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Gedenken an Opfer der Love Parade : Ein Ort, an dem sie bei den toten Kindern sein können

Gedenkstein für die Opfer der Loveparade in Duisburg Bild: Schoepal, Edgar

Vor drei Jahren kamen bei der Duisburger Love Parade 21 Menschen ums Leben. Nun ist die Gedenkstätte fertig. Gegen die Verantwortlichen des Unglücks soll bald Anklage erhoben werden.

          5 Min.

          Für Stefanie und Klaus-Peter Mogendorf gibt es seit dem 24. Juli 2010 einen Ort, der so bedeutsam ist, wie kein Ort sonst auf der ganzen Welt. Es ist die Rampe, die zwischen zwei weitausladenden Tunnelbögen hinaufführt zum ehemaligen Gleisfeld des Duisburger Güterbahnhofs. Vor drei Jahren fand dort oben das Technospektakel Love Parade statt. Vor drei Jahren kam hier unten ihr 21 Jahre alter Sohn ums Leben.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Eike hatte sich am Morgen des 24. Juli zusammen mit Freunden aus Osnabrück und Umgebung aufgemacht. Stundenlang waren die jungen Leute unterwegs. Erst im Zug und dann zu Fuß in Duisburg. Wegen der Menschenmassen kam sie kaum voran. Am späten Nachmittag, kurz vor dem Ziel, verloren sich die Freunde im Karl-Lehr-Tunnel am Abzweig zur Rampe aus den Augen. Wie zwanzig andere junge Leute kam Eike im Gedränge ums Leben.

          Eineinhalb Wochen nach der Katastrophe waren die Mogendorfs zum ersten Mal an der Rampe, um Abschied zu nehmen von Eike. Es gelang ihnen nicht. Die Vorstellung, dass die Stelle einfach zugeschüttet werden sollte, weil ein Investor auch den Ort, an dem 21 Menschen umgekommen waren, mit einem Möbelhaus überbauen wollte, fanden Stefanie und Klaus-Peter Mogendorf unerträglich. Sie brauchen einen Ort, an dem sie bei ihrem Kind sein können. Nicht nur an den Jahrestagen. Auch an Weihnachten fahren sie nach Duisburg. „Heiligabend zu Hause, das kriegen wir nicht hin“, sagt Klaus-Peter Mogendorf. „Diesen Ort zu erhalten, das war meine Aufgabe, die ich mir gestellt habe, nach dem Tod von Eike. Dafür habe ich gekämpft vom ersten Tag an.“

          Im Tunnel herrscht gespenstische Ruhe

          Der Karl-Lehr-Tunnel setzt sich aus mehreren Brückenbauwerken zusammen. Sie müssen hergerichtet werden, bevor Investor Kurt Krieger damit beginnen kann, auf dem ehemaligen Güterbahnhof sein Möbelhaus zu bauen. Die Stadt Duisburg hat die Karl-Lehr-Straße deshalb für Autos und Lastwagen gesperrt. Im Tunnel herrscht in diesen Tagen gespenstische Ruhe. Nur das Summen der vielen hundert Neonleuchten vereint sich zu einem großen monotonen Drängen, das dann und wann vom an- und abschwellenden Rauschen der Waggons eines Personenzugs zerschnitten wird.

          Der Investor Krieger hat verstanden, dass die Hinterbliebenen und die Opfer, die überlebt haben, den Ort brauchen. Trotzdem haben sich die Verhandlungen mit den Hinterbliebenen über eine Gedenkstätte lange hingezogen. Es lag auch daran, dass ein Teil der bei der Katastrophe Verletzten und Traumatisierten immer wieder Nachforderungen stellt. Die Mogendorfs gehörten zu jenen, die versuchten, am Konsens mitzuwirken. Klaus-Peter Mogendorf ist Bauingenieur und arbeitet in einem Architekturbüro. Zwei Pläne fertigten er und sein Chef seit Frühjahr 2011 an und legten sie dem Investor vor. Gut die Hälfte der Ideen hat Krieger übernommen, schätzt Mogendorf. Der Investor sei sehr kooperativ gewesen. Mehrfach waren die Mogendorfs in Berlin in der Krieger-Zentrale. Zuletzt ging es noch einmal um eine ganz heikle Frage: die Breite der Gedenkstätte am Fuß der Rampe. „Das Argument, dass bei 7,40 Metern einer der Toten lag, hat ihn überzeugt.“

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