https://www.faz.net/-gum-z4uq

Fukushima : Verstrahltes Wasser und eine Explosion

  • -Aktualisiert am

Im Reaktorgebäude 1 steigt der Wasserpegel gefährlich an: Wie das radioaktiv verstahlte Wasser entsorgt werden kann, ist unklar Bild: AFP

Im Atomkraftwerk Fukushima bereitet radioaktiv verstrahltes Wasser weiterhin Schwierigkeiten: Der Pegel in Reaktor 1 steigt rasant an. Dem Betreiber Tepco wird zudem vorgeworfen nicht ausreichend für die Sicherheit der Arbeiter zu sorgen.

          Am havarierten japanischen Atomkraftwerk Fukushima haben ausgetretenes Öl und eine kleinere Explosion Schäden verursacht. Neue Strahlungslecks entstanden nach Angaben der Betreiberfirma Tepco vom Dienstag aber nicht. Laut Tepco entdeckten Arbeiter im Meer in der Nähe der abgeschalteten Reaktoren 5 und 6 ausgetretenes Öl. Der Ölteppich wurde mit Barrieren eingedämmt, wie Unternehmenssprecher Taichi Okazaki sagte.

          Am Reaktor 4 des beschädigten Kernkraftwerkes Fukushima ist am Dienstag ein Sauerstofftank explodiert. Arbeiter berichteten, sie hätten am Nachmittag einen lauten Knall gehört. Der Betreiber des Kernkraftwerkes, Tepco, teilte mit, es habe weder Feuer noch Rauch gegeben, und es sei keine erhöhte Radioaktivität auf dem Gelände festgestellt worden. Nach Angaben von Tepco hat eine fernbetriebene Maschine, die Trümmer beseitigt, den Tank beschädigt.

          Wasser stieg an einem Tag um fast 40 Zentimeter

          Wegen der heftigen Regenfälle der letzten Tage ist das hoch kontaminierte Wasser in den Reaktor- und Turbinengebäuden angestiegen, nachdem Regenwasser in die beschädigten Gebäude eingelaufen war. In Reaktor 1 stieg das Wasser in 24 Stunden um 37.5 cm. Wie die Betreibergesellschaft Tepco am Dienstag mitteilte, wurde im Wasser am Boden des Reaktorgebäudes 1 des zerstörten Atomkraftwerks Fukushima Eins radioaktives Caesium mit Strahlenwerten von zwei Millionen Becquerel pro Kubikmeter gemessen. Das Wasser in einem Tunnel bei Reaktor 2 stieg um 8 cm und droht bald überzulaufen.

          Angesichts der beginnenden Regenzeit bereitet der rasch steigende Wasserstand Sorgen. Die Frage der Entsorgung ist nach wie vor ungelöst. Es wird befürchtet, dass erneut verstrahltes Wasser ins Erdreich oder ins Meer gelangen könnte. Tepco hatte Mitte Mai die Installation einer Anlage angekündigt, mit der radioaktive Substanzen aus dem Wasser in den Gebäuden gefiltert und das Wasser zugleich zur Kühlung der Reaktoren eingesetzt werden soll. Die Anlage dürfte aber erst im Juli betriebsbereit sein. Das radioaktive Wasser, das zur Kühlung der Reaktorbehälter in die Gebäude gepumpt wird, macht den Betreibern seit Beginn der Katastrophe Schwierigkeiten. Zum Beispiel konnte das reguläre Kühlsystem der Anlage nicht repariert werden, da ein Einsatz der Arbeiter in den überfluteten Bereichen zu gefährlich ist.

          Fahrlässigkeiten bei den Sicherheitsvorkehrungen

          Unterdessen wurden neue Fahrlässigkeiten von Tepco bei den Sicherheitsvorkehrungen für die Arbeiter im Kernkraftwerk bekannt. Das japanische Staatsfernsehen NHK meldete, dass zwei Arbeiter, bei denen eine Belastung von mehr als 250 Milisievert, der höchsten zulässigen Belastung für Arbeiter in einer Krisensituation, gemessen wurde, jeweils nur einmal, kurz nach dem Unfall am 11. März, Jodtabletten bekommen haben. Jodtabletten verhindern, dass sich radioaktives Jod in der Schilddrüse anlagert. Die beiden Arbeiter hatten seit dem Erdbeben vom 11. März in dem Kernkraftwerk gearbeitet, seien aber erst Mitte April das erste Mal ärztlich untersucht worden.

          Tepco hat erst am 22. März mit der Untersuchung von innerer Verstrahlung begonnen. Bis heute seien erst weniger als 40 Prozent der 3.700 Arbeiter von Fukushima Daiichi auf innere Verstrahlung untersucht worden. Tepco verfügt bislang nur über vier Geräte, die die innere Verstrahlung messen können. Die japanische Regierung forderte Tepco auf, die Arbeiter öfter zu testen.

          Heftige Überschwemmungen im Nordosten

          Im Nordosten Japans kam es jüngst zu Überschwemmungen. Die Menschen in den Katastrophengebieten im Nordosten Japans sind am Montag von heftigen Regenfällen heimgesucht worden. Teilweise standen Straßen unter Wasser, Flüsse schwollen bedrohlich an, meldeten Medien. Die Behörden warnten vor möglichen Erdrutschen, da sich durch das Megabeben und den Tsunami vom 11. März stellenweise der Boden gelockert habe. Der Betreiber der Atomruine Fukushima zweifelt derweil langsam daran, die Lage in dem zerstörten AKW bis Jahresende stabilisieren zu können.

          Topmeldungen

          Gletscher Okjökull : Das Eis verlässt Island

          Die Gletscherschmelze ist ein eindrückliches Merkmal der Klimaerwärmung: Der einstige Gletscher Okjökull auf Island ist heute keiner mehr. Die isländische Ministerpräsidentin appelliert an die Weltgemeinschaft.
          In einem Gedenkgottesdienst nehmen Angehörige, Freunde und Nachbarn Abschied von dem achtjährigen Jungen

          Nach Frankfurter Gewaltat : Abschied von getötetem Achtjährigen

          Nach der grausamen Tat am Frankfurter Hauptbahnhof haben Angehörige, Freunde und Nachbarn in einem Gedenkgottesdienst Abschied von dem getöteten Jungen genommen. Auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier war anwesend.
          Angestellte von Google und Youtube beim Gay Pride Festival in San Francisco, Juni 2014

          Trump gegen Google : Man nennt es Meinungsfreiheit

          Ohne das Internet wäre Donald Trump wohl nicht amerikanischer Präsident geworden. Jetzt beschwert er sich über politische Ideologisierung bei Google. Aus dem Silicon Valley schallt es zurück.
          Im Jahr 2016 ist es in Kalkutta zwar noch wuseliger, aber die Anzahl der Läden und Fahrzeuge deuten auf einen Entwicklungsfortschritt hin.

          Wohlstand, Gesundheit, Bildung : Der Welt geht es immer besser

          Kurz bevor er starb, hat der schwedische Arzt Hans Rosling noch ein Buch geschrieben. Es hat eine zutiefst erschütternde These: Der Zustand der Welt verbessert sich, doch keiner bekommt es mit. Woran liegt das?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.