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Griechenland brennt : „Wir sitzen in der Falle“

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Verzweifelter Kampf: Freiwillige gegen die Brände bei Olympia Bild: picture-alliance/ dpa

In zahlreichen griechischen Dörfern stehen die Bewohner den verheerendsten Bränden seit Jahrzehnten gegenüber. Schon mehr als 60 Menschen fielen den Feuern zum Opfer, von denen viele im Auftrag von Bodenspekulanten gelegt worden sein sollen.

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          Die verheerenden Brände in Griechenland haben mittlerweile mehrere Dörfer umzingelt. Menschen in Todesangst wandten sich am Montag mit dramatischen Hilfsappellen an die Medien. „Wir brennen... Bitte helft uns. Wo sind die Hubschrauber?“, schrie ein Mann aus dem von Flammen eingeschlossenen Dorf Frixa immer wieder in sein Mobiltelefon. Starke Winde fachten die am Freitag ausgebrochenen Waldbrände im ganzen Land weiter an. Nach Angaben der Feuerwehr starben bisher 63 Menschen in den Flammen, weitere Opfer wurden in von der Außenwelt abgeschnittenen Dörfern befürchtet.

          An zahlreichen Orten umzingelten meterhohe Flammen Häuser und Farmen, während die Menschen an Flussufern Schutz suchten. „Unser Dorf ist eingeschlossen, und wir sitzen in der Falle. Bitte helfen sie uns. Ich habe Körperbehinderte hier und kann sie nicht tragen“, sagte eine Frau aus dem Dorf Porthyo dem griechischen Fernsehen. Die Flammen sind mittlerweile über Hunderte Dörfer hinweggefegt, Tausende Menschen sind auf der Flucht vor den Bränden.

          Weiter Brände rund um Olympia

          Zwar gelang es am Sonntag gerade noch, die Zerstörung der antiken Stätten von Olympia zu verhindern, in den nahegelegenen Dörfern wüteten die Flammen jedoch weiterhin. In der 5000-Einwohner-Stadt Krestena kämpften Feuerwehrleute, Soldaten und Freiwillige mit Unterstützung von Löschflugzeugen aus dem Ausland gegen eine große Feuerwand, die sich auf die Stadt zu bewegte. „Sie schicken Feuerwehren zum Museum nach Olympia und hier verbrennen Menschen“, wetterte eine Frau im griechischen Fernsehen. Am Sonntag hatten die Wehren mit Mühe den Kampf um die antiken Stätten mit den Flammen gewonnen. „Olympia brennt! Helft uns! Die Front kommt auf die antike Stätte zu. Wir müssen weg“, hatte der Direktor der Museumsanlage, Christos Giannaras, verzweifelt am Telefon um Hilfe gerufen. Häuser und Hotels waren evakuiert worden. Die griechische Regierung hat den Notstand über das ganze Land verhängt. Es ist eine „nationale Katastrophe“, sagte der griechische Ministerpräsident Kostas Karamanlis.

          Mehrere EU-Länder haben mittlerweile Flugzeuge und Feuerwehrleute nach Griechenland geschickt. Drei deutschen Hubschrauber sollten nach Angaben der Bundeswehr am späten Abend auf einem Militärflughafen bei Athen eintreffen und ihre Löscheinsätze am Dienstag beginnen. Ein Vorauskommando war schon am Sonntag in Griechenland gelandet. Ein Sprecher des Heeres sagte, insgesamt werde die Bundeswehr mit bis zu 50 Soldaten bei dem Löscheinsatz helfen.

          Schnelle Hilfe der EU

          Die Sprecherin des EU-Umweltkommissariats, Barbara Helfferich, sagte, die Behörde sei zufrieden mit der schnellen Hilfe der EU-Mitgliedsstaaten. Innerhalb von 48 Stunden seien zwölf Flugzeuge und Hubschrauber bereitgestellt worden. Um künftig noch schneller reagieren zu können, berate die Europäische Kommission zurzeit über eine europäische Brandschutztruppe.

          Die griechische Regierung und viele Bürgermeister vor Ort gehen davon aus, dass die Feuer absichtlich gelegt wurden. Die Polizei hat bisher zwei ältere Menschen und zwei Jungen wegen des Verdachts auf Brandstiftung festgenommen. Das Ministerium für öffentliche Ordnung erklärte, Staatsanwälte prüften derzeit, ob Brandstiftungen künftig wie terroristische Akte behandelt werden könnten. Unterdessen warfen griechische Oppositionsparteien und Medien der Regierung von Ministerpräsident Kostas Karamanlis vor, bei der Bekämpfung der Brände versagt zu haben. In Griechenland wird am 16. September ein neues Parlament gewählt.

          Kein Anlass, Reisen zu stornieren

          Die Wettervorhersage bringt den erschöpften Feuerwehrleuten nur nur wenig Hoffnung. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) erwartet, dass die Temperaturen in Griechenland auch in den nächsten Tagen kaum unter 30 Grad Celsius sinken werden. Eine wochenlange Hitzewelle mit Temperaturen um die 40 Grad hatte das Land austrocknen lassen, seit Monaten hat es nicht mehr geregnet. Auch in den kommenden Tagen ist kein Regen in Sicht, die Winde, die für die Jahreszeit in Griechenland typisch sind, werden zwar nicht mehr so stark wehen wie zuletzt, aber immer noch stark genug, um Feuer wieder anzufachen.

          Der Reiseveranstalter Tui fliegt trotz der Waldbrände weiter Touristen nach Griechenland. Bislang gebe es keine Absagen, sagte Sprecher Robin Zimmermann in Hannover. „Die Brände sind derzeit noch weit von unseren Vertragshotels entfernt, daher gibt es keinen Anlass, Reisen zu stornieren.“

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