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Waldbrände in Griechenland : Wird Athen im Kampf gegen das Feuer bevorzugt?

In Athen: ein ausgebrannter Bus Bild: AP

Obgleich die Waldbrände im Norden Athens am Sonntag unter Kontrolle gebracht werden konnten, wütet auf der Insel Euböa noch immer das Feuer. Außerhalb der Hauptstadt regt sich Kritik.

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          Während die Waldbrände im Norden Athens am Sonntag zumindest zwischenzeitlich weitgehend unter Kontrolle gebracht worden sind, wüten sie auf der Insel Euböa und in mehreren Gebieten der Peloponnes weiter. Auf Euböa kämpften fast 600 Einsatzkräfte, unter ihnen auch je etwa 100 als Verstärkung entsandte Feuerwehrleute aus Rumänien und der Ukraine, um eine Einhegung der Flammen. Dennoch mussten am Sonntag weitere 350 Menschen von den Stränden der Insel aus mit Schiffen in Sicherheit gebracht werden. Insgesamt wurden bisher etwa 2000 Menschen von Euböa ans Festland gebracht. Die Feuer auf der nach Kreta zweitgrößten griechischen Insel brennen seit Dienstag und bedrohen mehrere Orte.

          Michael Martens
          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Obwohl der Regierung des griechischen Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis für die zügige und weitgehend reibungslose Räumung von potentiell gefährdeten Ortschaften weiterhin allgemein Achtung gezollt wird, regt sich außerhalb der Hauptstadt inzwischen Kritik am Athener Umgang mit der Krise. Der Vorwurf kommt auf, die Provinz sei im Stich gelassen worden, da die meisten Kräfte für die Bekämpfung der Brände vor Athen eingesetzt worden seien. Der Bürgermeister von Mantoudi, eines Dorfes auf Euböa, klagte am Sonntag in einem Gespräch mit dem Fernsehsender Skai: „Ich habe schon keine Stimme mehr, so oft habe ich nach zusätzlichen Löschflugzeugen gefragt.“

          Die Menschen blieben in ihrem Kampf allein

          Ähnliche Vorwürfe kamen von anderen Lokalpolitikern sowie Bewohnern der Insel: Der Staat sei nicht zu sehen, die Menschen blieben in ihrem Kampf allein. Allerdings wurden am Sonntag auf Euböa deutlich mehr Einsätze von Löschflugzeugen geflogen, nachdem sich die Lage bei Athen einstweilen stabilisiert hatte. Die Regierung verweist seit Tagen auf die Ausmaße der Katastrophe,die es unmöglich machten, alle Brandherde im Land gleichzeitig zu bekämpfen. Das Retten von Menschenleben habe Priorität, der Schutz von Wäldern und Häusern werde sich nicht überall gewährleisten lassen, hatte Mitsotakis dazu sinngemäß gesagt. Zugleich wird inoffiziell darauf hingewiesen, dass im Großraum Athen etwa vier Millionen Menschen leben, auf Euböa dagegen etwa 220.000.

          Auf den täglich von der NASA veröffentlichten Satellitenbildern sind die aktuellen Brandherde markiert (Durchblättern mit den Pfeiltasten unten links).

          Eine positive Entwicklung stellt die weiterhin wachsende Zahl an ausländischen Hilfskräften dar. Aus vielen EU-Staaten, darunter auch aus Deutschland, ist Hilfe bereits in Griechenland eingetroffen oder befindet sich auf dem Weg. So soll aus Hessen an diesem Montag Personal aufbrechen, um einen Hilfseinsatz vorzubereiten, wie das hessische Innenministerium mitteilte. Demnach sollen mehr als 164 Einsatzkräfte des Katastrophenschutzes für etwa zwei Wochen nach Athen und in die umliegende Region Attika entsandt werden. Zur Ausrüstung gehörten unter anderem zehn geländegängige Tanklöschfahrzeuge. Aus Bonn sowie vom Technischen Hilfswerk soll ebenfalls Personal nach Griechenland entsandt werden. Auch aus Frankreich, Spanien sowie Tschechien trafen bereits Personal und Material zur Unterstützung der Löscharbeiten ein oder befinden sich auf dem Weg, ebenso aus der Schweiz, Israel und Ägypten. Als eines der ersten EU-Länder hatte Zypern Löschzüge nach Griechenland entsandt.

          Obwohl die Gefahr auch im Norden Athens noch nicht gebannt ist, konnte dort mit einer ersten Bestandsaufnahme der bisherigen Schäden begonnen werden. Demnach sind in den betroffenen Vororten mehrere hundert Häuser ganz oder teilweise verbrannt. Da auch Hunderte Masten verbrannten, ist die Stromversorgung teils zusammengebrochen. Es wird damit gerechnet, dass es bis zu zwei Wochen dauern könnte, bis die Stromversorgung überall wieder aufgenommen werden kann – vorausgesetzt, es kommt nicht zu neuerlichen Bränden.

          Auch in Süditalien brennt es weiter: Im Norden Siziliens waren am Sonntag Löschflugzeuge im Madonie-Naturpark im Einsatz. Die Türkei kämpft schon den zwölften Tag in Folge gegen die schwersten Waldbrände seit mehr als zehn Jahren. Mindestens sechs Brände waren am Sonntag noch nicht unter Kontrolle.

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