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Dauerregen und Überflutungen : Katastrophenalarm wegen Hochwassers

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Wassermassen fließen am Mittwoch durch den Zaun eines Gartens im niedersächsischen Rhüden. Bild: dpa

Der Katastrophenschutzstab des Landkreises Goslar übernimmt die Einsatzleitung im Hochwassergebiet. Im Harz ist eine Frau verschwunden, eine Talsperre droht dort überzulaufen. Drei Feuerwehrmänner wurden verletzt.

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          Der niedersächsische Landkreis Goslar hat wegen massiver Überschwemmungen offiziell den Katastrophenalarm ausgerufen. Mit diesem Schritt übernehme der Katastrophenschutzstab des Landkreises Goslar ab sofort die Gesamtverantwortung und übergeordnete Koordination aller Einsätze für das Kreisgebiet, teilte die Verwaltung am Mittwoch mit. Tief „Alfred“  setzte einigen Orten in dem Kreis schwer zu. In Bad Harzburg wurde der Bahnhof komplett gesperrt. In Goslar selbst traf es die ganze Innenstadt, wo braune Wasserfluten durch die Straßen strömten.

          „Hier ist Land unter“, sagte eine Verwaltungsmitarbeiterin in der 23.000-Einwohner-Stadt Bad Harzburg im Kreis Goslar am Vormittag. Dort stand das Wasser in vielen Straßen mindestens 20 Zentimeter hoch. Nichts ging mehr am Bahnhof, wo die Gleise unter Wasser standen. Auch die Bundesstraße 4 war teilweise unpassierbar, wie eine Polizeisprecherin mitteilte. 350 Feuerwehrleute waren im Dauereinsatz. Die Polizei orderte Verstärkung an.

          Wasser überflutet in Goslar die historische Altstadt. Bilderstrecke

          Äußerst angespannt war die Lage auch in der Stadt Goslar selbst. Dort wurde die Innenstadt gesperrt. Das Hotel Kaiserworth sowie die Seniorenresidenz Theresienhof mussten evakuiert werden. Die Polizei erhielt Unterstützung von 60 Bereitschaftspolizisten. Die Wasserfluten strömten über den Marktplatz.

          Unterdessen sind drei Feuerwehrmänner im Hochwassereinsatz bei einem Verkehrsunfall in Niedersachsen verletzt worden, zwei von ihnen schwer. Das Einsatzfahrzeug der Feuerwehr war nach Polizeiangaben mit Blaulicht und Martinshorn zu einem Einsatz in Wolstorf bei Helmstedt unterwegs. Aus bislang ungeklärter Ursache geriet das Fahrzeug plötzlich auf den unbefestigten Seitenstreifen, der wegen der Regenfälle stark aufgeweicht war.

          Der 55-jährige Fahrer verlor dabei auf der Landesstraße 641 die Kontrolle über das Fahrzeug, fuhr etwa 70 Meter über den Seitenstreifen und prallte schließlich gegen einen Baum. Durch den Aufprall wurden der Fahrzeugführer, der 23 Jahre alte Beifahrer schwer und ein weiterer 24-jähriger Feuerwehrmann in dem Fahrzeug leicht verletzt. Alle wurden ins Krankenhaus gebracht.

          Landesregierung wappnet sich für eventuelle Großlagen

          Wegen der starken Regenfälle droht derweil die Zillierbachtalsperre oberhalb von Wernigerode im Harz überzulaufen. „Wir rechnen damit, dass es am späten Nachmittag oder am Abend passiert“, sagte Maren Dietze, Leiterin Betrieb des Talsperrenbetriebs Sachsen-Anhalt, am Mittwochnachmittag in Blankenburg. Die Talsperre habe in den vergangenen Tagen schon eine ganze Menge Wasser zurückgehalten und werde nun wie eine volle Badewanne überlaufen. Andere Möglichkeiten gebe es nicht. Wie groß das Ausmaß am Ende sei, hänge auch vom Zulauf ab. Sturzbachähnlich werde es aber nicht. Laut Talsperrenbetrieb fasst die Zillierbachtalsperre 2,83 Millionen Kubikmeter Wasser.

          In Wernigerode ist außerdem eine 69 Jahre alte Frau in der Nähe eines Flusslaufes verschwunden. Die Frau wohne direkt an der Holtemme, sagte ein Polizeisprecher am Mittwoch. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass sie am Dienstag in den stark angestiegenen Fluss gefallen ist.

          Auch Bahn- und Buspendler stellte das Unwetter am Mittwoch auf die Geduldsprobe. Einige Regionalzugstrecken im Süden Niedersachsens mussten gesperrt werden. Im Busverkehr kam es wegen Erdrutschen und Straßensperrungen zu Ausfällen und Verspätungen. Zum Glück sei Urlaubs- und Ferienzeit und der Schulverkehr falle weg, sagte eine Sprecherin der Deutschen Bahn. Dennoch seien tausende Fahrgäste betroffen.

          Die niedersächsische Landesregierung wappnete sich für eventuelle Großlagen. „Das Kompetenzzentrum Großschadenslagen wurde heute morgen mit einer mittleren Besetzung hochgefahren“, sagte Mirko Temmler vom Referat für Brand- und Katastrophenschutz des Innenministeriums. Trotz nachlassenden Regens betonte er: „Wir können sicherlich noch nicht ganz Entwarnung geben.“

          Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes fiel – abgesehen von den Bergstationen, speziell dem Brocken – der meiste Niederschlag in der Gemeinde Hahausen bei Seesen (Kreis Goslar) am Nordwestrand des Harzes. In 48 Stunden sind dort 171 Millimeter gemessen worden, im benachbarten Seesen 161 Millimeter. In einem „normalen“ Juli seien dort im ganzen Monat 100 Millimeter Regen zu erwarten. „Diese Menge ist also um die Hälfte übertroffen worden, und das in zwei Tagen“, erläuterte der DWD die Dimension. Laut DWD zeichnet sich aber ein Ende des Dauerregens ab.

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