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Waldbrände in Griechenland : Ein Land wie ein Pulverfass

  • -Aktualisiert am

Auf Euböa bringt eine Frau sich und ihren Hund in Sicherheit. Bild: dpa

In Teilen Griechenlands herrschen nach tagelanger Hitze katastrophale Zustände, besonders die Insel Euböa ist von den Waldbränden betroffen. Die Hitzewelle entfacht auch eine Debatte über die Klimakrise.

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          Wenn die Athener in diesen Tagen ihr Haus nicht ohne Mund-Nasen-Schutz verlassen können, liegt das nicht an der Pandemie. Im Norden der griechischen Hauptstadt brennen die Wälder. Kaum atmen könne man draußen, berichten Einheimische. Über der Stadt: eine schwere Rauchglocke. Die Luft ist stickig. Es riecht nach Feuer. Asche regnet vom Himmel.

          Auch die Terrasse der Ferienwohnung von Katharina Krannich ist mit einer feinen Ascheschicht bedeckt. Seit Ende Juli macht die 38-Jährige aus Halberstadt mit ihrer Familie Urlaub in Griechenland, in Koukaki, einem Athener Stadtteil nahe der Akropolis. Am 3. August um 14.25 Uhr piepste ihr Handy. Eine Notfall-SMS des griechischen Zivilschutzes: Es brennt nahe Athen. Zwei Stunden später folgten zwei weitere Warnungen. Seitdem ist der Himmel dunkel. „Das ist bedrohlich. Ich vergewissere mich ständig, wo die Brände sind. Vor allem am Mittwoch hatte ich Angst. Die Wolken waren tiefschwarz.“

          Am Mittwoch rückte das Feuer vor bis in den Athener Vorort Varympompi. In der bewaldeten Region gibt es viele Farmen, die evakuiert wurden. Anwohner mussten ihre Häuser verlassen, Tiere gerettet werden, Straßen wurden gesperrt. Auch Olympia, der Geburtsort der Olympischen Spiele, war von Flammen umzingelt. Die Feuerwehr konnte die antike Stätte retten. Doch ein Besuch ist für Familie Krannich nicht mehr drin: „Wir wollten Olympia gerne sehen. Das geht natürlich nicht mehr“, sagt Krannich. „Vor jedem Ausflug schauen wir, wie die Lage vor Ort ist und ob wir weit genug von den Bränden weg sind. Und ich überlege mir, was wir im Notfall tun.“

          Ein Satellitenbild zeigt die Waldbrände auf Euböa.
          Ein Satellitenbild zeigt die Waldbrände auf Euböa. : Bild: Maxar Tec/Maxar Technologies/AP/dpa

          Raus gehe die Familie seit dem Brand bei Varympompi ohnehin meist erst gegen Abend: „Es ist einfach extrem heiß.“ Egal wohin sie fahren, von überall seien die Rauchschwaden am Himmel zu sehen. Selbst als sie fast 40 Kilometer entfernt am Strand von Lagonisi badeten, blickten sie auf die Rauchwolke bei Athen.

          Es ist die längste Hitzewelle seit 1987

          Hitze und Waldbrände sind für die Griechen nichts Ungewöhnliches. Aber dieses Mal sei alles anders, sagen Einheimische. Sie leiden nicht nur unter der Höhe der Temperaturen, sondern auch darunter, wie lange die Hitzewelle schon anhält. Sonst sind es nur wenige Tage, wie Sakas sagt. Jetzt gehe es schon über eine Woche so. Es ist die längste Hitzewelle seit 1987. Klimaanlagen gab es damals noch keine, Tausende Menschen starben. 1977 hatte Athen den Temperaturrekord in Europa aufgestellt: 48 Grad. In diesen Tagen wäre er fast geknackt worden.

          Nach mehr als einer Woche mit Temperaturen jenseits der 45 Grad kühlte es am Wochenende zumindest ein wenig ab. Doch in den kommenden Tagen soll es wieder heißer werden. Bedrohlich niedrig ist die Luftfeuchtigkeit – was nicht nur der Gesundheit, sondern auch der Feuerwehr zu schaffen macht, weil sich die Brände schneller ausbreiten können. Untypisch ist außerdem, dass so viele Feuer gleichzeitig entstehen. Der Brand bei Varympompi ist nur einer von Dutzenden in Griechenland. Auch auf den Inseln Rhodos und Euböa brennt es seit Anfang August. Und die Lage verschärfte sich am Wochenende dramatisch.

          Bis Freitag lautete eine der wenigen guten Nachrichten: Es war nahezu windstill. Dadurch zog zwar der Rauch über der Hauptstadt nicht ab. Doch die Feuerwehr konnte die Brände eindämmen. Zum Glück wehe es nicht, sagten die Einheimischen. Nicht wie damals, in Mati. Die Katastrophe vom Juli 2018 ist noch frisch in den Köpfen der Griechen. Damals fegten bei maximaler Waldbrandgefahr Böen von 90 Stundenkilometern über das Land. Die Flammen breiteten sich rasant aus, rund 100 Menschen starben, mehr als Tausend Häuser brannten nieder.

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