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Merkel im Katastrophengebiet : Eine Verwüstung, für die es kaum Worte gibt

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Angela Merkel am Sonntag im Gespräch mit Betroffenen der Flutkatastrophe in Schuld Bild: Reuters

Bei ihrem Besuch im rheinland-pfälzischen Dorf Schuld hat die Bundeskanzlerin Hilfe versprochen. Die deutsche Sprache kenne kaum Worte für die Verwüstung in den Flutgebieten, sagte Merkel. Die Folgen werden noch lange sichtbar bleiben.

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          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat bei ihrem Besuch in den vom Hochwasser schwer getroffenen Gebieten in Rheinland-Pfalz schnelle Hilfe angekündigt. „Wir stehen an Ihrer Seite, Bund und Land“, sagte sie am Sonntag in Adenau im Kreis Ahrweiler. Bund und Land würden Hand in Hand arbeiten, „um die Welt wieder Schritt für Schritt in Ordnung zu bringen in dieser wunderschönen Gegend“.

          Sie sei gekommen, um sich ein reales Bild von den surrealen, „gespenstischen Bildern“ vor Ort zu verschaffen, sagte Merkel. „Die deutsche Sprache kennt kaum Worte für die Verwüstung, die hier angerichtet ist.“ Am kommenden Mittwoch werde die Bundesregierung ein Programm verabschieden für schnelle Hilfen, mittelfristige Aufgaben und zur Wiederherstellung der Infrastruktur, versicherte Merkel. Es gehe darum, schnell zu handeln, aber mit langem Atem.

          Begleitet wurde die Kanzlerin unter anderem von der Mainzer Ministerpräsidentin Malu Dreyer und dem rheinland-pfälzischen Innenminister Roger Lewentz (beide SPD). Dreyer dankte der Bundeskanzlerin für ihren Besuch im Katastrophengebiet und den vielen Helferinnen und Helfern für ihren Einsatz. Den Angehörigen der 112 Toten drückte sie ihr tiefes Mitgefühl aus. Außerdem erinnerte sie an die rund 30 Vermissten, die 670 Verletzten in den Krankenhäusern und die vielen traumatisierten Menschen. „Unser Land ist erschüttert“, sagte Dreyer.

          Der Bürgermeister von Schuld Helmut Lussi  erwartet eine sehr große Schadenssumme. Ein Sachverständiger sei allein in dem Dorf, das knapp über 700 Einwohner zählt, in einer ersten Schätzung auf 31 bis 48 Millionen Euro gekommen. Viele Hausbesitzer hätten keine Elementarschadensversicherung. In dem Pressestatement wurde Lussi von seinen Emotionen übermannt und war den Tränen nahe.

          Auch am vierten Tag nach der Hochwasserkatastrophe ist in dem Landkreis noch Schlamm, Schutt und Schmutz sichtbar. Trümmer türmen sich teils meterhoch. Es wird Wochen, Monate dauern, bis allein die sichtbaren Folgen der Katastrophe beseitigt sind. Allein im Landkreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz haben mindestens 110 Menschen bei der Flutkatastrophe ihr Leben verloren. Auch am Sonntag suchten Rettungskräfte in den teils völlig zerstörten Ortschaften nach Opfern – auch mit Hilfe von Luftbildaufnahmen, die vom Hubschrauber aus gemacht wurden. Es sei zu befürchten, dass die Zahl der Toten weiter steigt, berichtet die Polizei in Koblenz.

          „Die kommen mit den Toten nicht nach“

          Das kleine Städtchen Bad Neuenahr-Ahrweiler gleicht ebenso einem Trümmerfeld. Bagger heben Autos an, die sich in den Gassen verkeilt haben, vor den Häusern stapeln sich Tische, Stühle und anderer zerstörter Hausrat. Anwohner wie Thomas Bähr schaufeln Schlamm aus ihren Häusern. „Das haben wir gerade erst gekauft“, erzählt der Besitzer eines 300 Jahre alten Hauses.

          Peter Geller wohnt direkt an der Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert. In seinem Hof wurde eine Tote angeschwemmt. Erst nach vielen Stunden seien die alarmierten Rettungskräfte gekommen, um die Leiche abzuholen. „Die kommen mit den Toten nicht nach“, berichtet Geller am Samstag. Anwohner Karl-Heinz Conradt weiß von fünf Bekannten sicher, dass sie tot sind.

          Das Strom- und Telefonnetz ist auch am Sonntag in vielen Orten noch ausgefallen. Frei liegende Stromleitungen gefährdeten die Menschen, warnte die Polizei. Eine Vielzahl von Straßen sei nicht befahrbar.

          Angesichts der gewaltigen Zerstörungen und der vielen persönlichen Schicksale weitet das Land Rheinland-Pfalz sein psychosoziales Hilfsangebot aus. „Wir wollen die Menschen, die durch das katastrophale Unwetter den Verlust eines Menschen betrauern, selbst in existenzielle Not geraten sind oder durch die Naturgewalten ihr gesamtes Hab und Gut verloren haben, nicht allein lassen“, erklären Sozialminister Alexander Schweitzer (SPD), der Opferschutzbeauftragte Detlef Placzek und Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD).

          Inmitten der Tragödie scheint es schwer vorstellbar, dass das Leben sich bald wieder normalisiert. „Unsere Dörfer werden nie wieder so sein, wie es war“, sagte etwa Pfarrer Michael Schaefer zu Beginn der Sonntagsmesse im Eifel-Ort Adenau. Glücklicherweise habe man dort keine Toten zu beklagen.

          Mindestens 46 Tote in Nordrhein-Westfalen

          Auch in Nordrhein-Westfalen scheint eine Rückkehr zur Normalität in weiter Ferne zu liegen. Hier ist das große Aufräumen ebenfalls in vollem Gange. Auf der Bundesstraße 265 liegen am Samstag Autos wie riesiges Strandgut herum, zwischen und unter Lastwagen gedrückt. Die Bundeswehr hilft mit Panzern beim Aufräumen. In der 50.000-Einwohner Stadt Erftstadt seien 6000 Menschen unmittelbar von der Katastrophe betroffen, berichtet Bürgermeistern Carolin Weitzel (CDU) am Samstag. Die Infrastruktur der Stadt müsse wieder aufgebaut werden.

          Im gesamten Land NRW starben nach Stand Sonntagmittag 46 Menschen bei der Flutkatastrophe. Und noch immer suchen viele nach vermissten Angehörigen. Besonders angespannt ist die Lage im Stadtteil Erftstadt-Blessem, wo Fachleute die Abbruchkanten eines Erdrutsches untersuchen. Dort war infolge der Fluten ein riesiger Krater entstanden, mindestens drei Wohnhäuser und ein Teil der historischen Burg stürzten ein. Auch die von einem Bruch bedrohte Steinbachtalsperre bereitet den Experten am Sonntag weiter Sorge.

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