort verarbeitet. Hergestellt werden dann Raffinerieheizgas, Flüssiggas, Benzinsorten, Dieselkraftstoff, Heizöl, Kerosin, Bitumen und Schwefel. Rund 10,3 Millionen Tonnen Rohöl pro Jahr werden demzufolge insgesamt in den beiden Standorten weiterverarbeitet.

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