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Germanwings-Bericht : Lubitz stand kurz vor psychiatrischer Behandlung

Ein Trümmerfeld: Helfer an der Absturzstelle im März 2015. Bild: dpa

Fragen zu den letzten Minuten von Unglücksflug 4U9525 werden wohl für immer bleiben. Etwas Licht ins Dunkel aber brachte heute die französische Untersuchungsbehörde mit der Vorstellung ihres Abschlussberichts.

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          Der 13. März. Auf die Katastrophe folgte sofort die Frage: Wie war es möglich, dass ein psychisch kranker Kopilot ein Flugzeug mit 150 Insassen steuern durfte? In zehn Tagen jährt sich der Absturz des Airbus 320 der Fluggesellschaft Germanwings über den südfranzösischen Alpen, und die Frage treibt die Angehörigen der Opfer, die Ermittler und die ganze Öffentlichkeit noch immer um.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Denn Andreas Lubitz nahm sich nicht nur selbst das Leben. Als am 24. März 2015 um 10.41.06 Uhr die Unglücksmaschine an einem Bergmassiv zerschellte, hatte er auch 144 Passagiere und fünf weitere Besatzungsmitglieder mit voller Absicht mit in den Tod gerissen.

          Die Hintergründe der Katastrophe werden sich vollständig wohl nie erschließen. Doch es ist klar, dass man Konsequenzen aus dem schier unvorstellbaren Vorgang ziehen muss. Die französische Flugunfalluntersuchungsbehörde BEA, die schon am Unfalltag an die Absturzstelle geeilt war, legte am Sonntag Empfehlungen für solche Maßnahmen vor. Sie zeigen, dass einfache Antworten fehl am Platz sind. Erforderlich ist eine Gratwanderung zwischen strengen Kontrollen auf der einen Seite sowie Anreizen für die Piloten, persönliche Schwierigkeiten aufzudecken, auf der anderen Seite. Denn jede Sanktionsdrohung kann zum Verheimlichen führen. Dabei gilt es auch, das Prinzip der ärztlichen Schweigepflicht zu überdenken, das nach Auskunft der BEA in Deutschland besonders streng ist.

          Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft von Marseille suchte Lubitz innerhalb von fünf Jahren 41 Ärzte auf. Er klagte, dass er sein Augenlicht verliere, was sich physisch aber nicht nachweisen ließ, und dass er oft nur zwei Stunden pro Nacht schlafen könne. Am 10. März, zwei Wochen vor dem Absturz, diagnostizierte ein Arzt laut BEA-Bericht eine mögliche Psychose und empfahl ihm die Einweisung in die Psychiatrie. Der 27 Jahre alte Lubitz kam der Aufforderung nicht nach und flog er weiter. Er nahm lediglich Antidepressiva und schlaffördernde Mittel. Dass er Selbstmordphantasien hatte, ließ sich später an seinen Google-Suchen feststellen: Er interessierte sich unter anderem für den Tod durch Zyankali, Benzin-Schlucken oder Gifte, die Kohlenmonoxid erzeugen.

          Was wusste die Lufthansa, sein Arbeitgeber? BEA-Chef Rémi Jouty erklärte am Sonntag, die deutsche Fluggesellschaft habe alle Regeln beachtet. „Weder die Behörden noch der Arbeitgeber waren vom Kopiloten selbst oder von einer anderen Person, zum Beispiel einem Arzt, Kollegen oder einem Familienangehörigen, informiert worden“, heißt es in dem Bericht. Doch Lubitz hat seinen Zustand nicht immer verschwiegen. Zwischen August 2008 und Juli 2009, als er sich noch in der Ausbildung befand, litt er an einer schweren Depression. Das wusste die Lufthansa. Dadurch erhielt er später nur ein Tauglichkeitszeugnis mit Sondergenehmigung. Es sollte dann aufgehoben werden, wenn die Störungen wiederkehrten. In den jährlichen Untersuchungen durch die Flugmediziner der Lufthansa fielen die psychischen Krisen aber offenbar nicht auf.

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