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Brandgeruch bis Sachsen : „Größter Waldbrand in der Geschichte von Mecklenburg-Vorpommern“

Feuerwehrleute löschen in der Nähe der evakuierten Ortschaft Alt Jabel einen großflächigen Waldbrand. Bild: dpa

In Mecklenburg-Vorpommern stehen mehr als 430 Hektar Wald in Flammen. Der Landwirtschaftsminister spricht vom größten Brand in der Geschichte des Bundeslandes. Gefahr geht vor allem von der Munition im Boden aus.

          Hunderte Kilometer weit zog der Gestank. Noch in Sachsen meldeten Anwohner einen Brandgeruch, obwohl kein Feuer zu sehen war. Der Wind hatte den Gestank über Deutschlands Osten geweht, von Mecklenburg im hohen Norden bis ganz in den Süden. Dort, im hohen Norden, sprach am Montag der Landwirtschaftsminister von Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus (SPD), bei einer Pressekonferenz vom größten Waldbrand, den es in seinem Bundesland jemals gegeben habe. Auch zu DDR-Zeiten sei so etwas im Nordosten nicht vorgekommen, ein solcher Brand von solcher Ausdehnung.

          Matthias Wyssuwa

          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Was Mecklenburg-Vorpommern erlebt in diesen Tagen, ist historisch, die Ausmaße sind riesig. Betroffen von dem Brand sind etwa 430 Hektar nahe Lübtheen im Landkreis Ludwigslust-Parchim, etwa 50 Kilometer südlich von Schwerin. Da es sich bei dem Gelände um einen früheren Truppenübungsplatz handelt, ist es auch noch mit Munition belastet. Es besteht Explosionsgefahr. Das erschwert die Löscharbeiten ungemein, die Feuerwehrleute durften sich dem Brandgebiet aus Sicherheitsgründen nur bis zu 1000 Meter nähern. Von mehreren Detonationen wurde berichtet. Ein Ferienlager mit etwa 100 Kindern und drei Ortschaften mit insgesamt etwa 650 Menschen sind schon evakuiert worden. Der Landkreis hatte am Sonntagabend Katastrophenalarm ausgelöst, weitere Evakuierungen sind nicht ausgeschlossen.

          Am Montag sagte der Landrat Stefan Sternberg (SPD), es gehe im Moment nicht um das Löschen des Brands, es gehe um die Sicherung der Ortschaften. „Und um Leib und Leben, wie man so sagt.“ Gebrannt hatte es in dem Wald schon vergangene Woche, auf einer weitaus kleineren Fläche allerdings, und zunächst meldeten die Behörden, dass das Feuer gelöscht sei. Am Sonntag allerdings brach es wieder aus, und weil der Wind ungünstig stand, konnte es sich auch rasch ausbreiten.

          Verdacht auf Brandstiftung

          Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) sprach davon, dass die Behörden auch wegen des Verdachts auf Brandstiftung ermittelten. Das Feuer soll nämlich an mehreren Stellen ausgebrochen sein, hieß es. Am späten Nachmittag teilte die Polizei mit, dass ein paar Kilometer weiter westlich ein weiterer Waldbrand gemeldet worden sei. Etwa 400 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Bundeswehr, Polizei und Katastrophenschutz waren in der Region im Einsatz, weitere wurden aus anderen Bundesländern angefordert, Hilfe zudem auch vom Bund. Vier Hubschrauber versuchten die Umgebung der bedrohten Ortschaften zu wässern, zwei Bergepanzer wurden erwartet, und auch ein Löschpanzer war im Einsatz.

          Der Truppenübungsplatz bei Lübtheen ist etwa 6200 Hektar groß und war seit den dreißiger Jahren in Betrieb. 2013 wurde er von der Bundeswehr aufgegeben, 2015 wurde die Fläche unter Naturschutz gestellt. Erst im Frühjahr präsentierte Backhaus Pläne, wie aus dem ehemaligen Truppenübungsplatz ein touristischer Anziehungspunkt werden könnte mit Wander- und Radwegen. Nur war auch da schon die Munitionsbelastung des Geländes ein großes Problem. Wie viel der alten Munition genau in den Wäldern liegt, ist allerdings unklar.

          Das Innenministerium teilte am Montag mit, dass es im ganzen Bundesland 175 Flächen gebe, auf denen noch Kampfmittel beseitigt werden müssten. Dazu zählen demnach auch mehr als 28.000 Hektar Wald. Weitere 109.000 Hektar gelten zudem als „kampfmittelbelastet“. Nahe dem Brandherd liegt auch ein Betrieb des Munitionsbergungsdiensts, der gesichert werden musste. Das Feuer sei von dem Betrieb nur etwa 50 Meter entfernt, hieß es.

          Wie Backhaus weiter sagte, werden die Kiefernwälder zudem schon lange nicht mehr forstlich bewirtschaftet. Darum liege auch altes und trockenes Holz am Boden, das „wie Zunder“ brenne. Das sei bei dieser Witterung eine große Gefahr. In den nächsten Tagen soll es in der Region zwar kühler werden, aber doch windig und trocken bleiben.

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