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Gebäudesicherheit : Mängel an jeder zweiten Halle

  • -Aktualisiert am

Aus Holz gebaut: die eingestürzte Eissporthalle von Bad Reichenhall Bild: dpa/dpaweb

Nach dem Unglück in Bad Reichenhall hat der Tüv mehr als 200 deutsche Hallen überprüft. Das Ergebnis: Jede zweiten Halle weist Sicherheitsmängel auf. Besonders schlecht schnitten Holzkonstruktionen ab.

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          Um die Sicherheit der Hallen in Deutschland ist es schlecht bestellt. Zu diesem Ergebnis sind die Baufachleute des TÜV Süd gekommen, die seit dem Unglück in Bad Reichenhall mehr als 200 Hallen überprüft haben; davon ist die Sicherheit von 100 Hallen an Standorten in ganz Deutschland schon abschließend bewertet.

          Das Fazit des TÜV, das in München vorgestellt wurde: Mehr als die Hälfte der Hallen wies sicherheitsrelevante Mängel auf. Besonders hoch war mit 75 Prozent der Mängelanteil bei Holzkonstruktionen. Eine solche Holzkonstruktion war die Halle in Bad Reichenhall, bei deren Einsturz im Januar 15 Menschen umkamen. Stahlkonstruktionen schnitten mit 55 Prozent, Betonhallen mit 45 Prozent besser ab.

          Während bei Stahl- und Betonbauten in keinem Fall ein Einsturz drohte, war bei elf Prozent der Holzkonstruktionen die Standsicherheit nicht gegeben; diese Hallen wurden geschlossen. Nach Ansicht der Fachleute des TÜV ist Holz als Baustoff nicht schlechter als Stahl und Beton. Holz werde aber häufiger bei kleineren Hallen eingesetzt, die mit geringerem Planungs- und Berechnungsaufwand als größere Vorhaben gebaut würden.

          Mangelnde Wartung und Sanierung

          Bei sieben Prozent der vom TÜV untersuchten Hallen war die Statik nicht korrekt berechnet. Bei weiteren zwölf Prozent stimmte die Ausführung nicht. Die Prozesse bei Planung, Bau und Betrieb müßten überdacht werden, forderte Manfred Bayerlein vom TÜV Süd am Donnerstag. Unterschiedliche Interessen der Baubeteiligten und die Aufteilung von Statik- und Prüfaufträgen führten zu einem Qualitätsrisiko. Verschärft wird die Sicherheitslage durch mangelnde Wartung und Sanierung bestehender Hallen. „Wir haben in Deutschland zu lange die Tatsache ignoriert, daß Gebäude altern und daß wir diesen Prozeß systematisch begleiten müssen“, sagte Bayerlein.

          Eine Qualitätssicherung, die den ganzen Lebenszyklus eines Gebäudes umfasse, müsse die Regel werden. Der TÜV Süd hat ein zweistufiges Konzept entwickelt, um einen Gebäudebestand zu bewerten. Zunächst wird zwischen gefährdeten und weniger gefährdeten Gebäuden unterschieden. Zu den gefährdeten Gebäuden rechnet man Tragwerke mit großen Spannweiten und Konstruktionen, die wegen Abdeckungen nicht direkt einsehbar sind. Sie bedürften einer intensiven Untersuchung, während bei den weniger gefährdeten Gebäuden eine regelmäßige Sichtprüfung ausreiche.

          Keine Gewähr für die Standsicherheit

          Neben den eigenen Gutachten haben die Baufachleute des TÜV noch 65 Berichte über Unglücksfälle bei Hallen ausgewertet. Dabei ergab sich, daß das Einsturzrisiko bei Hallen fast über ihre gesamte Lebensdauer gleich hoch ist. Auch wenn eine Halle mehrere Winter mit hoher Schneelast unbeschadet überstanden hat, bietet das keine Gewähr für die Standsicherheit.

          Ein hoher Anteil der Einstürze ging nicht auf Überlast durch Schnee und Eis zurück. Bei Holzhallen wurden 24 Prozent der Einstürze durch Konstruktionsfehler, 29 Prozent durch Mängel bei Materialien und Bauausführung, 37 Prozent durch Schwierigkeiten bei Betrieb und Instandhaltung verursacht. Der Bericht einer Expertenkommission zur Unglücksursache in Bad Reichenhall wird im Juni veröffentlicht.

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